2020 ist und bleibt kein Jahr der Geselligkeit – auch in Kitzingen. Nach einem Sommer ohne Weinfeste kommt ein Herbst ohne Kirchweihen auf die Bevölkerung zu. Besonders hart trifft das die Stadt- und Ortsteile Siedlung, Sickershausen und Etwashausen, wo im August eigentlich die Siedler Kerm sowie im Oktober die Schnitthapples-Kerm und die Ebshäuser Kerm stattfinden.

In Sickershausen, wo die Jugendvereinigung Storchenbrünnle um ihre Vorsitzende Marina Servatius die Festtage organisiert, fällt dabei sogar eine ganz besonderes Kirchweih aus: Die 100. Schnitthapples-Kerm. „So wie es aussieht, müssen wir die große Feierei auf nächstes Jahr verschieben“, erklärt Servatius schweren Herzens. So ganz haben die Organisatoren die Hoffnung zwar noch nicht aufgegeben – Kirchweihprediger Thomas Beer ist immerhin schon fleißig dabei, die Geschehnisse aus dem vergangenen Jahr in Reimform zu bringen. „Die Kerm muss heuer in abgespeckter Form stattfinden“, erklärt die Vorsitzende und schließt damit den traditionellen Rathaussturm oder auch die Fete in der Sickerhalle komplett aus. „Die Geometer werden trotzdem durch die Straßen ziehen, und vielleicht kann es auch eine Schlüsselübergabe und zumindest den Gottesdienst geben.“ Marina Servatius und ihr Team von der Jugendvereinigung müssen ihre Jubiläums-Pläne jedenfalls erst einmal verschieben. „Wir sind schon sehr traurig, dass die 100. Schnitthapples-Kerm nicht standesgemäß gefeiert werden kann.“

Auch in der Siedlung ist die Trauer groß. „Wir wollen uns zumindest am Freitag treffen und die Bäumle ausfahren“, verrät der Vorsitzende der Siedler Knörz Michael Neubert. „Damit man zumindest ein bisschen was davon sieht, dass wir Kirchweih haben.“ Am kommenden Wochenende wäre es soweit gewesen, der Kirchweihruf wäre erstmals in diesem Jahr wieder zu hören gewesen. Unter diesen Umständen dürfen aber weder die Fete im Festzelt am SSV-Gelände noch der große Umzug stattfinden. „Wir können nicht dafür garantieren, dass die Hygienevorgaben eingehalten werden. Wie sollte das funktionieren?“, fragt sich Neubert hinsichtlich der Menschenmassen, die dem Umzug beiwohnen und folgen, um die Krönung der neuen Siedlerkönigin mit zu erleben. „Wir hätten zwar auch relativ kurzfristig noch etwas auf die Beine stellen können“, sagt Michael Neubert, hat seine Hoffnungen auf entsprechende Lockerungen aber längst aufgegeben. „Es ist unter diesen Umständen eben einfach nicht möglich.“ Diese Umstände sind auch nach der jüngsten Pressekonferenz von Ministerpräsident Markus Söder unverändert. Für die Einhaltung ist nach wie vor das Landratsamt zuständig, Pressesprecherin Corinna Petzold erklärt aber, dass es beim Gesundheitsamt keine Anfragen zur Durchführung der Kitzinger Kirchweihen gab.

Hoheiten bleiben im Amt

Für die aktuelle Siedlerkönigin Fabienne Lampert heißt das, dass sie für ein weiteres Jahr im Amt bleibt. „Sie hatte ja auch gar keine Gelegenheit, an Terminen teilzunehmen“, weiß Michael Neubert und hofft darauf, dass sie im nächsten Jahr im würdigen Rahmen verabschiedet werden kann.

Gleiches gilt auch für die aktuelle Gärtnerkönigin Celine Lang. „Sie hatte Tränen in den Augen, als wir ihr gesagt haben, dass sie ein weiteres Jahr regieren darf“, sagt Anke Volbers. Neben den Freudentränen der Majestät gab es aber auch in den Reihen des Organisationskomitees viele weinende Augen. „Die Kirchweih gehört einfach dazu“, sagt Volbers, die Frau des Ebshäuser Kirchweihpräsidenten Markus Volbers. „Wir stecken unsere ganze Freizeit da hinein, aber wir machen es gerne.“ Viele Helfer, die in den nächsten Wochen schon mit dem Wagenbau beschäftigt wären, hätten nachgefragt, „ob wir uns jetzt trotzdem treffen“. Das Gemüse zur Dekoration der Wagen sei jedenfalls längst gepflanzt. „Wir werden wahrscheinlich eine Spendenbox aufstellen, so dass jeder sich etwas davon holen kann.“ Ansonsten seien die Tafeln schließlich immer dankbar für frisches Gemüse.

So könne man sogar noch etwas Gutes tun in dieser traurigen Situation, sagt Anke Volbers, und man merkt ihr die Enttäuschung deutlich an. Inzwischen gibt es Überlegungen, zumindest einen Gottesdienst zu gestalten, das ginge auch kurzfristig. Das eigentliche Herzstück, der große Umzug, bedarf aber eines zu großen Aufwands, um ihn kurzfristig doch noch anzuberaumen. Einzelne, kleinere Zusammenkünfte wird es zur Kirchweih wohl auch in Etwashausen geben, genauso wie in Sickershausen und der Siedlung. Ein bisschen Geselligkeit brauchen die Menschen eben – auch in diesem Jahr, das dafür offensichtlich nicht geeignet ist.

Kirchweihen und Corona

Großveranstaltungen sind auch nach den jüngsten Verlautbarungen von Ministerpräsident Markus Söder bis Ende Oktober verboten. Mit Sorge blickt er auf die neuesten Fälle in Niederbayern und auf die anstehende Urlaubssaison und weist nachdrücklich auf Maskenpflicht und Abstandsregel sowie deren Einhaltung und mögliche Sanktionen bei Verstoß hin.

Für die Siedler, Sickershäuser und Etwashäuser bedeutet das: Mit der Absage ihrer Kirchweihfeste haben sie zunächst alles richtig gemacht. Große Umzügen wie auch die anderen Höhepunkten wie Ausgrabung, Rathaussturm etc. können unter diesen Bedingungen nicht stattfinden.