Brigitte Jallow versteht die Welt nicht mehr. Zwei ihrer vier Katzen sind gestorben. Auf brutale Art und Weise. An einen Zufall glaubt sie nicht mehr.

Sonntag vor eineinhalb Wochen: Die Kleinlangheimer steht auf ihrer Terrasse und ruft nach ihrem „Mikki“. Acht Jahre alt ist der schwarz-weiß gestreifte Kater. Ein Streuner. Aber einer, der frühmorgens immer zur Stelle war, wenn es Futter gab. Brigitte Jallow ruft und hört ein leises Wehklagen unter sich. Tatsächlich: Dort unten, auf der ungemähten Wiese liegt „Mikki“ und kann sich nicht mehr rühren. Kein Wunder: Die Hinterbeine seltsam verdreht, der ganze hintere Leib unbeweglich. „Jemand muss ihm das Rückgrat gebrochen haben“, sagt die Kleinlangheimerin.

Am Anfang glaubte sie noch einen Zufall, einen blöden Unfall. Irgendetwas Schweres könnte ihrem Kater auf den Körper gefallen sein. Seit diesem Wochenende glaubt sie nicht mehr an so eine Variante.

„Herr P.“ war ebenfalls acht Jahre alt. „Auch ein ganz Lieber“, sagt Brigitte Jallow und es fällt ihr sichtlich schwer, weiter zu sprechen. An diesem Sonntagmorgen kam ihre Nachbarin und berichtete, dass „Herr P.“ auf deren Anwesen lag. Das gleiche Bild. Der Körper entstellt, das Rückgrat offensichtlich gebrochen. „Er hat noch gelebt“, flüstert Brigitte Jallow. „Seine Augen waren noch offen.“ Jallow hat die Nachbarn, eine Landwirtsfamilie, gebeten, dem Tier das Leiden zu ersparen. „Sie haben ihn auch gleich beerdigt“, erzählt sie. „Ich hätte das nicht mehr gekonnt.“

Gertrud Nickel ist die Nachbarin, die „Herrn P.“ gefunden hat. Sie lässt keinen Zweifel daran, dass jemand dem Tier das Rückgrat gebrochen hat. „Das Kreuz stand so komisch heraus“, sagt sie. „Wir mussten das Tier von seinem Leid erlösen.“

Brigitte Jallow hat die Polizei gerufen. „Die waren auch sehr verständnisvoll“, sagt sie. Ihre Vermutung, dass es jemanden gibt, der rund um Kleinlangheim, Wiesentheid und Wiesenbronn ganz gezielt Katzen jagt und quält, teilt die Polizei allerdings nicht. Drei Anzeigen im Zusammenhang mit geschundenen Katzen habe es in diesem Jahr im Landkreis Kitzingen gegeben, teilt die Polizei auf Nachfrage mit. Im Frühjahr der Fall aus der Kitzinger Siedlung, als eine Katze mehrmals mit einem einem Luftgewehr beschossen wurde (wir berichteten). Vor etwa drei Wochen dann der Fall aus Wiesenbronn, wo eine Katze mit 24 Schüssen aus einem Luftgewehr verletzt wurde und schließlich eingeschläfert werden musste.

„Einen Zusammenhang sehen wir da nicht“, heißt es von der Polizeiinspektion in Kitzingen. „Schon wegen der zeitlichen Abfolge.“ Von einer außergewöhnlichen Zahl an vermissten Katzen sei auch nichts bekannt, entsprechende Anzeigen habe es jedenfalls nicht gegeben.

In den sozialen Medien wurde gerade in Wiesentheid vermehrt von verschwundenen Katzen berichtet. Auch Brigitte Jallow hat von Bekannten gehört, dass dort eine Menge Katzen verschwunden seien. Bürgermeister Dr. Werner Knaier liegen keine entsprechenden Informationen vor. Er habe auch nichts von Quälereien oder Ähnlichem gehört. Ähnlich sieht es in Kleinlangheim aus, wo Bürgermeisterin Gerlinde Stier ganz erstaunt ist über den Anruf dieser Redaktion und die Nachricht von den beiden toten Katzen. Es habe in letzter Zeit überhaupt keine Klagen über Katzen im Ort gegeben, versichert sie.

Brigitte Jallow ist überzeugt, dass es auch in Kleinlangheim weniger Katzen gibt als noch vor ein paar Wochen. Nachts stellt sie immer wieder Futter raus. „In letzter Zeit ist das aber kaum noch angerührt worden.“ Ihre Nachbarin, Gertrud Nickel, weiß von Verwandten, denen seit etwa drei Wochen Katzen weggekommen sind. „Die machen sich große Sorgen.“

Ihre beiden kleinen, einjährigen Katzen, will Brigitte Jallow an den nächsten Wochenenden jedenfalls daheim einsperren, auch wenn das für die beiden völlig ungewohnt ist. „Sonst kriege ich kein Auge mehr zu“, sagt Brigitte Jallow. „Da draußen treibt ein Irrer sein Unwesen.“

Auch wenn die Polizei anderer Meinung ist. In Wiesenbronn hat sich Ende August tatsächlich ein abscheuliches Drama abgespielt. Bürgermeisterin Doris Paul ist immer noch „total erschüttert“ von dem Fall des zweijährigen Katers „Paulchen“, der mit 24 Schüssen, vermutlich aus einer Luftdruckwaffe, regelrecht hingerichtet worden ist. „So etwas macht nur einer, der gezielt quälen will“, meint Paul.

Die Ermittlungen der Polizei verliefen bislang im Sand. Wer Beobachtungen zu irgendeinem der geschilderten Fälle gemacht hat, der soll sich bei der Polizeiinspektion Kitzingen, Tel. 09321/141-0 melden.