Eine gepflegte Rasenfläche. Ein paar einzelne Sträucher. Ansonsten viel Kies und Gabionen. Ordentlich sehen sie aus, die modern gestalteten Gärten, die in immer mehr Siedlungen zu finden sind. Tier- und Naturschützern aber sind sie ein Dorn im Auge – und auch den Menschen bieten sie wenig Erholung.

Ein Garten. Da denkt man an Bäume und Sträucher, an Stauden, Gras und Blumen. An sonnige und schattige Ecken. An Insekten, Schmetterlinge und Vögel. Doch wenn Manfred Engelhardt, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz, sich in neuen Wohnvierteln umschaut, entdeckt er all dies immer seltener. „Das Konzept des sogenannten modernen Gartens findet sehr viele Anhänger. Man sieht Gabionen und Kiesflächen. Dürftiger Schatten kommt von bunten Markisen“, kritisiert er.

Als Gärten mag er diese Flächen gar nicht bezeichnen. „Ein Garten sollte ein Ort der Natur sein, ein Ort der Symbiose zwischen Bewohnern, Pflanzen und Tieren.“ Dass alle drei von dieser Symbiose profitieren, habe man besonders in diesem überdurchschnittlich warmen und trockenen Sommer gesehen. „Ein von hohen Bäumen und Büschen überschatteter Garten ist ein Zufluchtsort, ein Paradies“, so Engelhardt. „Um so mehr, wenn vielleicht auch noch Wasser in einem Teich oder einer Zinkbadewanne durch Verdunstung die Luft kühlt.“

Eine Kühlung, die Mensch und Tier gut brauchen konnten. Die aber die Kies- und Schotterflächen, die es zunehmend gibt, nicht bringen. Im Gegenteil. „Der Kies erhitzt sich und durch die Abstrahlung wird es dann noch heißer und trockener“, erklärt Mechthild Engert, Kreisfachberaterin für Gartenkultur und Landespflege. Darüber aber sind sich viele, die ihren Garten „modern“ gestalten, nicht im Klaren. Ebenso wenig darüber, dass auch ein solcher Garten Arbeit macht.

Jeder Garten, egal wie er aussieht, stellt einen Eingriff in die Natur dar, macht Engert deutlich. Wir entfernen Pflanzen, nehmen Boden weg oder graben ihn um, füllen auf, pflanzen Neues ein. Doch nach dem Anlegen bleibt der Garten nicht wie er ist. „Er verändert sich mit den Jahreszeiten. Alles wächst und man verliert schnell die Kontrolle“, sagt Mechthild Engert. Damit kämen zunehmend mehr Menschen nicht mehr zurecht. Sie wollen immer alles selbst in der Hand haben, mögen keine ständige Veränderung und auch keine ständige Arbeit. Deshalb greifen sie bei der Gartengestaltung auf Formen zurück, die ihrer Ansicht nach mit wenig Arbeit verbunden sind. Schotter- und Kiesflächen zum Beispiel. Doch der Schein trügt: „Das wird nicht halten“, weiß die Kreisfachberaterin. Es wird sich Schmutz und Staub ansammeln, Samen werden anfliegen, Moose werden die Steine bedecken, kleine Pflanzen und Gräser wachsen. „Das wird wieder besiedelt.“ Und damit kommt viel Arbeit auf die Gartenbesitzer zu.

Einladend für Insekten und Vögel sind derartige Gärten nicht – weder die Steinflächen noch die schönen Ziersträucher. „Sie bieten häufig keine Nahrungsquelle, produzieren kaum Pollen oder Nektar“, kritisiert Klaus Sanzenbacher. Der Vorsitzende des Landesbundes für Vogelschutz Kitzingen spricht deshalb von einem „schönen Schein“. In eintönigen Gras- und Steinlandschaften könnten sich keine Tiere halten, Vögel nicht nisten.

Wer seinen Garten mit Sträuchern gestaltet, die wenig Wasser brauchen, mit Wiesen, die nicht allzu oft gemäht werden müssen, oder mit Obstbäumen, bietet den Tieren Schutz und Nahrung – und habe auch nicht allzu viel Arbeit, so Sanzenbacher. Auch Mechthild Engert ist davon überzeugt, dass Gärten schon mit wenigen Mitteln zum Insektenparadies werden. „Fast alle Pflanzen ziehen Insekten an. Gerade Kräuter, wie Salbei, Oregano, Dill usw. sind Insektenmagneten.“

Einen weiteren Aspekt spricht Manfred Engelhardt an: „Ein Baum nimmt Kohlendioxid auf und produziert Sauerstoff, filtert Staubpartikel aus der Luft, speichert Wasser und unterstützt als Biotop die wachsend bedrohte Artenvielfalt.“ Bäume erfreuen durch Blüten und Obst, spenden Schatten und halten Schlagregen ab, so der BN-Kreisvorsitzende.

Dass heimische Sträucher und Bäume in den Gärten gepflanzt werden müssen, ist eigentlich vorgeschrieben. Die Bebauungspläne enthalten derartige Regelungen. Doch ob sich die Bewohner der Siedlungsgebiete daran halten, ist schwierig zu kontrollieren und zu sanktionieren. Manche Gemeinden haben bereits auf die zunehmende Zahl der Steinflächen in Gärten reagiert. Die Stadt Iphofen beispielsweise hat einen entsprechenden Passus im Bebauungsplan „Geiersberg II“ aufgenommen. „Flächige Steinschüttungen sind nicht zulässig“, heißt es dort. Wie Petra Krist von der Bauverwaltung sagt, war die Anregung dazu von Stadtplaner Franz Ullrich gekommen. Auslöser sei ein Negativbeispiel in einem anderen Baugebiet gewesen. Es ist davon auszugehen, dass Geiersberg II nicht das einzige Baugebiet bleiben wird, in dem die Steinschüttungen verboten sind. Laut Krist orientiert sich die Stadt bei Neuausweisungen in der Regel an den Vorgaben des zuletzt erlassenen Plans.

Mechthild Engert plädiert dafür, beim Anlegen eines Gartens zu beachten, wo sich das Anwesen befindet und was dort vor dem Bau der Siedlung war. „Man sollte versuchen, die Strukturen und damit den Lebensraum für die Tiere zu erhalten.“ Allerdings bringt ein einzelnes grünes Paradies inmitten von vielen „modernen“ Gärten wenig. „Ein Garten allein ist viel zu klein für viele Tierarten. Das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Es müssten sich schon alle an die Regelungen halten. Denn folgt jeder den Vorgaben der Bebauungspläne – die mit den Naturschutzverbänden und Naturschutzbehörden abgestimmt sind – entsteht ein vernetzter Raum und damit genau der Platz, den die Tiere benötigen.

Zu Gärtnern ist für manchen eine Erholung, ein Ausgleich, eine Erfahrung, die Demut lehrt, eben weil man nicht alles kontrollieren kann. Andere dagegen verbinden einen Garten ausschließlich mit unliebsamer Arbeit, suchen die Erholung im Park oder anderswo. In diesem Fall könne man überlegen, ob ein Einfamilienhausgebiet überhaupt die richtige Wohnform ist, regt Mechtild Engert an. „Es muss ja nicht jeder einen Garten haben.“ Steinerne Höfe in den Altorten böten ebenfalls den privaten Raum, den jeder für sich braucht. Sie weiter zu nutzen, statt die Natur durch neue Baugebiete zu versiegeln, ist schließlich auch im Sinne der Nachhaltigkeit.