Sie ließen sich nicht lange bitten. Kaum war die letzte Begrüßungsrede gehalten, stürmten die Erst- und Drittklässler aus der Kitzinger Siedlungsschule los. Spannende Experimente warteten schließlich auf sie – und wollten in Angriff genommen werden.

Vom Tatendrang der Grundschüler dürften sich die erwachsenen Gäste der Eröffnungsfeier „Miniphänomenta“ bestätigt fühlen. „Endlich können wir wieder Erfahrungen im realen Leben sammeln“, freute sich Schulleiterin Heike Schneller-Schneider. Die Zeit des Distanzunterrichts sei lange und anstrengend gewesen. Gerade jetzt sei es für die Kinder in ihrem Lernprozess wichtig, etwas anfassen und etwas tun zu können. An den 35 Stationen der „Miniphänomenta“ ist genau das möglich.

35 Stationen im Schulgebäude

An der Universität in Flensburg ist das Konzept entwickelt worden. Mittlerweile wird es nicht nur in Deutschland flächendeckend angewandt, sondern auch in 40 thailändischen Schulen. Wie beliebt das Projekt ist, zeigt sich an der Wartezeit, die die Siedlungsschule akzeptieren musste. Heike Schneller-Schneider hatte sich bereits vor sieben Jahren um das Projekt beworben. Umso glücklicher zeigte sie sich, dass es jetzt endlich geklappt hat.

35 Stationen sind zwei Wochen lang in der Turnhalle und im Schulgebäude aufgestellt. Sie führen die Grundschulkinder spielerisch an technische und wissenschaftliche Phänomene heran. Wie funktionieren Magneten? Wie die Schwerkraft? Und was ist eine optische Täuschung? Fragen, mit denen sich die Kleinen auf ganz natürlichem Wege auseinandersetzen. Das Prinzip lautet: Erst staunen, dann selbstständig forschen und zuletzt begreifen. „Die Lehrer machen dabei keine Vorgaben“, erklärte Projektleiterin Doreen Dambacher. „Sie sind nur Begleiter.“ Zwei Lehrkräfte habe eigens für das Projekt an einer Fortbildung teilgenommen.

Und tatsächlich: Die Kinder lebten ihre Experimentierfreude aus. Sie ließen Luftballons steigen, balancierten einen Stab durch die Sporthalle und wuchteten ein Holzpodest in die Höhe – um zu sehen, wann sich der Würfel darauf bewegt. „Unmittelbare Primärerfolge verfestigen das Wissen“, hatte es Schulrat Florian Viering in seinen Begrüßungsworten ein wenig wissenschaftlich formuliert, um hinterher zu schieben: „Kinder lernen in diesem Projekt ganz nebenbei.“

Eine Aussage, die Heike Schneller-Schneider nur bestätigen kann. Seit einer Woche stehen die Stationen in Turnhalle und Schulgebäude. Insgesamt 35 Stationen zu physikalischen Phänomenen, aber auch zu den Themenbereichen Wasser und Laser/Licht sind aufgebaut. Projektträger ist das Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft, als Hauptsponsor fungieren die bayerischen Metall- und Elektroarbeitgeberverbände bayme vbm. Kristina Clemens von der Geschäftsstelle in Unterfranken erinnerte an den Fachkräftemangel in diesem Land, gerade in technischen Berufen.

Nachhaltigkeit ist das Ziel

Die „Miniphänomenta“ sei ein erster Schritt, Kinder zum Forschen zu motivieren – und zwar Jungen und Mädchen gleichermaßen. Und jetzt? Ist nach den insgesamt zwei Wochen wieder Schluss mit dem neu erwachten Forschergeist? Die Köpfe hinter der „Miniphänomenta“ wollen genau das Gegenteil erreichen. Möglichst nachhaltig soll das Interesse an Experimenten geweckt werden, weshalb die einzelnen Stationen am besten von Eltern nachgebaut und der Schule dauerhaft zur Verfügung gestellt werden.

Dank der Kooperationen mit dem Armin-Knab-Gymnasium hat die Siedlungsschule einen anderen Weg gefunden. Die Schüler eines P-Seminars haben einige Stationen nachgebaut und der Siedlungsschule übergeben. Auch kommende Erstklässler werden sich daran ausprobieren können – ganz im Sinne von OB Stefan Güntner.

Der hatte in seiner Begrüßung daran erinnert, dass die Anforderungen nicht stehen bleiben und dass Deutschland nicht als Land der Angsthasen bekannt sei – sondern als Land der Dichter und Denker. Die Kinder rief er deshalb auf, ihren Entdeckergeist nie zu verlieren. „Bleibt neugierig.“ Dank der „Miniphänomenta“ dürfte das kein Problem sein.

Mehr experimentieren

Wenn Kinder in Deutschland ihre Grundschulzeit hinter sich gebracht haben, sind etwa zehn Prozent ihrer Vorstellungen über Natur und Technik im schulischen Zusammenhang entstanden, 70 Prozent aber durch die Medien. Die verbale Auseinandersetzung über Probleme hat mehr als die Hälfte der Unterrichtszeit ausgemacht. Etwa 20 Prozent des Unterrichts wurde genutzt, um Schülerinnen und Schüler praktisch handeln zu lassen, eigentliches Experimentieren ist für viele Kinder nie Unterrichtsgegenstand gewesen. Miniphänomenta will ein Mittel sein, um diese Situation zu verbessern. Quelle: Miniphänomenta