Oliver Schmidt ist froh – und gleichzeitig frustriert. Das Corona–Jahr geht dem Besitzer des Kitzinger Fitness-Studios BodyPower auf die Nerven. Immerhin: Reha-Sport kann er seit ein paar Tagen wieder anbieten. Nicht jeder ist davon begeistert.

Wer einen Bandscheibenvorfall, wer eine Herz-OP überstanden oder chronische Schmerzen hat, kurz: wer sich auf ärztliche Anweisung hin gesund und fit halten soll, der darf seit letzter Woche wieder RehaSport-Kurse besuchen. „Zum Glück“, sagt Sven Schoenborn vom Verein Rehavitalisplus e.V., bei dem auch Oliver Schmidt Mitglied ist. 600 Partner hat der Verein in ganz Deutschland. „Alleine wir bewegen rund 60.000 Menschen“, sagt Schoenborn. Hinzu kommen etliche weitere Verbände und Vereine. Die Zahl der Menschen, die in Deutschland Rehasportkurse besuchen, geht in die Hunderttausende.

Sportlicher und sozialer Aspekt

Während des ersten Lockdowns war auch der Reha-Sport verboten. Die Konsequenz schildert Schoenborn so: Viele Patienten hatten bei der Wiedereröffnung körperliche Einschränkungen, weil sie sich wochenlang nicht bewegt hatten. Wichtiger sei aber der soziale Aspekt gewesen. Der Kontakt und die Bewegung in den Gruppen habe vor allem den älteren Menschen gefehlt. Noch eine Schließung wollten die Verbände unbedingt verhindern. Und das ist ihnen gelungen. Indem sie den Fokus nicht auf den Sport, sondern auf den medizinischen Aspekt gelegt haben.

„Wir erbringen eine medizinische Leistung“, sagt Schoenborn. Und genau das sei auch in Corona-Zeiten erlaubt. Sport hingegen nicht. Jamil Sahhar findet diese Trennung unsauber. Der Landesgeschäftsführer des Behinderten- und Rehabilitationssportverbandes Bayern ordnet den Rehasport eher dem Sport als dem medizinischen Bereich zu. „Man braucht ja auch eine Übungsleiterlizenz, um so einen Kurs anzubieten“, argumentiert er. Gegenüber Fußballern, Handballern und anderen Amateursportlern, die derzeit pausieren müssen, sei die Ausnahme nicht zu vertreten. Zumal es in der Regel ältere und oft vorerkrankte Menschen sind, die diese Angebote annehmen. „Die können wir in diesen Zeiten doch nicht in geschlossenen Räumen Sport treiben lassen“, betont Sahhar und spricht von einer rechtlichen Lücke, in die die Anbieter geschlüpft sind.

Bewegung statt Angst

Für Sven Schoenborn ist die rechtliche Situation dagegen geklärt. Maximal 15 Menschen dürfen in einer Gruppe gleichzeitig Reha-Sport betreiben, der Platz pro Teilnehmer muss mindestens fünf Quadratmeter betragen. Für Oliver Schmidt überhaupt kein Problem. Er hat ausreichend Platz in seinem Fitness-Center. „Im Gegensatz zu manchen Physiotherapie-Praxen, in denen Reha-Sport ebenfalls erlaubt ist.“ Drei Kurse bietet Body-Power derzeit in der Woche an. Vor allem ältere Menschen kommen, aber auch einige jüngere. Chronisch Kranke sind dabei und solche, die vorsorgen wollen – alle mit ärztlichem Attest. „Je mehr Bewegung diese Menschen haben, desto besser“, sagt Schmidt. Gerade in Corona-Zeiten. Das Immunsystem werde schließlich durch eine gute Ernährung, durch Bewegung, Kraft- und Muskeltraining gestärkt. Wer nur daheim sitzt und sich sorgt, macht das Falsche. „Angst schwächt das Immunsystem zusätzlich“, sagt er und bedauert: „Leider kommen aus diesem Grund immer noch viele Kunden nicht zum Training.“ Vier Frauen sind an diesem Werktag ins BodyPower am Goldberg gekommen. „Endlich ist wieder offen“, sagt eine und fängt an, sich nach den Anweisungen von Oliver Schmidt aufzuwärmen. Für den Besitzer sind die Abwechslung und das Angebot schön, aber letztendlich nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Manche Kunden haben ihre Verträge gekündigt, weil sie selbst nicht wissen, wie sich ihre berufliche und finanzielle Situation weiterentwickelt. Oliver Schmidt musste einen großen Teil seiner Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. Gerade die 13 Trainer hätten es in diesen Zeiten ganz schwer. Von der Politik fühlt er sich „im Dunkeln gelassen“. Das ständige Hin und Her sei kontraproduktiv und schade nur – den Betreibern von Fitnessstudios genauso wie ihren Kunden.

Reha-Sport: Voraussetzung für die Teilnahme am Reha-Sport ist eine Verordnung vom behandelten Arzt. Die Kosten werden von der Krankenkasse bezahlt.