Und wieder sieht alles nach einem ziemlich einsamen 1. Mai aus. So wie im letzten Jahr, als Corona den ersten Höhepunkt im Veranstaltungskalender der Possenheimer Ortsgemeinschaft verhinderte: das Maibaumaufstellen. Florian und Simon Müller wollten das zusammen mit den Kollegen von der Dorfjugend nicht einfach so hinnehmen und sorgten – immer gruppenweise, zum Beispiel als in einem Haushalt lebende Brüder – ganz Corona-konform dafür, dass das Brauchtum weitergeführt wurde. Ob es eine Wiederholung gibt? In den letzten Wochen ist den „Possermern“ die Lust auf lustige Aktionen vergangen. Und auch in vielen anderen Ortschaften winken Feuerwehren und Jugendvereinigungen ab.

Birke als „Ersatz-Maibaum“

Dabei gehörte es zum Beispiel auch in der Großen Kreisstadt zur Tradition, dass die Feuerwehr auf dem Gelände in der Landwehrstraße unter großer Anteilnahme der Bürgerschaft mit Hilfe verschieden großer Holzbalken, den „Schwalben“, und reiner Muskelkraft einen stattlichen, mit bunten Fahnen geschmückten Maibaum in die Höhe wuchtete. Bratwurstduft lag dann in der Luft, das süffige Bier und ein würziges Rettichbrot zog die Kitzinger in Scharen an, das Kolping Musikcorps sorgte für stimmungsvolle Musik – unvorstellbar in Zeiten einer Pandemie, deren Ende noch nicht absehbar ist.

Carsten Lieb, Vorsitzender der Feuerwehr in der Stadt Kitzingen, denkt gerne an diese Veranstaltungen zurück. An die Gemeinschaft, den Applaus, mit Stolz auf das Gefühl beim Anblick des Baumes, der wie kein anderes Symbol für den Frühling, für Fruchtbarkeit, Stärke und Standhaftigkeit steht. Oder auch mit einem lächelnden Kopfschütteln an lange vergangene Zeiten, als Witzbolde aus der Vorstadt den Maibaum auf dem Marktplatz ansägten.

Brotzeit unter Bäumen

In diesem Jahr findet all das nicht statt. Erst in der letzten Woche haben sich die Feuerwehrler entschieden, wieder einen „Ersatzbaum“ zu stellen – ähnlich wie im letzten Jahr, als sie nach einem Einsatz in der Nähe des Feuerwehrgeländes einen größeren Ast ganz spontan zum Maibaum umfunktionierten. „Das ist aber nicht vergleichbar“, gibt Lieb zu. „Die Veranstaltung lebt von der Gemeinschaft, vom Baum holen, einer Brotzeit im Wald, der gemeinsamen Anstrengung und dem Feiern.“ Das alles wird an diesem 1. Mai wieder ausfallen. Ebenso wie in Possenheim. Wenn der gesellige Teil maximal im privaten Raum und mit einer weiteren Person stattfinden darf, wie kann es dann gesellig sein?

Und so haben sich Florian Müller und die anderen Mitglieder des Vereins „Possermer Jugend“ dazu entschlossen, in diesem Jahr nichts zu planen. Dabei waren sie sehr kreativ gewesen, hatten damals in erlaubten Gruppenstärken (ein Haushalt plus eine weitere Person) das kleine Bäumchen im Wald abgesägt, mit dem Traktor ins Dorf gefahren, dort am Dorfplatz geschmückt und aufgestellt. Die ganze Aktion wurde gefilmt und über die sozialen Medien verbreitet. „So konnten alle ein bisschen Maibaumgefühl erleben“, sagt Florian Müller.

Richtige Maibaumfeier in 2022

„Wir haben sehr viel positive Resonanz bekommen.“ Und trotzdem wird es 2021 keine Wiederholung geben. Das nächste Maibaum Aufstellen soll wieder wie immer gefeiert werden, mit allem was dazu gehört – zum Beispiel auch der nächtlichen Wache. Darauf freuen sich nicht nur Florian und Simon Müller, sondern die ganze, verschworene Dorfgemeinschaft.