Was machen die denn da? Passanten, die am Montagfrüh kurz vor 9 Uhr auf der Alten Mainbrücke in Kitzingen unterwegs waren, blickten hinunter in Richtung der neu gestalteten Promenade und rätselten: Warum ist denn da unten am Mainkai so ein riesiger Hubsteiger aufgebaut? Wer fährt da in der Hebebühne gen Himmel? Und vor allem: warum? Einige vermuteten, es könnte etwas mit den Krähen zu tun haben, die in der alten Platane am Mainkai leben. Nun – nicht primär. Es ging um den Baum selbst.

Markus Sinn ist der Inhaber der „Würzburger Baumpflege“. Vier seiner professionellen Baumkletterer und -pfleger hatte er mit nach Kitzingen gebracht. Zunächst verschafften sich die Fachleute einen Überblick über den Einsatzort: In der Hebebühne eines 34 Tonnen schweren Hubsteigers – mitsamt Fahrer gemietet von der Firma Möller manlift – ging es bis weit über die Baumkrone hinauf. Bis in 57 Meter Höhe kann der Kranarm den Korb heben.

„Die Platane ist einer der größten Kitzinger Bäume und steht sehr im Fokus – nicht nur wegen der Krähen, die darin leben und die ja streng geschützt sind“, stellte Markus Sinn fest. Der Baum, der mindestens 100 Jahre alt ist, wahrscheinlich sogar älter, ist noch sehr vital, obwohl er zwischen Wohnhäusern steht und von versiegelten Flächen umgeben ist.

Zum Schutz des Baumes und der Menschen

Damit die Platane auch weiterhin gesund bleibt und möglicher Windbruch nicht zum Problem wird, sind alle vier, fünf Jahre Pflegearbeiten fällig. „Zum Schutz des Baumes selbst und der Menschen, die in der Nähe vorbeilaufen“, betont Markus Sinn. Bei einem über 30 Meter hohen Baum funktioniert die Pflege natürlich nicht mit Hilfe einer herkömmlichen Leiter.

Zwei seiner Mitarbeiter legen sich also eine Schutz- und Kletterausrüstung mit Seilen und Karabinerhaken an. Jeder nimmt eine Säge mit – und los geht's. Wie ein übergroßes Eichhörnchen erklimmt Jan scheinbar mühelos zuerst den unteren Teil des Stammes, dann geht es weiter Richtung Baumkrone. Markus bewegt sich auf der anderen Seite des Baumes genauso leichtfüßig. Jeder der beiden Profi-Kletterer befestigt im oberen Teil der Platane Seile, die ihn während der Arbeit tragen. Dann setzen sich die beiden Männer in ihre an den Seilen befestigten Gurte wie in freischwingende Sessel.

Zwischen dem bunten Herbstlaub beginnen sie, tote Äste zu entfernen. Dann folgen die dicken Efeuranken am Stamm, die dem Baum das Licht rauben und ihn damit schwächen. Wie die Männer da teils waagrecht in zwei Dutzend Metern Höhe hängen, drängt sich der Gedanke an Spiderman auf.

Stolze 4,6 Meter Umfang

Während die beiden Baumpfleger direkt unterm Laubdach arbeiten, setzt ihr Kollege Elbasan quasi von außen, also vom Hubsteiger aus, die Säge an. Als Fahrer der Bühne, sogenannter „Bediener“, muss Andi Schmidt sehr konzentriert sein, denn das Steuern des Hubsteigers zwischen den Hausdächern und dem Baum ist echte 3D-Feinarbeit.

Am Boden behält Marwin Riek den Überblick. Er zeigt seinen Kletter-Kollegen, wo noch ein bisschen Material entnommen werden sollte, um einen guten, kompakten Wuchs des Baumes zu unterstützen. Nach einigen Stunden Arbeit liegen zwar etliche Ästchen und Zweige am Boden, aber die Platane sieht trotzdem nicht gestutzt aus, sondern steht formschön an ihrem Platz. Das abgesägte Astwerk wird an Ort und Stelle gehäckselt.

Am Ende des Tages blicken die Baumkletterer und der Hubsteigerfahrer zufrieden drein. Ein letzter Blick am Stamm hinauf, der in Augenhöhe stolze 4,6 Meter Umfang hat, ein letztes Klopfen auf Holz. In einigen Jahren werden sie sich vielleicht an Ort und Stelle wiedersehen.