Kitzingen Abenteuerlichen, interessanten, witzigen und spannenden Geschichten zu lauschen, macht Kindern riesigen Spaß. Jetzt besteht wieder die Gelegenheit dazu: Der Vorlesespaß für Kinder startet wieder. Sheena Ulsamer, die Leiterin der Kitzinger Stadtbücherei im Luitpoldbau, erklärt, wie das zu Corona-Zeiten funktioniert und gibt passend zur jetzigen „Schmöker-Jahreszeit“ Tipps für kleine und große Leseratten.

Frage: Der Vorlesespaß für Kinder in der Kitzinger Stadtbücherei startet wieder – allerdings wird er ein bisschen anders sein als sonst. Was genau ändert sich?

Sheena Ulsamer: Ja, das Konzept, das sich in den letzten zehn Jahren gut etabliert hatte, konnte unter Corona-Hygiene-Maßnahmen nicht fortgesetzt werden. So findet jeder kommende Termin außerhalb der Öffnungszeiten statt, das heißt, nur noch Mittwochnachmittag und Samstagvormittag. So kann es kaum zu Begegnungen zwischen Teilnehmern und Büchereibesuchern kommen. Aufgrund der Abstandsvorschriften beschränken wir die Gruppen zudem auf sechs Kinder. Wegfallen muss leider das gemeinsame Malen und Basteln, das früher nach dem Lesen stattgefunden hat.

Sind alle „alten“ Vorlesepaten wieder am Start?

Ulsamer: Unser Kreis an Vorlesepaten besteht in der Regel aus zirka neun Personen, die sich zum Großteil schon seit Jahren kennen. Aufgrund gesundheitlicher Gründe zieht sich der eine oder andere Leser jedoch langsam zurück.

Dann rücken neue nach?

Ulsamer: Wir freuen uns tatsächlich, zwei neue Lesepatinnen zu begrüßen, die sich schon sehr auf ihre ersten „Auftritte“ freuen. Für weitere Freiwillige sind wir übrigens jederzeit offen. Gerade männliche Vorleser werden gesucht. Lesen ist ja nicht nur reine Frauensache. Da man immer im Team liest, braucht man auch kein Lampenfieber zu haben (grinst).

Gab es schon eine erste Vorlese-Veranstaltung „nach Corona“?

Ulsamer: Das Programm finden Interessierte momentan auf unserer Homepage opac.winbiap.net unter dem Punkt Kinderveranstaltungen. Eine gedruckte Version liegt in der Stadtbücherei aus. Bereits zum Tag der Bibliotheken am 23./24. Oktober waren die ersten Lesungen geplant. Weiter geht es mit Terminen im November und Dezember. Bei jedem Termin steht ein Buch mit einem bestimmten Thema im Mittelpunkt – geeignet für die unterschiedlichsten Altersgruppen, worauf die Eltern bei der Anmeldung achten sollten. Die Bandbreite reicht von Märchen bis zu modernen Kinderbuch-Klassikern – zum Beispiel „Lindbergh – die abenteuerliche Geschichte einer fliegenden Maus“.

Und wie funktioniert die Anmeldung?

Ulsamer: Möglich ist dies frühestens eine Woche vor dem Vorlesetermin telefonisch unter 09321/920684 oder per Email an buecherei@ stadt-kitzingen.de.

Wer sucht die Bücher aus, die vorgelesen werden? Und nach welchen Kriterien wird da vorgegangen?

Ulsamer: Ich treffe für unsere Ehrenamtlichen eine Vorauswahl und entscheide mich gerne für Klassiker, Märchen, aber auch tolle Geschichten, die Kindern die Welt mit einem Augenzwinkern erklären. Welche Geschichten endgültig ins Programm genommen werden, entscheiden aber die Vorleser selbst.

Jetzt beginnt ja wieder die Zeit, in der man es sich herrlich mit einem Buch auf dem Sofa bequem machen kann. Haben Sie hier vielleicht einen Buchtipp aus der Bücherei?

Ulsamer: Für Kinder: Einer unserer Bilderbuch-Lieblinge ist „Wir essen keine Mitschüler“ des Autors Ryan T. Higgins. Bereits der Titel verspricht köstlichen Humor. Haupt-„Person“ ist das Dinosaurier-Mädchen Penelope. Wir begleiten sie an ihrem ersten Schultag, an dem sie feststellen muss, dass ihre Mitschüler nicht wie sie Dinosaurier, sondern Menschenkinder sind – ausgerechnet ihre Lieblingsspeise. Wie soll man sich da aufs Lernen konzentrieren?

Für Jugendliche: Wunderschöne Illustrationen und nachdenkliche bis eindringliche Texte zur Frage „Was bedeutet es ein Teenager zu sein“ zeichnen das Jugendsachbuch „Being young“ der Norwegerin Linn Skaber aus. Ein poetisches Buch für Jugendliche wie auch deren Eltern.

Für Erwachsene: Für (un-)gemütliche Herbsttage eignet sich der aktuelle Bildband der „World Press Ausstellung“. Gerade so kann man alle Bilder in Ruhe auf sich wirken lassen. Zum ersten Mal oder zum wiederholten Mal. Stimmungen nachfühlen oder Informationen intensiver aufnehmen. Diese 239 Seiten sind es wert.

Haben Sie den Eindruck, dass sich das Leseverhalten Ihrer Kunden in Corona-Zeiten verändert hat?

Ulsamer: Es wurde teilweise schon mehr gelesen. Zudem stiegen die Ausleihzahlen in unserer digitalen Bibliothek im Vergleich zu den Vorjahren stark an, was natürlich mit den Lockdowns zusammenhing, in denen keine Vor-Ort-Ausleihe möglich war. Wir konnten hier ein Plus von zirka 25 Prozent verzeichnen.

Auch wenn Corona vieles schwer macht, gibt es Pläne für kommende Veranstaltungen in der Stadtbücherei?

Ulsamer: Die Stadtbücherei feiert im kommenden Jahr ein kleines Jubiläum: Im Oktober 1982 bezog sie die großen Räume im Luitpoldbau – das heißt: „40 Jahre Bücherei, wie Ihr sie kennt“. Da sehen wir natürlich schon Bedarf, dies gebührend zu feiern. In welchem Rahmen dies stattfinden soll, ist jedoch noch unklar. Gerne würden wir generell wieder Theater oder Autorenlesungen für Schulklassen anbieten, wie wir das in den Vorjahren getan haben. Auch Lesungen für Erwachsene stehen schon länger auf unserem Plan. Wir hoffen, dass wir 2022 wieder durchstarten dürfen!