Ein Zeichen wollen sie setzen. Und das ist weithin sichtbar. Die Bürgermeister der Dorfschätze-Gemeinde haben die Stele wieder errichtet, die Doris Paul ihnen vor rund eineinhalb Jahren zum Abschied als Dankeschön vermacht hatte. Unbekannte Vandalen hatten die Schilder verunstaltet.

Volkhard Warmdt blickt zufrieden drein. Der Nachfolger von Doris Paul als Wiesenbronner Bürgermeister schaut sich die wieder angebrachten Schilder am Seegarten, mitten im Ort, an. „Verstehen tu ich die ehrlich gesagt nicht alle“, bekennt er lächelnd. Als gebürtigem Norddeutschen sind ihm die speziellen Bezeichnungen für die einzelnen Mitglieder der Dorfschätze-Gemeinden nicht so geläufig. Einheimische wissen, dass die Kleinlangheimer auch als Sandhoosen und die Großlangheimer als Kracken bezeichnet werden. Die Abtswinder sind die Dunnerkeil und die Rüdenhäuser die Pumpernickel.

Doris Paul hat diese fränkischen Begriffe immer schon geliebt und hält die fränkische Sprache und das fränkische Brauchtum auch jetzt noch in ihrer Funktion als Kreisheimatpflegerin hoch.

Nacht- und Nebelaktion

Als sie nach zwölf Jahren als Bürgermeisterin den Kollegen aus den umliegenden Dorfschätze-Gemeinden ein Abschiedsgeschenk machen wollte, war die Idee mit den Spitznamen naheliegend. Jedem hat sie anscheinend nicht gefallen.

Vor einem halben Jahr staunte Volkhard Warmdt jedenfalls nicht schlecht, als er die Ortsschilder nicht mehr wiedererkannte. Unbekannte hatten in einer Nacht- und Nebelaktion schwarze Farbe aufgebracht, die Namen waren nicht mehr lesbar. Der Bürgermeister schaltete seinen Bauhof ein. Die Mitarbeiter schraubten die Schilder ab und schafften es tatsächlich, sie mit Hilfe einer Heißluftpistole und akribischer Schleif-Arbeiten wieder herzustellen. Eine Werbeagentur brachte die Beklebung wieder an, so dass sich die Kosten mit rund 200 Euro im Rahmen hielten.

Gezieltes Vorgehen?

„Die Bürgermeister waren sich erfreulicherweise einig, dass sie die Schilder wieder aufstellen lassen“, berichtet die Allianzmanagerin der neun Dorfschätze-Gemeinden, Teresa Öchsner. „Alle stehen zur Heimat und zu unserem Dialekt.“ Volkhard Warmdt sieht das genauso. Wer die Schilder in der Nacht zum 10. Mai diesen Jahres verschandelt hat, ist und bleibt ihm ein Rätsel. Der Bürgermeister geht allerdings von einem gezielten Vorgehen aus. Im Umfeld der Stele sind keine anderen Sprühzeichen gefunden worden. Mit Sachbeschädigungen haben die Wiesenbronner zum Glück kaum Erfahrungen. Die Klos in der öffentlichen Toilette, ein paar Meter entfernt von der Stele, wurden zwar immer wieder mal verstopft. Seit das Gebäude ab 19 Uhr verschlossen ist, hat sich dieses Problem erledigt. „Uns machen eigentlich mehr die illegalen Müllablagerungen zu schaffen“, sagt Warmdt. Seit Corona hat diese Problematik zugenommen, erst kürzlich haben die Mitarbeiter des Bauhofes etliche Reifen auf einem Wanderparkplatz entdeckt. Die restaurierten Schilder mit den Ortsnamen werden jetzt hoffentlich in Ruhe gelassen, wünscht sich Volkhard Warmdt. Er will jedenfalls immer mal ein Auge auf den Platz im Seegarten werfen. Ganz nebenbei kann er so die Spitznamen der Bewohner in den Dorfschätze-Gemeinden lernen.

Die Dorfschätze-Gemeinden und wie ihre Bewohner auf fränkisch genannt werden: Großlangheim (Kracken); Kleinlangheim (Sandhoosen); Prichsenstadt (Prieschtier Phasäli); Wiesentheid (Wiesthädter); Rüdenhausen (Pumpernickel); Abtswind (Dunnerkeil); Castell (Kröpfer); Schwarzach (Brodsäck)