Von Tag zu Tag wird es grüner und bunter: Auf dem Gartenschaugelände am Etwashäuser Mainufer ist in diesen Wochen gut zu beobachten, wie der Frühling erwacht. Die Mitarbeiter der Stadtgärtnerei sorgen dafür, dass Einheimische und Besucher die Natur auf dem Gelände auch zehn Jahre nach der Gartenschau noch genießen können. Und werden von Passanten ganz nebenbei gerne als Berater genutzt.

„Das sieht aber schön aus! Was ist das? Kann ich das auch daheim in meinen Garten pflanzen? Warum ist die Pflanze hier viel höher als daheim?“ Günter Lorey musste schon eine Menge Fragen von Passanten beantworten. Ob von Spaziergängern, Wohnmobilisten, die zu Fuß auf dem Weg in die Altstadt sind, oder Radfahrern, die extra kurz anhalten – immer wieder werden die Gärtner angesprochen, wenn sie auf den Flächen am Etwashäuser Mainufer pflanzen, jäten oder gießen. Und das tun sie häufig, denn auf dem Gelände, das sich über 8,5 Hektar erstreckt, gibt es viel zu tun. Wer mal mit den Gärtnern geplaudert hat, meldet sich gerne wieder. Nicht nur, um zu fragen, sondern auch um zu loben. „Die Leute rufen uns an und schicken uns Emails, um nach Pflanzen zu fragen, aber auch, um ihr Feedback zu geben“, erzählt der Leiter der Stadtgärtnerei, Manuel Schömig. Die Resonanz freut die Gärtner, denn sie zeigt: Mit ihrer Arbeit tragen sie einen wesentlichen Teil dazu bei, dass die Menschen sich in Kitzingen wohlfühlen.

Wenn die Stimmung steigt

„Die Stimmung in der Stadt geht nach oben, wenn die ersten Blumen blühen“, hat Schömig beobachtet. Die Laune steigt beim Anblick der Farbtupfer aus der Natur, ob sie sich nun auf dem Gartenschaugelände befinden oder in anderen Bereichen der Stadt. Schließlich sind die Stadtgärtner nicht nur für das Areal am Main zuständig, sondern auch die vielen anderen Beete. An den Ortseingängen zum Beispiel. „Die sind wichtig“, sagt Manuel Schömig. Wer nach Kitzingen fährt, soll merken, dass er in eine Garten- und Blumenstadt kommt. Besonders oft werde er auf das Beet an der Florian-Geyer-Halle angesprochen, erzählt der stellvertretende Gärnerei-Leiter Günter Lorey. Blüht und grünt es dort, kommt das bei den Leuten gut an. „Mit der farbigen Gestaltung haben wir die Möglichkeit, einen Wow-Effekt zu schaffen“, beschreibt Schömig die Arbeit der Gärtner. Man könne auf diese Weise nicht nur mitgestalten, sondern auch auf Stimmungen Einfluss nehmen. So können sich die Passanten im Stadtgebiet derzeit über den Anblick von 8000 Stiefmütterchen freuen.

Auf dem Gartenschaugelände findet man die dagegen in diesem Jahr nicht. Immer wieder mal wird mit der Auswahl der Pflanzen abgewechselt. Derzeit dominieren Narzissen, Hyazinthen und andere Zwiebelblumen. Ab dem 15. Mai wird der Sommerflor gepflanzt, verschiedene Blumen, 6000 bis 8000 an der Zahl. Im Herbst verwandeln die bunten Blätter das Gelände in ein farbenfrohes Gemälde. „Das ist das Schöne am Gärnterleben“, sagt Günter Lorey. Man erlebt die Natur quasi aus der ersten Reihe.

Die Stadt soll grün sein

Mit dem Ende der Gartenschau hat die Stadtgärtnerei die Pflege des Geländes übernommen. 20 Mitarbeiter hat Manuel Schömig, drei sind das ganze Jahr durchgehend mit der Fläche beschäftigt. „Manchmal sind wir auch alle da“, sagt er, wenn Bäume gefällt werden, zum Beispiel. Denn auch wenn es darum geht, das Gelände am Leben zu erhalten, muss ab und an ein Baum beseitigt werden. Wobei Günter Lorey betont: „In Kitzingen gilt das Prinzip 3:1. Wird ein Baum gefällt, werden drei neue gepflanzt.“ Ein Prinzip, das den Gärtnern sehr wichtig ist. „Wir wollen ja, dass die Stadt grün ist“, so Schömig.

Auch wenn größere Pflanzaktionen anstehen, werden mehr Hände gebraucht. Gepflanzt wird, „was funktioniert“, wie es Manuel Schömig ausdrückt. Will heißen, dass er und seine Kollegen bei der Auswahl darauf achten, dass sie für das Gelände, aber auch für das Klima geeignet sind. Manches, was vor 15 Jahren ging, gedeiht heute nicht mehr so gut. „Der Klimawandel und viele andere Faktoren spielen eine Rolle“, so Schömig. Es ist wärmer, die warmen Perioden halten länger an. „Wir müssen die Witterung beachten“, sagt er. Das Richtige auszuwählen, dazu haben beide Gärtner genug Erfahrung. „Wir haben ein großes Sortiment, das funktioniert. Und wir wissen, was nicht geht.“ Bei Pflanzen, deren Wasserbedarf sehr groß ist, werde es kritisch.

Bei der Gartenschau selbst waren die Stadtgärtner nicht für die Bepflanzung des Geländes zuständig. Sie brachten den Rest des Stadtgebietes zum Blühen. „Wir mussten die kompletten Grünanlagen auf das Niveau der Gartenschau bringen“, erinnert sich Günter Lorey. Zudem halfen er und seine Kollegen bei so mancher Veranstaltung mit, beim Aufbau, der Bestuhlung, der Deko. Viel zu tun also im Sommer 2011 für das Team, das damals noch von Johannes Lindner geleitet wurde. Trotzdem waren alle von Beginn an mit Begeisterung dabei und fühlen sich dem Gelände noch immer besonders verbunden. „Für einen Gärtner ist eine Gartenschau einer der Höhepunkte“, findet Manuel Schömig.

Vandalismus ist ärgerlich

Die Bestätigung kommt von seinem Mitarbeiter: Fragt man Günter Lorey, was am Schönsten war in seiner bisher 40-jährigen Tätigkeit im öffentlichen Dienst, kommt sofort die Antwort: „die Gartenschau“. Die hat er, obwohl er doch dienstlich schon viel mit dem Gelände zu tun hatte, auch privat mehrfach besucht. „Ich wollte ja auch die Jahreszeiten miterleben, Erfahrungen für die Zukunft sammeln“, erklärt Lorey.

Auch heute sind beide Gärtner privat immer wieder auf dem Gelände unterwegs. „Wenn ich mit dem Rad durchfahre, habe ich eine ganz andere Perspektive als bei der Arbeit“, nennt Schömig einen Grund. Und natürlich, dass es auf dem Gelände einfach schön ist. „Eine Oase mitten in der Stadt.“ Dass es immer wieder zu Vandalismus kommt, dass häufig Müll in der Gegend herumliegt, ärgert beide Männer. Gerade vom Müll bekommen die meisten Bürger gar nichts mit – dank des Einsatzes der Bauhof-Mitarbeiter in den frühen Morgenstunden. Als wären sie Heinzelmännchen, ist die Arbeit getan, wenn die ersten Passanten kommen.

„Natur in Kitzingen“ ist nicht nur denen im Gedächtnis geblieben, die aktiv daran mitgearbeitet haben. Wenn er in einer anderen Stadt sei und erzähle, dass er aus Kitzingen kommt, werde er noch heute immer wieder auf die Gartenschau angesprochen, erzählt Günter Lorey. „Die Leute sagen oft: Das ist eine tolle Stadt.“ Ein Satz, den beide Gärtner sofort unterschreiben würden.