Sie könnte jammern, sich beklagen. Über eine anspruchsvolle Arbeit bei überschaubarem Lohn beispielsweise. Doch das Gegenteil ist der Fall. Leonie Gailus hat ihren Traumberuf gefunden. Sie ist Krankenschwester auf der Intensivstation in der Klinik Kitzinger Land.

Eine Ausbildungsstelle als Schneiderin hatte sie schon, doch das Vorstellungsgespräch in der Klinik wollte sie noch mitnehmen. Neun Jahre ist das her, Leonie Gailus war damals 16 Jahre jung. „Ich war vom ersten Moment an begeistert“, erinnert sie sich. Die Begeisterung hat nicht nachgelassen.

Teamarbeit ist wichtig

Rund 30 Kollegen arbeiten auf der Intensivstation. Schichtbetrieb, sieben Tage die Woche. Mindestens drei Kollegen arbeiten in einer Schicht, jeder ist für drei Patienten zuständig. Auch an Weihnachten muss jemand da sein, logisch. Zehn Betten hat die Station, sie sind fast immer gut belegt. Vor allem ältere Menschen werden hier versorgt. Herzanfall, Nieren- oder Leberversagen, die Nachwirkungen einer Darm-OP: Die Anlässe unterscheiden sich, die Auswirkungen nicht. „Es geht fast immer um Leben und Tod“, sagt Schwester Leonie, die nach ihrer Ausbildung erst einmal in der Gastro-Entrologischen Abteilung arbeitete, ehe sie ihr berufliches Glück auf der Intensivstation fand.

Die Teamarbeit hat es ihr angetan – und die ist auf der Intensivstation noch einmal wichtiger als anderswo. „Im Notfall muss jeder Handgriff sitzen“, sagt die Volkacherin. Und Notfälle gibt es hier häufig. Jeder muss sich dann auf den anderen verlassen können. Ruhe bewahren, konzentriert und effektiv sein. Die Abläufe sind einstudiert, laufen automatisiert ab. Dennoch: Der Tod ist ein ständiger Begleiter auf der Intensivstation. Drei Tage lang hat sie ein Seminar zur Sterbebegleitung absolviert. Die ersten Erfahrungen haben sie trotzdem aufgewühlt. „Ich werde den Namen meines ersten Verstorbenen nie vergessen“, sagt Schwester Leonie.

Mittlerweile hat sich ihr Blick verändert. „Ich kann im Tod auch etwas Positives sehen“, sagt sie. Für manche Patienten ist es der bessere Weg. Und es kann auch im Krankenhaus ein würdiger sein. Alleine muss niemand sterben. In der Regel sind die Angehörigen vor Ort. Auch während Corona war das der Fall. Eine Ausnahme zum ansonsten strikten Besuchsverbot ist in akuten Situationen immer ausgesprochen worden.

Psychische und physische Herausforderungen: Wissen in der Pandemie fehlte

Schwester Leonie hat die erste Corona-Welle von zuhause aus erlebt. Ihr Sohn Alwin hat 2019 das Licht der Welt erblickt. Im September 2020 war sie schon wieder im Einsatz, seit Mai dieses Jahres in Vollzeit. „Ich wollte helfen“, sagt sie. Der Personalmangel ist ein Dauerthema bei den Pflegekräften. Die Intensivstation macht da keine Ausnahme. „Wir suchen eigentlich immer Kollegen“, sagt die 25-Jährige.

Die letzten Monate waren für alle Mitarbeiter auf der Station besonders herausfordernd. Psychisch wie physisch. Die Angst, das Virus mit nach Hause zu bringen und die Lieben daheim anzustecken, die Sorge, den Patienten nicht den besten Dienst angedeihen zu lassen. „Am Anfang fehlte uns allen ja noch das Wissen um die Pandemie“, erinnert sie. Hinzu kamen die körperlichen Anstrengungen. Acht Stunden Dienst mit Schutzanzügen, doppelten Handschuhen, Maske und Face-Shield hinterließ seine Spuren. „Nach einer halben Stunde waren wir alle nassgeschwitzt“, erinnert sie sich.

Die Aufmerksamkeit von Öffentlichkeit und Politik habe gut getan, das Gemeinschaftsgefühl habe über die Strapazen hinweggeholfen. Dieses Gefühl sei aber schnell wieder verflogen. Boni-Zahlungen und Gehaltserhöhungen seien natürlich schön, sagt die Volkacherin. Aber viel wichtiger seien bessere Arbeitsbedingungen. Und die setzt die Volkacherin vor allem mit mehr Zeit und mehr Personal gleich.

Die Zeit ist fast immer knapp

Die meisten Patienten machen sich große Sorgen, haben Fragen und wollen selber etwas erzählen. Bei der Körperpflege kommen solche Dialoge schon mal zustande, aber viel Zeit bleibt den Schwestern nicht. „Dabei kann eine Viertelstunde reden so effektiv sein wie Schmerzmittel“, meint Leonie Gailus. Gerade auf der Intensivstation seien die Patienten der Situation „irgendwie ausgeliefert“. Sie sehe sich als Sprachrohr der Patienten, als Vermittlerin zwischen ihnen und den Ärzten. Eine schöne Aufgabe, die aber auch energieraubend sein kann.

Acht Stunden dauert eine normale Schicht, neuneinhalb die Nachtschicht. Wenn Schwester Leonie nach Hause geht, spürt sie nicht selten die Dankbarkeit der Patienten nachwirken. Dann weiß sie, dass sie wieder etwas Sinnvolles geleistet hat – und dass es nichts zu jammern gibt, weil sie ihren Traumberuf gefunden hat. Auch wenn er im wahrsten Sinn des Wortes intensiv ist.

In einer losen Folge stellen wir in den kommenden Wochen besondere Arbeitsplätze in der Klinik Kitzinger Land vor.