Klein, aber oho. Wenn dieser Spruch irgendwo passt, dann in Wüstenfelden. Der Casteller Ortsteil zählt nicht einmal 100 Einwohner. Aber die sind dafür von zupackender Art. Als das Dach des Feuerwehr- und zugleich Gemeindehauses saniert werden musste, waren genügend freiwillige Helfer zur Stelle. Auf dem Speicher fielen ihnen nicht nur defekte Ziegel ins Auge, sondern auch einige alte, vergessene Säcke. In denen fanden sie echte Schätze aus dem früheren Leben im Dorf, zum Beispiel die Ausrüstung der Feuerwehr-Vorfahren.

Und dann waren da noch die alten Schränke im Haus. Auch darin verbargen sich Dinge, die spannende Geschichten erzählen: das gute erhaltene Pfarrbuch von 1895, aus dem der Priester seinen Schäfchen vor über 100 Jahren vorgelesen hat. Oder eine große Zinnschale, in deren Mitte der Fuß eines Zinnkelchs passt. Die Inschrift – „Lasset die Kindlein zu mir kommen...“ – lässt vermuten, dass die Wüstenfelder Ahnen damit das Sakrament der Taufe erhielten.

Ganz schön laut

Da es im Ort keine „echte“ Kirche gibt, wurde entweder Hausgottesdienst gefeiert oder im Gemeindehaus ein Altar aufgebaut. Dass kranke Bürger die heilige Kommunion im heimischen Bett empfangen konnten, davon zeugt eine filigrane runde Dose zum Hostien-Transport.

„Wir haben aber auch ganz weltliche Dinge gefunden“, sagt Jürgen Link. Der Vorsitzende des Feuerwehrvereins grinst – und macht plötzlich einen ohrenbetäubenden Lärm, indem er eine alte Handglocke ausprobiert. „Damit ist der Dorfausscheller früher durch die Straßen gezogen und hat alle Nachrichten verbreitet.“ Der Klöppel weist einige Dellen auf – anscheinend wurde dereinst mit viel Schmackes geläutet.

Vielleicht hat der Ausscheller verkündet, dass Prinzregent Luitpold von Bayern die FFW Wüstenfelden in den Landes-Feuerwehr-Verband aufgenommen hat – die feierliche Bestätigung dieses Ereignisses tauchte in Form einer gerahmten Urkunde aus dem Jahr 1882 auf.

Dorfschelle, Feuerwehr-Utensilien, Zeugnisse des Glaubens: „Das alles ist echtes Kulturgut und muss erhalten werden“, sagt Jürgen Link. Doch wo? Nach den ersten Funden regte Hans Hüßner bereits an, eine kleine Vitrine fürs Gemeindehaus zu kaufen und die Dorfschätze darin auszustellen. „Aber mit der Zeit ist klar geworden: Eine kleine Vitrine reicht da gar nicht aus“, berichtet Jürgen Link.

Also war – wieder einmal – Gemeinsinn und Zusammenarbeit gefragt. Mit 1000 Euro aus der so genannten Friedhofskasse, in die bei Beerdigungen Spenden eingelegt werden, mit ebenfalls 1000 Euro vom Heimatverein Castell-Greuth-Wüstenfelden und 100 Euro von der Wüstenfelder Feuerwehr konnte eine stattliche Vitrine angeschafft werden. Die Krettenbacher Schreinerei Barthelmeß fertigte das gute Stück in massiver Eiche, mit Beleuchtung und Bleiverglasung passgenau an, so dass eine Ecke des Gemeindesaals ab sofort als kleine Schatzkammer dient.

Diese öffnet am Sonntag ihre Türen – beim Lindenfest können alle Interessierten die Zeugnisse der Geschichte betrachten. Noch ist ein bisschen Platz in der Vitrine. „Im Lauf der Zeit werden es sicher noch mehr Ausstellungsstücke werden“, schätzt Jürgen Link. „Es taucht doch immer noch irgendwo was auf.“

Das Lindenfest

Unterm Blätterdach der Dorflinde wird am Sonntag, 29. Juni, das traditionelle Wüstenfelder Lindenfest gefeiert; nach dem Gottesdienst (10 Uhr) herrscht durchgehend Festbetrieb mit Musik, Leckereien vom Grill, Schäufele und einer reich bestückten Kaffeebar.

Die ganze Zeit über wird es möglich sein, die „Wüstenfelder Dorfschätze“ in der neuen Vitrine im Saal des Gemeinde-/Feuerwehrhauses zu begutachten. ldk