Jedes zweite Tierheim in Bayern kämpft ums Überleben. Mit dieser Nachricht sorgt der Bayerische Tierschutzbund für Aufsehen. Auch in Kitzingen will Leiterin Angela Drabant nichts schön reden. Schon seit Jahren hat der Tierschutzverein als Träger des Heims mit der Deckelung der Kosten zu kämpfen.

Seit 1965 gibt es das Kitzinger Tierheim. Leicht war es noch nie, schwer ist es spätestens seit dem Abzug der Amerikaner. In den letzten Jahren mussten immer öfter mal die Reserven herhalten. „Doch auch die sind irgendwann erschöpft“, betont Drabant, die seit 1987 im Tierheim arbeitet.

Die Leiterin beziffert die Betriebskosten auf bis zu 150 000 Euro im Jahr. Das Personal belegt dabei den größten Kostenposten, wobei Drabant betont, dass Kitzingen im Vergleich zu anderen Tierheimen mit äußerst wenig Personal zurecht käme. Sowohl sie selbst als auch die beiden Tierpfleger sind nur in Teilzeit angestellt; am Wochenende springen zusätzlich Aushilfen ein, um die anfallende Arbeit zu meistern.

Zu den Personalkosten kommen hohe Tierarzt- und Futterkosten sowie natürlich alle Ausgaben rund ums Gebäude – Energiekosten usw. „All das muss man erst einmal erwirtschaften“, sagt die Leiterin. Kein leichtes Unterfangen: Die rund 20 000 Euro, die als Zuschuss von den Kommunen im Landkreis kommen, langen noch nicht einmal aus, um die Tierarztkosten zu decken. 20 Cent zahlt jede Gemeinde pro Bürger – „andere Tierheime bekommen bis zu einem Euro“. Sollte es künftig finanziell noch enger werden, sei es sicherlich an der Zeit, wieder einmal bei den Gemeinden anzuklopfen.

„Wir pflegen eine

solide Haushaltspolitik

und haben alle Ausgaben streng im Blick.“

Dr. Gerd Menche, Vorsitzender Tierschutzverein

Gerne gibt Drabant einen Einblick, was in Sachen Tierarztbehandlung anfällt: So wird zum Beispiel jedes Tier kastriert. Hinzu kommen die Kosten fürs Impfen und Entwurmen sowie für andere anfallende Krankheiten oder Verletzungen. „Auch die verletzten Fundtiere wollen natürlich behandelt werden.“

Neben dem Fördergeld der Kommunen gibt es weitere Einnahmequellen: Die Mitgliedsbeiträge im Tierschutzverein Kitzingen machen rund 3000 Euro aus. Weitere 25 000 bis 30 000 Euro kommen aus den Gebühren, die Tierliebhaber für einen Hund oder eine Katze zahlen, wenn sie ein Tier mit nach Hause nehmen. Mit knapp 6000 Euro kann der Verein aus Pensionstieren rechnen. „Zu Zeiten der Amerikaner war das weit mehr; mittlerweile gibt es jedoch auch viele private Hundepensionen“, erzählt Drabant.

Ohne Spenden und Nachlässe, wobei letztere seltener geworden seien, wäre die Finanzierung des Tierheims nicht zu schaffen. An dieser Stelle lobt Drabant Dr. Gerd Menche, der seit 27 Jahren der Vorsitzende des Kitzinger Tierschutzvereins ist. Mit ihm stehe seit Jahren ein verlässlicher Mann an vorderster Front. „Er ist Garant für Seriosität und sicherlich ein Grund für die Spendenbereitschaft der Bevölkerung“, ist Drabant überzeugt.

Menche selbst ist ebenfalls stolz auf den guten Ruf des Tierheims. Ihn freut es, dass sich immer wieder Jubilare statt Geschenken eine Spende fürs Tierheim wünschen. „Unsere Ausgaben haben wir streng im Blick“, betont er. Der Neubau ans Tierheim habe vor 25 Jahren 600 000 Mark Schulden verschlungen. Ein stolzer Brocken, der durch eine solide Haushaltspolitik im Vorstand jedoch ebenso gemeistert wurde wie andere kleinere und nötige Investitionen in den Folgejahren.

Auf die Helfer ist Verlass

Große Unterstützung bekommt das Tierheim durch die treuen Gassigeher und Katzenstreichler. Für anfallende Arbeiten wie Zwinger-Säubern oder Füttern werden die zwar nicht eingesetzt, sie stemmen aber zum Beispiel das alljährliche Herbstfest auf dem Tierheimgelände. „Beim letzten Mal kamen da 8000 Euro zusammen“, sagt Drabant. Auch ein Christbaumverkauf zu Gunsten des Tierheims habe sich gelohnt. Warum also nicht mehr dieser Aktionen? „Das könnten wir unseren paar Leuten gar nicht zumuten“, stellt die Leiterin klar.

Da die Spenden Jahr für Jahr variieren und deren Höhe nicht vorhersehbar ist, lässt sich die wirtschaftliche Lage des Tierheims nur schwer kalkulieren. „Mal legen wir drauf, mal nicht“, sagt Drabant. „Im letzten Jahr haben wir Verlust gemacht, das Jahr zuvor hat uns ein 30 000 Euro-Nachlass vor roten Zahlen bewahrt.“ Sie schluckt, ist sich der Tatsache aber bewusst: „Ewig so weitergehen darf das nicht!“ Gerade weil man in Sachen Sparsamkeit schon auf Maximal-Level fahre.

Von einer „akuten Gefährdung“ des Tierheims will Menche bislang jedoch nicht sprechen: „Wir haben noch ein gewisses Tafelsilber auf der Kante. Die Situation ist sicherlich nicht einfach, aber in naher Zukunft wird das Licht im Kitzinger Tierheim noch brennen!“

Rund ums Tierheim

Belegung: Im Jahr 2014 hat das Kitzinger Tierheim 133 Hunde aufgenommen – darunter 45 Fundhunde, von denen 90 Prozent wieder abgeholt wurden. 122 Hunde wurden vermittelt. Von 155 Katzen haben 146 ein neues Zuhause gefunden. „Es werden eher mehr Tiere als weniger“, sagt Leiterin Angela Drabant (im Vorjahr: 106 Hunde, 128 Katzen). Auch die Zahl abgegebener Kleintiere wie Hasen oder Meerschweinchen steige; zuletzt waren es 42. Dazu gesellten sich sieben Vögel.

Unterstützung: Mit einer Geld- oder Futterspende ist dem Kitzinger Tierheim am meisten geholfen. Es gibt unter anderem Tierpatenschaften, bei dem monatlich ein fester Beitrag gespendet wird. „Das ist nicht unbedingt auf ein Tier bezogen, es gibt auch einige, die einen Dauerauftrag über zehn Euro ans Tierheim eingerichtet haben“, informiert Drabant. Geholfen – wenn auch nicht finanziell – ist dem Tierheim auch stets mit Gassigehern und Katzenstreichlern.

Kontakt: Tierheim Kitzingen, Kaltensondheimer Straße 52, Tel. 09321/5063; Spendenkonto: Tierschutzverein Kitzingen, IBAN: DE50790500000000028050. *lni*