Der Hof ist leicht zu finden. Auf der B8 weist ein Schild auf das neueste Produkt hin: frische Eier. Abzweigung genommen und ein paar hundert Meter geradeaus. Dort begrüßen Otto Weigand und sein Sohn Michael am neuen Hofladen in Hellmitzheim.

Bis ins Jahr 1686 lässt sich die Geschichte des Hofes in der Helmboldstraße 3 zurückverfolgen. Mindestens so lange wird dort Landwirtschaft betrieben. Die ersten Weigands haben 1821 eingeheiratet. Otto Weigand und seine Frau Emma sind durchaus stolz auf die Vergangenheit. Ihr Blick richtet sich aber in die Zukunft. Zwei Söhne haben die beiden. Andreas ist in der Landmaschinenbranche tätig, Michael will die Tradition in Hellmitzheim weiterführen. Mit seinem Vater hat vor einem Jahr eine GbR gegründet. Über die Schwierigkeiten und Unwägbarkeiten sind sich beide im Klaren.

120 Hektar Ackerland bewirtschaften die Weigands, haben außerdem 1000 Mastschweine auf ihrem Hof. Gerade mal 15.000 Euro Gewinn lassen sich in einem normalen Jahr durch die Schweinemast erzielen. „Aktuell bleibt kaum etwas übrig“, bedauert Michael Weigand. Eine Erweiterung würde Sinn machen. „Ist mir in der aktuellen politischen Situation aber zu riskant“, sagt Otto Weigand. Jeden Monat kämen neue Forderungen auf die Landwirte zu. Planungen in die Zukunft seien kaum möglich. Die Afrikanische Schweinepest macht den Schweinehaltern in ganz Deutschland zusätzlich zu schaffen. „Von einem Tag auf den anderen ist der Preis von 1,60 Euro pro Kilo auf 1,27 Euro gesunken“, erinnert sich Otto Weigand. Die Folge: Ein Stau in den Ställen. Rund 500.000 Schweine müssten deutschlandweit geschlachtet werden. „Aber der Export ist komplett eingebrochen.“

Nicht die einzige Sorge für den Schweinemäster, der den Betrieb vor 26 Jahren von seinem Vater übernommen hat. Damals gab es noch keine Diskussion um das Tierwohl. Längst sind die Verbraucher anspruchsvoller und skeptischer geworden. Um den Ansprüchen an das Tierwohl gerecht zu werden, müssten die Weigands in großem Stil investieren – oder gleich einen neuen Stall bauen. „Ist mir aus politischen Gründen zu heikel“, sagt Otto Weigand. Dann lieber ein zweites Standbein gesucht.

Im Hühnermobil gibt es auch ein Sandbad zum Gefieder reinigen

In der Nähe von Fürth hat Michael Weigand sein zweites Standbein gefunden. Dort lebt seine Freundin und hat sich zwei mobile Hühnerställe angeschafft. „Ich dachte mir, dass könnte auch für uns eine Option sein.“ Michael Weigand hat sich in die Thematik reingearbeitet, ein Praktikum auf einem Legehennenbetrieb absolviert und Fachberater Claus Schmiedel vom Amt für Landwirtschaft in Kitzingen kontaktiert. Dessen Ratschlag: Beim Kauf eines mobilen Hühnerstalls nicht sparen.

50.000 Euro haben die Weigands in das Mobil investiert. Es hat die gleichen Maße wie ein landwirtschaftlicher Anhänger, lässt sich per Traktor von Ort zu Ort ziehen. Im Untergeschoss befindet sich ein Raum, in dem die Tiere scharren können. Mit Stroh, Hackschnitzeln und Getreidekörnern ist der Boden bedeckt. Außerdem gibt es ein Sandbad. „Zum Gefieder reinigen“, erklärt Weigand junior mit einem Schmunzeln. Einen Stock höher verbringen die Hühner die Nacht auf Sitzstangen. Auf dem Dach befinden sich vier Solarpanels. Die liefern den Strom für die Regelung der Lüftung, Fütterung und Öffnung der Tore. „Läuft alles automatisch“, erklärt der 24-Jährige. Bevor er den Stall betritt, muss er durch eine Hygieneschleuse. Schuhe wechseln, Hände desinfizieren. „Die Vogelgrippe schwebt wie ein Damoklesschwert über uns“, erklärt er. Es gilt, bloß keine Krankheit über den Kot von Wildtieren in den Stall einzutragen. Punkt 10 Uhr in der Früh gehen die Tore auf und die Hühner können ins Freie. Vier Quadratmeter Auslauf stehen jedem Huhn laut Gesetz zu. 300 Hühner haben die Weigands derzeit in ihrem Besitz. Genug Wiesen rund um Hellmitzheim haben sie, um die Fläche regelmäßig zu wechseln. „Wir dürfen bloß nicht zu nahe an Wohngebäude oder Gewässer herankommen“, erklärt Otto Weigand.

Seit etwa sechs Wochen vermarkten die Weigands ihre neuen Produkte. Eine Garage haben sie dafür auf dem Hof in einen kleinen Laden umgewandelt. Im Zentrum steht der Automat, in dem sich nicht nur die Eier, sondern auch Nudeln, Kartoffeln, Sauerkraut und Sonnenblumenöl befinden – alles made in Franken. 24 Stunden am Tag ist der „Hofladen“ geöffnet, sieben Tage die Woche. Aus dem Dorf kommen Spaziergänger vorbei, Pendler halten an und das Schild an der Bundesstraße zeigt ebenfalls Wirkung. „Wir sehen immer wieder Leute mit Würzburger oder Nürnberger Kennzeichen auf dem Hof“, freut sich Michael Weigand. Seine Erklärung: Viele Verbraucher wünschen sich regionale, kleine und tierfreundliche Haltungsformen. „Das bieten wir hier an.“

Der Start ist verheißungsvoll gelaufen, aber zwei bis drei Jahre will sich der 24-Jährige Zeit lassen, um ein endgültiges Fazit zu ziehen. Noch gibt es offenen Fragen: Steigert sich der Absatz? Kommen die Kunden regelmäßig? Derzeit will Michael Weigand nichts ausschließen. Gut möglich, dass er die Direktvermarktung ausbaut. Denkbar ist aber auch, dass er den mobilen Stall in einem Jahr wieder verkauft und sich ein anderes zweites Standbein aufbaut. „Wir sind mit dem mobilen Legehennenstall total flexibel“, freut er sich. „Genau das muss man in diesen Zeiten auch sein“, betont sein Vater.