Auf dem Main geht nichts mehr. Kein Schiff weit und breit. Trotzdem ist in der Schleuse Dettelbach viel los. Während der zweiwöchigen Schifffahrtspause nehmen Mitarbeiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Main (WSA) das Bauwerk ganz genau unter die Lupe. Das ist nur machbar, wenn die Kammern trockengelegt sind.

Zwei Männer stehen auf einem stählernen Steg, nehmen eine riesige Platte in Empfang, die am Kran hängend über ihren Köpfen schwebt, leiten sie vorsichtig weiter hinunter ins Wasser zum „dritten Mann“. Von oben unsichtbar, in der Dunkelheit des trüben Wassers, schiebt ein Taucher die Platte in eine am Boden eingelassene Schiene. Weil die Arbeit im etwa acht Grad kalten, dunklen Wasser ziemlich anstrengend ist, steht nicht nur ein Sicherungsteam bereit, sondern auch ein zweiter Taucher. „Zu lange da unten, das ist nicht angenehm“, erklärt der zuständige Außenbezirksleiter des WSA, Arnold Bitterlich.

Reedereien müssen planen können

Acht nebeneinander platzierte Tafeln sind es am Ende, die dicht abschließen müssen mit den Wänden und dem Boden, dann ist der „Revisionsverschluss“ fertig. Eine Abtrennung, die es ermöglicht, die nach der Absenkung des Wasserspiegels in der unteren Schleusenkammer verbliebenen 13.000 Kubikmeter abzupumpen. Eine Voraussetzung dafür, dass die Arbeiter nahezu trockenen Fußes in dem 300 Meter langen, zwölf Meter breiten Betonbauwerk herumlaufen und auch die Schleusentore ganz genau untersuchen können.

Jedes Jahr im Frühjahr werden der Main, der Main-Donau-Kanal und die Donau für zwei Wochen für Instandsetzungsarbeiten an den Schleusen gesperrt. Der Termin steht zwei Jahre im Voraus fest, damit die Reedereien planen können. Schließlich verkehren jährlich rund 5000 Frachtschiffe und 1000 Fahrgastkabinenschiffe auf dem Main, wie das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Main mitteilt. Die Sperrung gilt seit dem 11. April, ab 29. April haben die Schiffe wieder freie Fahrt.

In Limbach, Knetzgau, Garstadt und Himmelstadt sind die Mitarbeiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes sowie teilweise Fremdfirmen schon seit vergangener Woche am Werk. Dettelbach ist letzter in der Reihe – und das ist in diesem Fall nichts Schlechtes. „Hier stehen keine großen Baumaßnahmen an“, sagt Bitterlich. Erst vor sechs Jahren wurden sechs neue Schleusentore eingebaut. Weil die aber teilweise Wasser durchließen, musste die Schleuse schon im nächsten Frühling wieder trockengelegt und die Abdichtungen ausgebessert werden. Daher sind jetzt, nach fünf Jahren, keine großen Verschleißerscheinungen zu erwarten.

Bloß keine Unebenheiten 

Am Montagfrüh um 7 Uhr rückten die Arbeiter und die großen Kräne an, um zunächst den Revisionsverschluss einzubauen. Millimeterarbeit ist nicht nur beim Setzen des Verschlusses vonnöten. Schon vorher müssen Behelfsstege angebracht werden, die für den Einbau der Revisionsverschlüsse gebraucht werden. Auch sie müssen passgenau zwischen den hohen Betonmauern sitzen. Schon bei kleinen Unebenheiten verkeilt der Steg, und das tritt in Dettelbach prompt ein. Die Konstruktion ist wenige Zentimeter zu lang und muss erst nochmal herausgehoben und gekürzt werden. Letztendlich gelingt es, mit einem guten Auge und vereinter Kraft den Steg richtig zu platzieren. Wobei auch Standfestigkeit gefragt ist, denn gearbeitet wird nicht nur vom Ufer aus. Ein Mitarbeiter steht in einem Boot, ein anderer balanciert auf einem Stahlträger – selbstverständlich gesichert mit Helm und einer Schwimmweste.

Die Inspektion ist eng getaktet. Während vor den beiden Schleusentoren noch die Vorarbeiten laufen, steht schon ein dritter Kran bereit, der später eine Treppe in die trockengelegte Schleusenkammer heben wird. Schließlich ist der Höhenunterschied beträchtlich, er muss mehrfach am Tag und vor allem sicher überwunden werden können. Zudem wird für die Instandsetzungsarbeiten ein weiterer Kammersteg eingebaut. Ohne den müssten die Arbeiter, wenn die mittleren Schleusentore zur Inspektion geöffnet sind, viel zu weite Wege zurücklegen, um auf die andere Seite der Schleusenkammer zu kommen. Bis zur Mittagszeit haben die Arbeiter zu tun, dann sind die Stege und die Revisionsverschlüsse gesetzt, die Pumpen können eingeschaltet werden. „Bis das Wasser raus ist und nur noch ein bisschen Sand und Kies in der Kammer bleibt, das dauert schon vier, fünf Stunden“, so Arnold Bitterlich. Damit abends die Pumpen gleich wieder abgebaut werden können, hat er extra zwei Schichten eingeteilt. „Bis etwa 21 Uhr haben wir heute schon zu tun“, erklärt der Außenbezirksleiter.

Freie Fahrt ab 29. April

Die eigentliche Bauwerksinspektion steht für Mittwoch auf dem Plan. „Wenn nichts anfällt, können wir die Kammern Anfang nächster Woche füllen“, erklärt Arnold Bitterlich. Mehr als rechtzeitig also, bevor es am 29. April dann wieder heißt: „Freie Fahrt“ für die Schifffahrt auf dem Main.