Im Depot, im ersten Stock des Kitzinger Stadtmuseums, stapeln sich die Pizzaschachteln. Es sieht so aus, als hätten Stephanie Falkenstein und ihre Mitarbeiter wochenlang nichts anderes zu sich genommen. Bei einem Blick in die Schachteln wird jedoch schnell klar: Mit Essen hat die Sache nichts zu tun – dafür aber mit einer ungewöhnlichen Sammlung.

Heiner Schubert hatte viele Interessen. Eines galt seiner umfangreichen Sammlung von Spielzeugautos. Kleine Lkw stehen in den Pizzakartons, Pkw aller Fabrikate, Wohnanhänger, Tiertransporter und ein paar Züge sind auch auch mit dabei. Alles, was auf den Straßen dieser Welt so unterwegs ist und war, gibt es auch als Spielzeugauto, en miniature. Heiner Schubert dürfte die meisten Modelle in seinem Besitz gehabt haben.

Seit seiner Kindheit hatte sich der Architekt für Spielzeugautos interessiert. In den 80er Jahren hat er die Leidenschaft ausgebaut, immer die Augen noch neuen Modellen offengehalten. „Er war ein leidenschaftlicher Sammler“, erinnert sich seine Frau Birgitt. In Würzburg hatte er einen Händler, auf Ebay hat er bestellt und in seinem Arbeitszimmer hatte er die Sammlerstücke in Glasvitrinen ausgestellt. Vor kurzem ist der Architekt aus Kitzingen verstorben.

Vorher hat er sich um die Zukunft seiner Sammlung gekümmert. „Obwohl er verschiedene Angebote in Höhe von über 30 000 Euro hatte, beschloss er im vergangenen Jahr, seine Sammlung dem Städtischen Museum Kitzingen zu stiften“, freut sich dessen Leiterin Stephanie Falkenstein – auch wenn das Depot jetzt schon aus allen Nähten platzt. Leihgaben darf Falkenstein aus Platzmangel schon gar nicht mehr annehmen. „Nur noch Schenkungen“, sagt sie. Auf sie und ihre Mitarbeiter kommt dank der neuesten Schenkung eine Menge Arbeit zu. Die Bestände müssen im Eingangsbuch erst einmal erfasst und in der Datenbank inventarisiert werden. „Es gibt bisher kein Verzeichnis“, sagt Falkenstein. Vor allem gestaltet sich die Zuordnung der einzelnen Automarken und Herstellerfirmen zum Teil als Detektivarbeit. „Etwas erschwert wird die Sache auch dadurch, dass die Autos zu Ausstellungszwecken aus den Verpackungen genommen worden waren“, so Falkenstein. Die Mitarbeiter des Museumsteams müssen also zunächst die einzelnen Modelle ihren Verpackungen wieder zuordnen, bevor sie mit der Erfassung beginnen können. Eine große Herausforderung. Neben den 50 riesigen Pizzakartons stehen etliche gelbe Säcke, in denen die leeren Verpackungen auf ihre Autos und Lkw warten. Die Besucher des Museums müssen sich noch ein wenig gedulden, ehe sie die Sammlung zu Gesicht bekommen. „Die Arbeit wird sich noch ein wenig hinziehen“, sagt Falkenstein. In den nächsten Jahren will sie auf jeden Fall eine Ausstellung mit Heiner Schuberts Sammlervermächtnis anbieten. Irgendwann zwischen 2020 und 2025. Das Auto sei dann sicher ein lohnendes Thema. „Irgendwann ist der Verbrennungsmotor ja ein Fall fürs Museum“, prognostiziert sie. Anschauungsmaterial hat sie dann schon mal in Hülle und Fülle. Wenn auch ohne Motor.