Es geht wieder los. Die Rathaushalle in Kitzingen verwandelt sich in einen Ausstellungsraum. Renate Haass und Klaus Christof von PAM e.V. zeigen Bilder von zeitgenössischen bayerischen Phantasten.

Die Werke hängen an den Stellwänden, die erklärenden Texte zu den Künstlern sind längst geschrieben und angebracht und die Beleuchtung ist austariert. Die neueste Ausstellung des Kitzinger Kunstvereins kann starten. Die Besucher können sich auf phantastische Kunstwerke freuen.

Sieben zeitgenössische Künstler

Die Werkschau umfasst Gemälde und Collagen von sieben zeitgenössischen Künstlern. Klaus Christof ist nicht nur Organisator der Ausstellung. sondern auch einer der Künstler. Der Magische Realismus hat ihn während seiner Studienzeit gepackt und nicht mehr losgelassen. „Man braucht viel Geduld bei dieser Kunstform“, sagt er. „Und Fleiß.“ Wer sich dem Magischen Realismus verschrieben hat, der muss sehr genau zeichnen können, sein Handwerk beherrschen. „Vor dem ersten Pinselstrich musst du genau wissen, was du zeichnen willst“, erklärt Christof. Änderungen sind im Schaffensprozess nicht vorgesehen. Neue Impulse, neue Problemstellungen, die künstlerisch thematisiert werden wollen, werden dann halt im nächsten Bild aufgegriffen und umgesetzt. Der Schaffensprozess geht nie zur Neige. Detailgetreu muss der Künstler dabei sein– und seine phantastischen Gedankengänge zu Leben erwecken.

Die ersten Elemente der Phantastischen Malerei finden sich bereits im späten Mittelalter in der religiösen Kunst in Süddeutschland und Österreich. Diese mit mystischen Inhalten versetzte Malerei fand ihre Fortsetzung im Symbolismus der Jahrhundertwende und der neuen Sachlichkeit der 1920er- und 1930er-Jahre. Ihren Höhepunkt fand diese Kunstform im Magischen Realismus, die 1960er und 1970er-Jahre gelten als besonders intensive Phase. „Die Malerei hatte spätestens da die bloße Wiedergabe der sichtbaren Wirklichkeit überwunden“, sagt Christof.

Acryl, Öl, Collagen

Heute hat sich die Zahl der aktiven Phantasten im Kunstmarkt deutlich reduziert, die Werke gelten als elitär. Christof möchte sie wieder einer breiteren Bevölkerungsschicht zugänglich machen. „Ich will nicht nur zeigen, dass es dieses Handwerk gibt, sondern auch beweisen, dass diese Bilder die Besucher berühren.“

Haass und Christof haben sieben der bedeutendsten Vertreter für die Ausstellung gewinnen können. Sie zeigen Werke auf Acryl und Öl sowie Collagen. Gemeinsam sind allen die Treue zum Detail und die überraschenden Motive. Spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg wollten Künstler dem Realismus etwas entgegensetzen, sich von der herkömmlichen Kunst distanzieren. Ihre Träume und Phantasien fanden Einzug in die Werke. Für Christof ist das Genre gerade heute wieder aktuell. „Wir brauchen Visionen“, meint er. Die Bilder der Phantasten können dazu ihren Teil beitragen.

Überraschende Dimensionierung

Bei aller Detailtreue und Akribie: Die eigentliche Kunst liege darin, den Betrachter zu neuen Gedankengängen zu inspirieren, meint Christof – durch Abbildungen, die scheinbar nicht zusammenpassen oder durch überraschende Dimensionierungen von Objekten. In der Rathaushalle gibt es reichlich Anschauungsmaterial, beispielsweise ein Bild von Hans Niklaus mit allerlei Meeresgetier in einem Zimmer mit grünem Vorhang. Auf einem Werk von Karl Witti sitzt ein träumender Android in einem Klassenzimmer und beobachtet einen feuerroten Vogel, der durch das triste Interieur fliegt. Ein paar Schritte weiter wandelt ein „Blütenbläser“ scheinbar frohgemut durch eine surreale Landschaft.

„Es gibt nicht die eine Definition eines Bildes“, sagt Klaus Christof. Jedes Gemälde gibt dem Betrachter vielmehr verschiedene Denkanstöße. Die Bilder der Phantasten seien weit mehr als ein naturgetreues Abbild unserer Realität. Sie speisen sich aus den Erfahrungen der Künstler, sind von deren Sehnsuchtsvorstellungen durchzogen, sind Produkte ihrer Ideen, Träume und Visionen – ihrer Wahrnehmung einer Zeit, die im Wandel begriffen ist.

Der Betrachter kann die Rathaushalle völlig unvoreingenommen betreten. „Es gibt keinerlei Vorgaben“, sagt Christof. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Ausstellung: Zeitgenössische Bayerische Phantasten, ab Samstag, 24. Juli, täglich geöffnet, von 10 bis 18 Uhr, Eintritt frei.

Beteiligte Künstler*Innen: Wolfgang Harms, Nürnberg; Karl Witti, Ersing; Udo Winkler, Ansbach; Jo Niklaus, Nürnberg; Hans Niklaus, Nürnberg; Michael Maschka, Nördlingen; KD Christof, Kitzingen.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, erhältlich beim Aufsichtspersonal. Kosten: 15 Euro.