Landkreis Kitzingen Wann muss eine Hecke wie gekürzt werden? Womit ein Grünstreifen bepflanzt? Wie eine Wiese gepflegt? Bei diesen Fragen geht es nicht nur um Technik und Manpower. Es geht um den Schutz der Natur und da ist Fachwissen gefragt. Dieses Wissen in Theorie und Praxis wird im Lehrgang zum Geprüften Natur- und Landschaftspfleger vermittelt. Iris Prey von der Regierung von Oberfranken leitet den Lehrgang und erzählt, worum es in den 17 Wochen geht.

Frage: Im September startet wieder eine Fortbildung zum Geprüften Natur- und Landschaftspfleger. Für wen ist der Lehrgang gedacht?

Iris Prey: Es handelt sich um eine Fortbildung für Menschen in so genannten „grünen“ Berufen. Wer teilnehmen möchte, sollte drei Jahre Berufserfahrung haben – als Gärtner beispielsweise, Förster oder als Landwirt.

Um dann nach dem Lehrgang was zu tun?

Prey: Geprüfte Natur- und Landschaftspfleger werden in den verschiedensten Tätigkeitsfeldern eingesetzt. Als Naturparkranger zum Beispiel oder in Bauhöfen. Sie arbeiten in Unternehmen, in Landschaftspflegeverbänden und anderen Organisationen und Einrichtungen in den Bereichen Naturschutz, Landschaftspflege oder Umweltbildung. Es geht aber nicht nur darum, in der Natur tätig zu werden. Die Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit spielt auch eine große Rolle.

Sie schneiden also nicht nur Hecken, sondern zeigen auch, wie es geht.

Prey: Ja, sie geben weiter, was wann und wie zu tun ist. Die Hecke zum richtigen Zeitpunkt und auf die richtige Art und Weise zu pflegen, ist beispielshalber enorm wichtig für den Schutz von brütenden Vögeln. Der eine Natur- und Landschaftspfleger organisiert mehr, der andere führt mehr aus. Bauhof-Mitarbeiter zum Beispiel sind sehr aktiv bei der praktischen Umsetzung.

Ist es denn üblich, dass in Bauhöfen Mitarbeiter mit dieser Fortbildung arbeiten?

Prey: Inzwischen legen immer mehr Gemeinden Wert darauf. Viele Bauhof-Mitarbeiter haben ja ganz andere Ausbildungen, müssen aber die Grünflächen pflegen. Da ist es wichtig, dass sich diese in Naturschutz und Landschaftspflege auskennen. Auch Fragen der Förderung spielen für die Gemeinden eine immer wichtigere Rolle. Die Förderlandschaft ist ja sehr vielfältig. Früher haben vor allem Landwirte an dem Lehrgang teilgenommen, um sich ein zweites Standbein aufzubauen. Inzwischen nimmt die Zahl der Gemeindemitarbeiter zu. Insgesamt ist der Andrang bei den Lehrgängen größer geworden. Die Gesellschaft hat erkannt, wie wichtig es ist, die Natur und Landschaft zu pflegen.

Sie leiten den Lehrgang. Was bringen Sie und ihre Referenten den Teilnehmern bei?

Prey: Es beginnt bei den Rechtsgrundlagen, zum Beispiel im Naturschutzrecht oder im Forstrecht, reicht über Förderprogramme, Pflanzen- und Tierarten sowie deren Lebensräume und Technik in der Landschaftspflege bis zur Kalkulation und Vergabe landschaftspflegerischer Leistungen. Aber es ist auch ganz viel Praxis dabei, mit Pflanzung, Ansaat, Pflege, Artenschutzhilfsmaßnahmen. Auch viele Exkursionen gehören dazu, um die Lebensräume kennenzulernen und zu erfahren, wie sie zu pflegen sind. Und es geht, wie schon erwähnt, um Umweltbildung.

Wie kann die aussehen?

Prey: Das können Führungen sein, die beispielsweise von den Naturparkrangern angeboten werden. Oder Exkursionen für Grundschulklassen, bei denen die Schüler das Leben in der Hecke kennenlernen, die Pflanzen auf den Wiesen oder die Bäume und Tiere in den Wäldern.

Wie viele Geprüfte Natur- und Landschaftspfleger gibt es bereits?

Prey: Seit 1992 haben in Bayern etwa 500 bis 600 Teilnehmer den Kurs absolviert. Wobei die Fortbildung erst seit 1998 deutschlandweit einheitlich ist. Vorher gab es den Fachwirt Naturschutz und Landschaftspflege. In Bayern liegt die Zuständigkeit beim Landwirtschaftsministerium, wir hier an der Regierung von Oberfranken sind die zuständige Stelle für die Ausführung.

Wie sehen die Eckdaten des Kurses aus?

Prey: Der Lehrgang erstreckt sich über 17 Wochen, wobei der Unterricht in Blockwochen stattfindet, die sich über einen Zeitraum von September 2021 bis Juli 2022 verteilen. Auch der Kursort ist unterschiedlich, ein Teil findet in Bayreuth statt, ein Teil an der Bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege in Laufen.

Und wer sich anmeldet, kann mitmachen?

Prey: Die Ausbildung und Berufserfahrung in einem „grünen“ Beruf ist ja Voraussetzung. Ausnahmen sind möglich, beispielsweise, wenn ein Biologe die Fortbildung gerne absolvieren möchte. Nach Anmeldeschluss am 30. Juni entscheidet der Prüfungsausschuss, wer zugelassen wird. Da spielt neben der Vorbildung auch die berufliche Dringlichkeit eine Rolle. Geplant sind zwei Kurse mit je 24 Teilnehmern.

Wie sieht es mit den Kosten aus?

Prey: Die Lehrgangsgebühren betragen 1000 Euro, dazu kommt die Prüfungsgebühr in Höhe von 250 Euro. Nicht eingerechnet sind in diesen Zahlen die Beträge, die für Fahrt und Übernachtung anfallen. Bei den meisten Teilnehmern unterstützt der Arbeitgeber die Mitarbeiter bei den Kosten, denn es ist eine Investition, die sich lohnt. Für die Natur und die Umwelt, aber auch fürs eigene Image. Die Bürger fordern heutzutage ein, dass Gemeinden und Unternehmen sich hier engagieren. Ohne Fachwissen geht das nicht.

Info: Nähere Informationen zum Lehrgang „Geprüfter Natur- und Landschaftspfleger“ und zur Anmeldung gibt es im Internet unter www.reg-ofr.de