So lange wie möglich selbstbestimmt leben. Und das am besten im gewohnten Umfeld. Diesen Wunsch hegen die meisten Senioren in Deutschland. Sie wollen daheim gepflegt werden können, wünschen sich Einkaufsmöglichkeiten und eine gute ärztliche Versorgung im nahen Umfeld sowie eine Wohnung, in der sie auch mit Rollstuhl oder Rollator gut zurecht kommen. Diese Ergebnisse hat eine Umfrage des Bayerischen Sozialministeriums erbracht. „In der Realität sind aber immer noch zu viele Räumlichkeiten ungeeignet für ältere Menschen“, bedauerte Brigitte Herkert von der Koordinierungsstelle „Wohnen im Alter“ in München. „Der Staat hat die Wohnraumanpassung deshalb zu einem der wichtigsten Zukunftsthemen erklärt“, sagte sie. Erste Verbesserungen gibt es jetzt schon – beispielsweise in Sachen Förderung.
„Die Möglichkeiten, lange daheim zu leben, werden immer besser.“
Monika Walter BRK

Karin Stier ist am Landratsamt in Kitzingen für die Wohnraumförderung verantwortlich. „Die Nachfrage und der Bedarf sind sehr hoch“, informierte sie. Bis zu 14 000 Euro bewilligen Staat und Pflegekassen mittlerweile für förderfähige Anträge. Barrierefreie Bäder lassen sich auf diese Weise genauso günstig finanzieren wie Treppenlifte und andere Hilfen im Wohnalltag. Die Voraussetzungen: Eine Schwerbehinderung von mindestens 50 oder mindestens die Pflegestufe eins. Die Einkommensgrenze wird außerdem überprüft. „Zu 90 Prozent werden die Anträge aber genehmigt“, erklärte Stier. Ihr Appell an die Zuhörer im voll besetzten großen Saal des Landratsamtes lautete deshalb: „Überwinden Sie Ihre Scheu und stellen Sie Förderanträge.“

Mit dem Motto „ambulant vor stationär“ will der Staat dem Wunsch der Bevölkerung nach einem möglichst langen Leben in den eigenen vier Wänden Rechnung tragen. „Die Möglichkeiten, lange daheim zu leben, werden immer besser“, versicherte Monika Walter von der Sozialstation BRK-Kreisverband Würzburg in Kitzingen. Jeder Patient, der vom MTK eingestuft wurde, bekommt seit dem 1. Januar 2015 niederschwellige Betreuungsangebote im Wert von 104 bis 208 Euro monatlich. „Das können Spaziergänge sein, Gedächtnistraining, gemeinsame Einkäufe oder einfach nur da sein“, erklärte Walter.

Die Entlastung tut den pflegenden Angehörigen gut, die mittlerweile auch beruhigter in Urlaub gehen können. „Die Kurzzeitpflege kann bis zu 50 Prozent auch für Verhinderungspflege zuhause stundenweise in Anspruch genommen werden“, erläuterte Walter. Insgesamt können damit bis zu 2418 Euro pro Jahr für die Pflege in den eigenen Räumen in Anspruch genommen werden.

Die Pflegekassen haben außerdem das Budget für die Tagespflege angehoben. Mit einer Pflegestufe und einer demenziellen Erkrankung gibt es 689 Euro. Das gleiche Budget ist auch bei Leistungen für die ambulante Pflege vorgesehen. Je nach Krankheitsbild und Pflegestufe steigt diese Summe. „Einmal in der Woche kann der Klient damit problemlos in die Tagespflege und die Angehörigen können durchschnaufen“, so Walter.

Vom betreuten Wohnen über ambulant betreute Wohngemeinschaften für maximal zwölf Personen gibt es mittlerweile verschiedene Wohnformen für Senioren. Als zukunftsträchtige Idee bewertete Brigitte Herkert das Modell „Wohnen für Hilfe“: Senioren vermieten freien Wohnraum an jüngere Menschen. Die erhalten für Dienste wie Einkaufen oder Rasen mähen einen Nachlass bei der Miete. Ihre altersgerechten und barrierefreien Wohnanlagen in der Kitzinger Siedlung beziehungsweise in Marktsteft stellten Sabine Bischoff vom SELA-Haus Mühlenpark und Dieter Haag von der gleichnamigen Wohnbau GmbH vor.

Eine ganze Hausgemeinschaft haben Anne Abb und Manfred Jendt mit ihren Mitstreitern in Aschaffenburg aufgebaut. 2003 entstand die Idee unter dem Motto „Gemeinsam statt einsam.“ Eine Vereinsgründung, hunderte Gespräche und acht Jahre später konnte das Projekt mit Leben gefüllt werden. In einer ehemaligen US-Kaserne wurde ein Komplex, der von der Stadtbau GmbH gekauft wurde, nach den Vorstellungen der Initiatoren umgestaltet. Auf 1720 Quadratmeter Wohnfläche sind 26 Wohnungen geschaffen worden, die Zahl der Vereinsmitglieder ist innerhalb von acht Jahren von fünf auf 101 gestiegen. „Bei uns leben junge und alte Menschen unter einem Dach“, erklärte Anna Abb die Vorzüge des Projektes. Einmal im Monat kommt die Hausgemeinschaft zu einer Besprechung zusammen, ansonsten setzt der Verein auf freiwilliges Engagement. „Das klappt besser als wir anfangs gedacht haben“, freut sich Abb. Eine Theatergruppe hat sich gegründet, eine Garten-AG, es wird gemeinsam gefeiert und gespielt.

Das Projekt ist vom Sozialministerium mit 40 000 Euro bezuschusst worden, die Bewohner zahlen die ortsübliche Miete und beim Einzug einen einmaligen Betrag von 500 Euro. Für alle potenziellen Nachahmer hat Abb einen Ratschlag. „Sie brauchen viel Eigeninitiative, Geduld und den Willen, für eine Sache zu kämpfen.“ Für die richtige Wohnform im Alter sollte sich der Kampf auf jeden Fall lohnen.