Es gibt sie überall. Und überall gibt es auch mal mehr von ihnen. Ratten können zu einer Plage werden. Wie sie zu bekämpfen sind, wissen die Bauhofmitarbeiter am besten. Jetzt tauschen sie ihr Wissen aus.

Neun Gemeinden gehören zur „Dorfschätze-Allianz“. Bislang backen sie alle ihre eigenen Brötchen, wenn es um die Rattenbekämpfung geht. „Dabei haben wir alle die gleichen Probleme“, weiß Abtswinds Bürgermeister Jürgen Schulz und fragte sich schon vor etlichen Monaten, warum man nicht vereint gegen den gemeinsamen Feind vorgehen könne. Ein erster Schritt dazu ist getan: Bei einer Infoveranstaltung im Kitzinger Bauhof, veranstaltet von Teresa Öchsner, Allianzmanagerin der „Dorfschätze“, holten sich Bürgermeister und Vertreter der jeweiligen Bauhöfe wertvolle Anregungen.

Teure Kammerjäger

Mit Ratten kennt man sich in Kitzingen aus. Bauhofleiter Georg Günther erinnert sich noch gut an den Anfang dieses Jahrtausends, als die Anwohner am Oberen Mainkai über eine kleine Rattenplage stöhnten. Die Stadt engagierte – wie damals üblich – einen Kammerjäger. Wochen später war sie 90.000 Mark ärmer. Das Problem war in einem Straßenzug gelöst – aber keinesfalls nachhaltig. „Damals habe ich mir schon gedacht, dass wir das selber besser lösen können“, berichtet Günther. Heute ist es dank ausgebildeter Mitarbeiter und einer ausgeklügelten Technik so weit.

„Ball-b“ heißt das System, mit dem Norbert Muther und Florian Lenz seit etwa zwei Jahren auf Rattenfang sind. 27 Boxen, die von weitem ein wenig wie ein Staubsauger aussehen, haben die beiden im Kitzinger Kanalsystem verteilt. In deren Inneren befinden sich Giftköder, so gut verpackt und gesichert, dass sie weder für Menschen noch für das Wasser der Stadt eine Gefahr darstellen. Ein eingebauter Schwimmer sorgt dafür, dass die Box „zumacht“ sobald es zu einem größeren Niederschlag kommt.

Erst einmal anködern

Die Boxen sind nicht zufällig im Stadtgebiet verteilt, sondern dort, wo Ratten nachweislich hausen. „Zuerst hängen wir Haferflocken oder ähnliche Lockstoffe hinein“, erklärt stellvertretender Bauhofleiter Dieter Pfrenzinger. Erst, wenn tatsächlich Tiere kommen, werden die Boxen mit den Ködern präpariert.

Die Zahl der „Besucher“ kann entweder per Zählcomputer oder GPS ausgelesen werden. Am PC oder auf dem Smartphone kann jederzeit nachvollzogen werden, ob und wie oft ein Standort tatsächlich von Ratten angegangen wird. „So lässt sich eine gezielte Bekämpfung organisieren“, erklärt Pfrenzinger.

Derzeit befinden sich die Schwerpunkte in der Oberen Bachgasse und in der Memellandstraße. Dort, in der Kitzinger Siedlung, sind in einem Jahr rund 1200 Ratten gezählt worden. „Die Giftköder sind kein Allheilmittel“, betont Günther. Auch die Öffentlichkeitsarbeit sei wichtig. Die Bevölkerung müsse immer wieder dafür sensibilisiert werden, dass sie es selbst in der Hand hat, ob Ratten Nahrung finden oder nicht. Vogelfutter, gelbe Säcke mit Essensresten, Komposthaufen: all das locke Ratten an. Auch die Fettabscheider mancher Gaststätten seien ein gefundenes Fressen – wenn sie nicht richtig dimensioniert sind. „Wo viel Nahrung ist, da sind auch viele Ratten“, fasst es Günther zusammen.

27 „Ball-b-Boxen“ hat der Bauhof im Laufe der letzten zwei Jahre angeschafft. Mit ihrer Hilfe lässt sich eine lückenlose Dokumentation der Rattenbekämpfung angehen. Mittlerweile ist fast das gesamte, rund 160 Kilometer lange Kanalnetz in Kitzingen „vorgeködert“ worden. Man weiß deshalb, wo sich Ratten bevorzugt aufhalten – und kann sie gezielt bekämpfen. Einen ersten Erfolg haben die Bauhofmitarbeiter schon ausgemacht. „Statt 20 Kartons Gift brauchen wir jetzt nur noch die Hälfte“, sagt Norbert Muther und sein Kollege Florian Lenz betont, dass die Boxen trotz aller Technik immer wieder begutachtet werden müssen, um sie auf mögliche Schäden hin zu überprüfen – oder um sie an den nächsten Hot-Spot zu transportieren. Ganz billig ist diese moderne Bekämpfung natürlich nicht. Zwischen 15.000 und 25.000 Euro setzt Georg Günther pro Jahr für die Rattenbekämpfung in seinem Budget an. Den größten Posten nehmen die Personalkosten ein. Zwei Kollegen müssten sich immer wieder um die Boxen kümmern. „Am Anfang waren wir da nicht konsequent genug“, erinnert er sich.

Wie geht es weiter?

Die Ratten sind einfach nicht weniger geworden. Mittlerweile schaut es besser aus. Wobei Günther und seinen Kollegen völlig klar ist, dass das Problem niemals völlig in den Griff zu bekommen ist – trotz aller modernen Technik.

Wie die Bürgermeister der „Dorfschätze-Gemeinden“ jetzt weiter vorgehen? „Einen genauen Zeitplan gibt es derzeit nicht“, sagt Teresa Öchsner. In der nächsten Lenkungsgruppen-Sitzung Mitte September werde das Thema sicher weiter besprochen, vorher in den einzelnen Gemeinden.

Falls weiteres Interesse besteht, werde man direkt auf das Unternehmen zugehen, um weitere Informationen zu erhalten. „Vor allem auch wegen genauen Kostenvoranschlägen.“

Die Dorfschätze-Gemeinden sind Abtswind, Groß- und Kleinlangheim, Wiesentheid, Castell, Prichsenstadt, Rüdenhausen, Schwarzach am Main und Wiesenbronn.