Sie ist zufrieden. Aber noch lange nicht fertig. Barbara Becker hat noch viele Projekte im Köcher. Ihre fünf wichtigsten Ziele als Landtagsabgeordnete hat sie nach eigenen Worten schon erreicht – auch wenn es noch keine sichtbaren Erfolge gibt.

Halbzeitbilanz: Barbara Becker empfängt in ihrem Wiesenbronner Büro. Frisches Obst steht auf dem Tisch, von gegenüber weht leichter Kuhstallgeruch ins Besprechungszimmer. Die 51-Jährige wohnt gerne auf dem Land. Kein Wunder, dass die Stärkung des ländlichen Raums eines ihrer zentralen Anliegen ist. Ihrem größten politischen Ziel in diesem Sinne ist sie vor kurzem einen Schritt näher gekommen.

Forschergruppe in Schwarzenau

Fünf Schlüsselprojekte hatte Becker am Anfang ihrer Amtszeit auserkoren. Die Etablierung eines Klimaforschungsinstitutes im Landkreis Kitzingen war wohl das ehrgeizigste. Jetzt hat Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber zugesagt, dass eine kleine Forschergruppe in Schwarzenau etabliert wird. Für Becker ein erster Schritt auf dem Weg zu einem Institut, das irgendwann 20 bis 30 Mitarbeiter umfassen könnte. Zukunftsträchtige Themen wie das Tierwohl oder der Umgang mit der schwindenden Ressource Wasser sollen dort erforscht werden. „Wir müssen das Thema Klimawandel proaktiv gestalten“, fordert die CSU-Landtagsabgeordnete.

„Wir müssen das Thema Klimawandel proaktiv gestalten.“
Barbara Becker, CSU-Landtagsabgeordnete

Die Forschungsergebnisse sollen eine direkte Auswirkung auf die Menschen vor Ort haben – auf die Landwirte und Winzer, die Gemeinde- und Stadträte oder die Häuslebauer. Konkrete Handlungsempfehlungen sollen erarbeitet werden. Mit der Uni und FH in Würzburg, der LWG und der Landesanstalt für Landwirtschaft gebe es professionelle Kooperationspartner vor Ort, die ihr Know-how einbringen könnten.?Die Vernetzung von Organisationen und Menschen liegt Becker am Herzen. 30 verschiedene Whatsapp-Gruppen betreut sie nach eigenen Worten. Landwirte, Lokalpolitiker, Unternehmer oder Pflegekräfte sind dort vertreten. Hier erhält sie Anregungen für weitere Themen, um die sie sich kümmern möchte.

Fünf Schlüsselprojekte

Ihre fünf Schlüsselprojekte seien weit gediehen. Neben der Etablierung eines Klimaforschungsinstitutes gehören die Nachnutzung des Alten Hafens von Marktsteft als Umweltstation dazu, die Reaktivierung der Mainschleifenbahn, die Umwidmung der Steigerwaldbahn und künftige Nutzung als Teststrecke für autonome Busse sowie die Verlegung des Staatsarchivs von Würzburg nach Kitzingen. Nach zweieinhalb Jahren seien alle diese Projekte auf einen guten Weg gebracht worden.

Auch wenn eine konkrete Umsetzung in allen Fällen noch nicht zu sehen ist. Das hat Barbara Becker in den letzten zweieinhalb Jahren gelernt: Neben viel Energie ist auch viel Geduld in der Politik gefragt.

Mal müsse man energisch vorgehen, wie bei der Mainschleifenbahn, wo die Entscheidungsträger von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft ihrer Meinung nach einen „Mutanfall“ bräuchten. Mal sei ein bedächtiges Vorgehen angesagt, wie bei der Steigerwaldbahn, wo es sehr viele Beteiligte und unterschiedliche Interessen gibt.

„Das Bedächtige ist eigentlich nicht Teil meiner DNA“, sagt Becker und lacht. Mitunter müssten aber richtig dicke Bretter gebohrt werden.

„Das Bedächtige ist eigentlich nicht Teil meiner DNA“
Barbara Becker, ehemalige Unternehmerin

Am besten sei die Politik mit einem Hausbau zu vergleichen. Von außen sehe alles einfach aus. „Aber es ist ein mühsamer Prozess und man muss sich mit ganz vielen Interessensgruppen abstimmen.“ In diesem Sinne will sie auch die kommenden zweieinhalb Jahre angehen, um unter anderem die Dokumentationspflicht im Pflegebereich und ganz allgemein die Bürokratie abzubauen. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MdK) ist für sie ersetzbar. „Wenn wir ihn nicht abschaffen können, dann sollten wir wenigstens seinen Auftrag ändern.“

Junges Wohnen fördern

Die Innenorte will sie stärken, junges Wohnen fördern – auch und gerade auf dem Land. Die Flächenversiegelung müsse deutlich reduziert werden. Als „extrem wichtigen Faktor“ bezeichnet sie dabei die Kultur. Ohne kulturelle Angebote vor Ort könne der ländliche Raum nicht gestärkt werden. Und dann wäre es noch schön, mehr Start-Ups in die Region zu locken. „Hier hat der Landkreis Kitzingen noch Luft nach oben“, meint sie. Mit ihrer Arbeit ist die CSU-Landtagsabgeordnete sehr glücklich. „Ich habe Freude an dem, was ich tun darf“, sagt sie. Diese Freude wird ihr auch in der zweiten Hälfte ihrer ersten Legislaturperiode nicht abhanden kommen – zumal Markus Söder Ministerpräsident bleiben wird. Auf ihn hält die Wiesenbronnerin große Stücke. Für dessen Kampf um die Kanzlerkandidatur hatte sie großes Verständnis. „Er konnte sich seiner Zustimmungswerte nicht erwehren“, meint sie. Vor dem Willen der Basis habe sich Söder nicht drücken können. Jetzt hat er zugunsten Armin Laschets verzichtet. Und kann sich – wie Barbara Becker auch – wieder ganz der Arbeit im Freistaat widmen.