Martin Schleyer hat viel um die Ohren. Wie viele andere auch muss er in diesen Corona-Zeiten einiges unter einen Hut bringen: Beruf, Beschulung der Kinder daheim und den Haushalt. Dennoch findet er noch Zeit für Andere. Für Menschen, denen es noch viel schlechter geht. „Das Wichtigste habe ich eben geschafft“, sagt er am Telefon. „Das Geld für einen Monat Essen in Indien habe ich heute überwiesen.“

Der Repperndorfer Landwirt hat 2007 den Kuno-Meuschel-Preis für sein soziales Engagement überreicht bekommen. Im Januar 2005 ist er nach Sri Lanka geflogen, um den Menschen beim Wiederaufbau zu helfen. Ein Tsunami hatte im Dezember 2004 große Küstengebiete verwüstet. Das Preisgeld für den Kuno-Meuschel-Preis hat Schleyer an Carolin Boos überwiesen. Der Anfang einer langjährigen finanziellen Unterstützung.

Boos hat eine ähnliche Geschichte zu erzählen. Nach dem Abitur ist sie nach Indien geflogen, um einer langjährigen Brieffreundin endlich leibhaftig zu begegnen. Die hat sie erst einmal mit in einen Slum genommen. Aus der geplanten Reise wurde nichts, dafür startete Boos angesichts des Elends ein Hilfsprojekt.

Mit einer Schule ging alles los. 18 Jahre später gibt es mehr als 40 bezahlte Mitarbeiter im Slum von Madrasi Colony in Dehra Dun in Nordindien, etliche freiwillige Helfer und Erfolgsmeldungen von jungen Mädchen, die an die Universität gehen. Mehr als 10.000 Euro hat Martin Schleyer in all den Jahren an das „Hope Projekt“ überwiesen. In Corona-Zeiten geht es den Ärmsten der Armen noch schlechter.

„Die Corona-Pandemie hat auch in Indien das Leben der Menschen auf dramatische Weise verändert“, schreibt Boos in ihrem neuesten Newsletter. Der Lockdown erfolgte Ende März. Alle Schulen, Restaurants und Geschäfte wurden geschlossen. Nur Lebensmittelläden dürfen am frühen Morgen öffnen. Die Ausgangssperre wird von der Polizei strengstens überwacht. Wer sich nicht an die Bestimmungen hält, wird nicht selten mit Stöcken geschlagen, hat Boos, die mittlerweile in Rosenheim lebt, von den Helfern vor Ort erfahren.

Besonders hart treffe der Lockdown die vielen Tagelöhner und Hilfskräfte ohne Arbeitsverträge. „Sie haben überhaupt kein Einkommen mehr“, berichtet Boos. „Ihre größte Sorge ist aktuell nicht eine Infektion mit dem Coronavirus, sondern der Hunger.“

Die aktuell wichtigste und herausforderndste Aufgabe der Hilfsorganisation lautet deshalb: Die Kinder mit Nahrung versorgen. „Einige Familien haben keine Möglichkeiten zu kochen, weil ihnen die Brennstoffe fehlen“, berichtet Boos. Andere haben einen Teil der Reisspenden, die von der Lokalregierung zu Anfang der Krise ausgegeben wurde, wegen großer Geldnot verkauft. Das Hope-Team versucht deshalb seit Wochen, fertig gekochte Mahlzeiten in dem Slum zu verteilen. „Nur so können wir sicherstellen, dass alle Kinder und auch alte Menschen etwas zu essen bekommen.“

Seit dem 16. April werden täglich 550 Essenspakete im Slum ausgeteilt. Gekocht wird auf der Dachterrasse von zwei Mitarbeitern des Projektes. Das Kochen in der Schulküche und anderswo im Slum ist offiziell verboten. Außerdem wurden Hygiene-Artikel wie Seife, Desinfektionsmittel, Zahnpaste und Masken im Slum verteilt.

Die Kosten für die Essenspakete belaufen sich auf 120 Euro pro Tag. „Diese Ausgaben sind nur teilweise durch unsere normalen Kosten für die Mittagessen der Schulkinder gedeckt“, erzählt Carolin Boos und ist für jede Spende dankbar. Martin Schleyer hat seinen Beitrag schon geleistet. Trotz aller Herausforderungen im eigenen Alltag ist es für ihn eine Selbstverständlichkeit, die Ärmsten der Armen nicht zu vergessen.

Spendenkonto Deutschland: Agnes Kunze Society e.V.; Pfälzerstraße 38; 83109 Großkarolinenfeld; IBAN: DE19 7115 0000 0240 9218 66; BIC: BYLADEM1ROS, Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling.

Weitere Informationen unter www.hopeprojekt.de