Während anderswo an Autobahnabfahrten teilweise riesige Gewerbegebiete entstehen, sucht man in Biebelried vergeblich nach großen Unternehmen. Etwa zehn Betriebe zählt Bürgermeister Roland Hoh auf Nachfrage in allen drei Ortsteilen auf, die meisten davon aber nicht in Biebelried, sondern in Kaltensondheim – sechs an der Zahl. Die Gewerbesteuer ist, gemessen an der Verkehrslage, nahezu lächerlich gering. 90 000 Euro stehen im aktuellen Haushalt, in den vergangenen Jahren war es meist weniger.

„Unsere finanzielle Situation ist

sehr angespannt.“

Roland Hoh, Bürgermeister

An der Fläche kann es nicht liegen, sie ist in Biebelried keine Mangelware. Doch von den 22,7 Quadratkilometern wird der Großteil landwirtschaftlich genutzt. Etwa 15 Landwirte gibt es laut Bürgermeister in den drei Ortsteilen noch. „Westheim ist komplett landwirtschaftlich strukturiert, in Kaltensondheim gibt es viele Landwirte, in Biebelried viele Nebenerwerbslandwirte“, sagt der Bürgermeister, spricht aber auch von einer rückläufigen Tendenz. Was dann aus den teilweise großen Höfen wird, damit wird sich die Gemeinde befassen müssen. Derzeit halten sich die Leerstände in Grenzen.

Für Gewerbe sollen sich bald Ansiedlungsmöglichkeiten ergeben: Am Ortsausgang entsteht an der B8/KT 22 ein kleines Gewerbegebiet mit einer Tankstelle. Vor allem aber gibt es Überlegungen, sich an den Mainfrankenpark „anzudocken“. Direkt neben den bestehenden Betrieben hoch oben auf dem Hügel wäre Platz – und der Grund gehört zu Biebelried. „Wir sind derzeit in Gesprächen mit Dettelbach“, so der Bürgermeister.

Mehr Gewerbesteuer würde der Gemeinde gut tun, denn die finanzielle Situation ist angespannt. „Sehr angespannt“, sagt Roland Hoh sogar. Die Schulden verdoppeln sich, wobei die Verschuldung Ende des Jahres trotzdem noch unter dem Landesdurchschnitt liegt, wie bei der Haushaltsverabschiedung betont wurde. Rücklagen sind nicht vorhanden.

Allerdings hat Biebelried in der jüngsten Vergangenheit auch einiges investiert. Das Feuerwehrhaus Biebelried hat 750 000 Euro gekostet – und damit deutlich mehr als ursprünglich gedacht. Der Boden machte Probleme, eine zusätzliche Gründung wurde nötig. Erweitert wurde der Kindergarten in Westheim – dafür fallen 550 000 Euro an. Damit wird nach derzeitigem Stand die Kostenschätzung wohl eingehalten. Auch in den Straßenbau wird viel investiert: Die Kellerbergstraße wird erneuert, Gehweg, Wasser, Kanal, Straßenbeleuchtung müssen bezahlt werden.

Die Kellerbergstraße wird nicht die einzige Straße bleiben, deren Aussehen sich verändert. Die Zeiten, in denen ein Auto nach dem anderen durch Biebelried fuhr, sind längst vorbei. Und damit ist der Weg für eine Neugestaltung der Straßen frei. So ist die alte B8 im Dorferneuerungsprogramm aufgenommen. „Aber das gestaltet sich sehr schwierig“, sagt der Bürgermeister. Der Gemeinderat steht nicht geschlossen hinter einer Neugestaltung. „Das Gremium ist halb und halb. Und die Anlieger wollen nicht.“

Von der Dorferneuerung profitiert Biebelried auch im Umfeld des Feuerwehrhauses. Die Zufahrt zum Gebäude wurde gefördert, neben dem Anwesen soll ein Mehrgenerationenplatz entstehen. Derzeit läuft die Umgestaltung des Kirchenumfeldes mit dem ehemaligen Friedhof. Die Mauer an der Straße wird zurückgesetzt, der Bürgersteig verbreitert. In diesem Zug wird derzeit auch eine Rampe gebaut, die einen Zugang sowohl zur Kirche als auch zum Rathaus ermöglicht.

Die Einwohnerzahl in Biebelried und den Ortsteilen war bis 2013 erfreulich positiv, was auch dem Baugebiet in Biebelried geschuldet war. „Seit 2013 stagniert die Zahl“, sagt Bürgermeister Hoh. Ein Blick in die öffentlichen Statistiken offenbart sogar einen Rückgang. Es mangelt momentan an Bauplätzen. In Westheim gibt es kein Baugebiet, für Kaltensondheim soll ein kleines ausgewiesen werden, in Biebelried wurden „auf die Schnelle“ vier Bauplätze für örtliche Bauwerber geschaffen. Roland Hoh bezeichnet es als „größtes Bestreben“, die jungen Leute in den drei Ortsteilen zu halten. Gäbe es 30 bis 40 Bauplätze in Biebelried, da ist der Bürgermeister sicher, könnten die zügig verkauft werden. „Wir arbeiten daran“, sagt er über ein weiteres Baugebiet in diesem Ortsteil.

Wer in Biebelried und den Ortsteilen wohnt, ist es gewohnt, aufs Auto zurückgreifen zu müssen. Die Nahversorgung ist alles andere als rosig: Nur in Biebelried selbst gibt es einen Hofladen, in Westheim und Kaltensondheim halten so genannte „Klingelbäcker“. Die ÖPNV-Verbindungen haben sich verändert: Kaltensondheim und Westheim würden jetzt öfter angefahren. „Aber der Bus wird noch wenig angenommen“, bedauert Roland Hoh. In Biebelried dagegen, wo einst viele Busse hielten, wurden Verbindungen gestrichen – „nur die rentablen Fahrten sind geblieben“.

„Es ist unser größtes Bestreben, die jungen Leute in den Ortsteilen zu halten.“
Roland Hoh, Bürgermeister

Ein Fragezeichen steht derzeit hinter der künftigen Nutzung der 53 Hektar Konversionsfläche bei Kaltensondheim. Besitzer ist die Bima, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Ein Energiepark sollte dort entstehen, mit Windrädern und Photovoltaikanlagen. Bei der Mehrheit im Gemeinderat trafen die Pläne des Investors aber nicht auf volle Unterstützung: Die Zahl der Windräder wurde begrenzt, ihre Höhe beschränkt. Von den 53 Hektar sollen außerdem nur 20 Hektar für den Energiepark genutzt werden dürfen. Bürgermeister Roland Hoh glaubt, dass das Projekt damit gestorben sein dürfte: „Das ist wohl nicht tragbar für den Investor.“

Biebelried

Biebelried gehört zur Verwaltungsgemeinschaft Kitzingen und hat 1241 Einwohner (Stand Juni 2014), die in Biebelried und in den Ortsteilen Kaltensondheim und Westheim wohnen. Der örtliche Kindergarten befindet sich in Westheim, zur Nahversorgung gibt es in Biebelried einen Hofladen. Biebelried liegt an der B8, in direkter Nähe des Ortes kreuzen sich die Autobahnen A3 und A7. Bürgermeister Roland Hoh ist seit 2014 im Amt.