Ob Kirchweih, Fußballturnier oder aktuell der Martinszug: Veranstaltungen mit vielen Menschen konnten und können Corona-bedingt nicht stattfinden. Zum Glück haben viele Kindergarten-Teams dennoch einen Weg gefunden, die Welt zu Sankt Martin ein bisschen heller zu machen.

Sie laden alle Menschen unter anderem zu einer besonderen „Lichterkette“ ein, um die Kinder über den entfallenden Martinszug hinwegzutrösten.

„Klar ist es schade, dass es heuer keinen großen Umzug gibt. Aber wir haben gemeinsam versucht, trotzdem etwas Gutes und Schönes an der Sache zu sehen. Wir haben uns auf das konzentriert, worum es an Sankt Martin eigentlich geht: das miteinander Teilen und einander Helfen“, sagt Heike Jutzi vom evangelischen Stiftungskindergarten Stadtkirche in der Schreibersgasse Kitzingen.

Das Licht trotzdem teilen

„Wir haben überlegt, wie wir das Licht trotzdem teilen können, auch wenn der Umzug nicht stattfinden kann“, erklärt Heike Jutzi. Vergangenes Jahr hatten die Kinder den Senioren im Haus Mainblick einen Besuch abgestattet und ihnen Martinslieder vorgesungen. „Heuer hat nun jede Gruppe nicht nur für sich selbst Martinslaternen gebastelt, sondern auch ein Tischlaternchen für die Mainblick-Bewohner.“ Die Lichter werden zu Sankt Martin – und sicher auch darüber hinaus – die Tische in den Räumen der Senioren erhellen. Die Mädchen und Buben haben mit dem Erzieher-Team zudem eine Bildergeschichte zum heiligen Martin gestaltet.

Die fantasievollen Gemälde nebst kurzem Text hängen mittlerweile am Geländer der Alten Mainbrücke. Viele Passanten bleiben stehen und staunen darüber, was die Kinder zu Papier gebracht haben.

Die Laterne „Lumina“, die das Licht teilt, war in den letzten Wochen Thema im evangelischen Kindergarten St. Michael in Etwashausen. Außerdem haben die Mädchen und Buben die Geschichte von St. Martin gespielt, Martinsgänse gebastelt und jedes Kind durfte seine Kindergartenlaterne neu mit Motiven zum Thema St. Martin verzieren. Leiterin Ute Weiß hatte ursprünglich überlegt, am Martinsabend nur mit den Kindern und ihren Laternen durch die Straßen zu laufen, entschied sich dann aber dagegen – „auch schon beim Bringen und Abholen der Kinder wäre es schwierig, die Abstände einzuhalten“. Stattdessen gibt es in St. Michael am Martinsmorgen je eine kleine Feier in den Gruppen, danach unternimmt jede Gruppe für sich einen Laternenumzug. Zurück im Kindergarten dürfen sich die Mädchen und Buben eine gebackene Martinsgans schmecken lassen.

„Martinszug light“

Eine Art „Martinszug light“ gibt es auch im katholischen Kindergarten St. Johannes Kitzingen. Dessen Leiter Michael Radtke kündigt an: „Wir ziehen am 11. November mit den Kindern in Gruppen los – und zwar schon vormittags, jede Gruppe in eine andere Richtung.“ Nach den Mini-Umzügen bekommen die fleißigen Sänger im Kindergarten ein leckeres Stück Gewürzkuchen. Außerdem gibt es für jede Familie für den Abend eine „St. Martins-Tüte-to-Go“. Darin finden sich neben einer gebackenen Martinsgans auch eine Geschichte übers Teilen, ein Fingerspiel, eine Kerze und ein Ausmalbild. „Damit kann man den Abend daheim schön gestalten“, sagt Michael Radtke. „Wir haben aber von vielen Familien auch schon gehört, dass sie abends mit der Laterne durch die Straßen ziehen wollen. Deshalb finden wir die Idee, die Fenster aller Häuser zu beleuchten, sehr schön.“

Viele kleine Freuden

Diese Idee verbreitet sich in diesen Tagen in fast allen Orten des Landkreises. In Castell beispielsweise hat der Elternbeirat einen Flyer an alle Haushalte verteilt und bittet die Bewohner, eine Laterne, eine Lichterkette, ein Teelicht oder eine Lampe in die Fenster der Häuser zu stellen. In dem Schreiben heißt es: „Anschließend laden wir Sie ein, mit Ihrer Familie durchs Dorf zu spazieren, die schönen Fenster und Vorgärten anzuschauen und dies als einen Lichtblick in dieser oft sehr beunruhigenden Zeit auf sich wirken zu lassen.“

Apropos Lichtblick: Da Kitzingen aktuell das Schwerpunktdekanat der Friedensdekade ist, haben viele Kindergarten-Teams sich tolle Aktionen ausgedacht, mit denen sie Passanten erfreuen. Die Kinder haben zum Beispiel Laken und Transparente bedruckt und mit Handabdrücken bunte Regenbögen entstehen lassen – als Zeichen der Hoffnung, das weithin sichtbar aufgehängt wurde. Ein Spaziergang mit besonders wachen Augen lohnt in diesen Tagen also nicht nur wegen St. Martin. Ute Weiß sagt: „Das Thema Frieden und wie wir miteinander umgehen, beschäftigt derzeit viele Kindergärten. Es passt nicht nur sehr gut zum Martinstag, sondern ist wichtig für unsere ganze Zukunft.“