Endlich geht er wieder los, der Vereinssport. Beim Kraftsportverein (KSV) Kitzingen haben sie sieben Monate auf diesen Moment hingefiebert. „Jetzt ist die Euphorie groß“, sagt Vorsitzender Hans Poschet. „Gerade bei unseren älteren Mitgliedern.“

Kein Krafttraining, keine Koordinationsübungen, keine Fitnesseinheiten: Ein Muskelschwund wird bei allen rund 370 Mitgliedern zu beobachten sein. Davon geht zumindest Harald Sauf aus. Der stellvertretende Vorsitzende weiß von etlichen Mitgliedern, die Hanteln und andere tragbare Trainingsmaterialien mit nach Hause genommen haben, um nicht ganz aus dem Tritt zu kommen. „Aber natürlich fehlen die Anweisungen und Korrekturen eines Trainers“, betont er.

Mehr als ein Trainingsort

Gerade beim Gewichtheben ist der technische Ablauf alles andere als einfach. „Jetzt geht es wieder von vorne los“, sagt er. Seine Vermutung: So lange der Lockdown angehalten hat, so lange wird es auch dauern, bis die Wettkampfsportler wieder bei 100 Prozent sind. „Bei 80 Prozent bist du schnell“, prophezeit er. „Aber die restlichen Meter, das wird schwer.“

Der sportliche Aspekt ist das Eine, der gesellschaftliche das Andere. Rund 30 Mitglieder sind in der Altersgruppe 50+ aktiv. Vor allem für sie war die altehrwürdige Halle in der Glauberstraße mehr als ein Trainingsort. Sie war ein Treffpunkt, um sich auszutauschen, ins Gespräch zu kommen. Hans Poschet hat per Whatsapp versucht, gerade zu diesen Mitgliedern möglichst viel Kontakt zu halten, an den Geburtstagen hat er die Jubilare unter den vorgeschriebenen Vorsichtsmaßnahmen besucht. „Manche leben alleine, andere pflegen ihren kranken Partner“, berichtet er. „Die waren alle echt traurig, dass es kein Training gegeben hat.“ Wie es um die Beweglichkeit und Mobilität in dieser Altersgruppe steht, wird sich in den kommenden Tagen zeigen. „Unser Training beugt bei den älteren Mitgliedern ja auch Stürzen vor“, erinnert Poschet.

Die Zeit des Lockdowns haben die KSV-Mitglieder für Sanierungsarbeiten genutzt. Im Jahr 1968 ist das Heim in der Glauberstraße überwiegend in Eigenregie gebaut worden. Eigentlich sollte längst der Umzug anstehen. Hans Poschet und seine Vorstandsmitglieder freuen sich auf den Moment, in dem sie einen Raum in der dann sanierten Sickergrundhalle nutzen können. „Hätte eigentlich schon so weit sein sollen“, erinnert der Vorsitzende. Aber die Generalsanierung hat sich noch einmal um zwei bis drei Jahre verschoben. „Also haben wir unsere Umkleiden und Duschen doch noch mal saniert“, sagt er.

Mitgliederschwund

Seit Montag dieser Woche ist die Halle wieder geöffnet, seither dürfen die Mitglieder trainieren. Mit Sicherheitsabstand, ohne vorherige Testung und ohne Maske. Bereits um 17 Uhr, pünktlich zur Wiedereröffnung, waren die ersten da, um Gewichte und Hanteln zu stemmen. So erfreulich dieser Anblick auch war: Alle Mitglieder werden nicht mehr kommen. Von einem Schwund in Höhe von 17 Prozent berichtet Harald Sauf. Von 440 Mitgliedern Anfang 2020 sank die Zahl auf aktuell rund 370. „Eine gewisse Fluktuation ist normal“, sagt er. Aber in dieser Dimension sei das schon eindeutig auf Corona und den langen Lockdown zurückzuführen. „Jetzt hoffen wir, dass die Leute so ausgehungert sind, dass sie wieder zu den Fitnesseinheiten kommen“, sagt Hans Poschet.

Boxer starten eine Woche früher

Bei den Boxern war dieser Effekt bereits zu beobachten. Eine Woche früher konnte diese Abteilung das Training in der Florian-Geyer-Halle aufnehmen. 13 Leute dürfen gleichzeitig in den Trainingsraum. „Er war dreimal voll“, berichtet Abteilungsleiter Oliver Barth. „Die Nachfrage ist offensichtlich da.“ Nicht nur bei den bisherigen Aktiven. Vier neue Interessenten waren auch schon zum Probetraining da. In dieser Woche startet das Trainingsprogramm für die Kinder.

Oliver Barth ist die Freude über den Neustart am Gesicht abzulesen. Auch wenn er nach sieben Monaten Pause seine eigenen Probleme hatte. „Nach dem ersten Training war ich tot“, sagt er und muss lachen.

Training und Kontakt

Die Trainingszeiten für Gewichtheber und Fitnesssportler in der Trainingshalle Glauberstrasse 9: Montag: 17 bis 20 Uhr; Dienstag: 18 bis 21 Uhr; Mittwoch: 18 bis 20 Uhr; Donnerstag: 18 bis 21 Uhr; Freitag: 17 bis 20 Uhr.

Fitnessgruppe 50+: Mittwoch, Gruppe 1: 9 Uhr und Gruppe 2: 10 Uhr.

Die Trainingszeiten für aktive Boxer und Fitnessboxen in der Florian Geyer Halle: Montag bis Donnerstag: 18.30 bis 20 Uhr; Mittwoch: 20 bis 21 Uhr und Freitag, 17.30 bis 19 Uhr: Frauen-und Fitnessboxen:Frauen. Kindertraining am Montag, von 16.30 bis 17.30 Uhr.

Weitere Informationen und Ansprechpartner unter www.ksv-kitzingen.de