Der Name ist Programm: Der Riesenbärenklau wird mehrere Meter groß und beeindruckt mit mächtigen Blüten. Die Pflanze fühlt sich unter anderem an Flussufern wohl und breitet sich dort sehr gerne aus. Eine Berührung ist gefährlich, weil dann die Haut ihren natürlichen UV-Schutz verliert. Im Interview verrät der Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes im Landratsamt Kitzingen, Markus Schmitt, worauf man deshalb beim Spaziergang in der Natur achten sollte.

Frage: Hat sich der Riesenbärenklau auch bei uns in der Gegend in den letzten Jahren stark verbreitet?

Markus Schmitt: Nein, eine starke Ausbreitungstendenz besteht im Landkreis Kitzingen derzeit nicht. Der Unteren Naturschutzbehörde sind die meisten Standorte bekannt. Diese werden kontrolliert und bei Bedarf werden Maßnahmen ergriffen, um die Ausbreitung zu verhindern.

Riesenbärenklau wächst in Feuerbach, am Main oder in Segnitz

Wo zum Beispiel ist er hier im Landkreis anzutreffen? Und wie ist er zu erkennen?

Markus Schmitt: Bekannte Vorkommen befinden sich in Feuerbach, am Main und auch in Segnitz. Die Pflanze ist am besten im blühenden Zustand an ihren sehr großen Blütenständen mit vielen kleinen weißen Blüten zu erkennen. Die Blütenstände erreichen einen Durchmesser von bis zu 50 Zentimetern.

Gibt es Pflanzen, die man damit verwechseln könnte?

Markus Schmitt: Verwechselt werden kann die Pflanze mit ihrem kleineren Verwandten, dem Wiesenbärenklau, der in vielen Wiesen vorkommt, und mit der Engelwurz, die meist am Mainufer wächst und ähnlich große Ausmaße erreichen kann.

Was macht die Pflanze für Mensch und Tier so gefährlich?

Markus Schmitt: Für Tiere ist die Pflanze nicht gefährlich, da die Gefahr von einer phototoxischen Reaktion auf der Haut ausgeht. Das heißt, dass der Saft der Pflanze auf der Haut in Verbindung mit Sonnenlicht zu Verbrennungen führen kann. Diese Verbrennungen können je nach Menge des Saftes und der Dauer der Einwirkung des Sonnenlichtes auch sehr schwer ausfallen.

Was tun, bei Verbrennungen mit Riesenbärenklau?

Was sollte man tun, wenn man doch einmal mit dem Riesenbärenklau in Berührung kommt?

Markus Schmitt: Grundsätzlich gilt es, solche Begegnungen durch das Tragen geeigneter Kleidung schon einmal möglichst zu vermeiden. Wenn man doch einmal im hohen Gras unterwegs ist, empfehle ich nicht nur wegen einer eventuellen Begegnung mit dem Riesenbärenklau, sondern auch wegen der Zeckengefahr immer lange Kleidung. Sollte man doch mit der Pflanze in Berührung kommen, sollte man die Hautstelle gründlich mit Wasser abwaschen und mit Kleidung, Tüchern oder einem Verband abdecken, um die Reaktion mit dem Sonnenlicht zu verhindern.

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Hatten Sie selbst schon mal eine unschöne Begegnung mit giftigen Pflanzen?

Markus Schmitt: Nein, außer einer Hautrötung, weil ich einmal an einem heißen Sommertag mit einem Diptam in Berührung gekommen bin. Wenn man öfter in der Natur unterwegs ist, empfiehlt es sich, zumindest grob zu wissen, welches Kraut man meiden sollte. Es gibt ja auch Pflanzen, mit denen man sich auch in geringer Dosis eine Vergiftung einhandeln kann, wenn man sie verschluckt. Der Klassiker ist da die Verwechslung von Bärlauch mit Maiglöckchen oder Herbstzeitlose.

Gibt es eine Möglichkeit, den Wuchs des Bärenklaus einzudämmen?

Markus Schmitt: Hat sich der Riesenbärenklau erst einmal angesiedelt, ist es nicht ganz einfach, ihn wieder loszuwerden. Erst einmal muss verhindert werden, dass sich die Pflanze weiter vermehrt. Deswegen wird als erste Maßnahme die Blüte vor der Samenreife abgeschnitten und im Restmüll entsorgt. Die Blüte darf nicht vor Ort belassen werden, da die bereits angesetzten Samen nachreifen können und somit keimfähig bleiben. Bei größeren Beständen ist auch an eine flächige Bekämpfung mit dem Mulchgerät kurz vor der Blüte denkbar. Die Pflanze kann sich dann nicht mehr vermehren und stirbt nach einigen Jahren ab. Da ist aber Geduld und ein langer Atem notwendig. Im Landkreis Kitzingen werden alle bekannten Standorte jährlich kontrolliert – und bei Bedarf die Blüten, mit persönlicher Schutzkleidung, abgeschnitten.

Riesenbärenklau kann starke Hautreaktionen verursachen

Gibt es andere Pflanzen, die erst in den letzten Jahren Überhand genommen haben?

Markus Schmitt: Durch die Veränderungen beim Klima und einer veränderten Bewirtschaftung von Wiesen und Grünlandflächen ändert sich auch immer die Zusammensetzung der Pflanzen. Problempflanzen, die in den letzten Jahren zugenommen haben, sind zum Beispiel das Orientalische Zackenschötchen, der Japanische Knöterich, das Jakobskreuzkraut und das Indische Springkraut. Wobei hierbei nur das Jakobskreuzkraut eine Giftpflanze ist, die für Tier und Mensch gefährlich ist. Die beiden anderen Pflanzen verdrängen durch ihren starken Wuchs in manchen Bereichen die standortheimischen Grünlandgesellschaften und tragen so zu einer Verarmung der Landschaft bei.

Gibt es auch Pflanzen, die man in unserer Gegend immer seltener sieht?

Markus Schmitt: Immer seltener zu sehen sind bei uns hauptsächlich Pflanzen, die auf ganz bestimmte Standorte spezialisiert sind, wie Feuchtwiesen, Magerrasen oder Pionierstandorte.

Riesen-Bärenklau verbreitet sich massiv: Gift-Pflanze ist auch für den Menschen gefährlich

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