Ein bisschen frustriert ist Max schon. „Jetzt darf ich immer noch nicht mit Leo zusammen spielen“, jammert er und verdreht die Augen. Max ist Vorschüler. Und Notbetreuungskind. Jüngere Geschwister hat er nicht. Darum ist er, zumindest im Kindergarten, von seinem Kumpel Leo getrennt. Der steht zwar auch kurz vor dem Wechsel in die Schule, hat aber seinen jüngeren Bruder im Schlepptau und spielt deswegen in einer anderen Kleingruppe als Max. Ja, es ist kompliziert. Aber nicht nur für die Kinder, sondern vor allem auch für die Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen, die längst nicht nur den Frust ihrer kleinen Schützlinge abbekommen.

Das weiß auch Bernhard Hornig. Der Fachberater für Kindertageseinrichtungen am Landratsamt in Kitzingen hat in den ersten Wochen des Betretungsverbots aufgrund der Corona-Pandemie bis zu 1200 telefonische Anfragen aus den Kitas beantwortet. Inzwischen hat sich auch bei den leitenden Personen eine gewisse Routine entwickelt im Umgang mit den Verlautbarungen der Bayerischen Landesregierung. Denn die sind, bei aller Gestaltungsfreiheit in den einzelnen Einrichtungen, immer maßgeblich. „Alle sind am Rotieren, die Vorgaben, angepasst an die eigenen Voraussetzungen, einzuhalten und bestmöglich zu gestalten.“ Seine Behörde wurde von der obersten, lokalen Aufsichtsinstanz auch immer wieder zum Kummerkasten. Hornig musste auf- und ermuntern, manchmal ermahnen. „Viele Leitungen hatten große Angst, etwas falsch zu machen“, weiß Hornig. „Und trotzdem haben alle ihr Bestes gegeben.“

Viel Zeit zum Überlegen blieb den Mitarbeitern im BRK-Kinderhaus in den Marshall Heights dabei nicht. Schon seit Mitte März hatte die Einrichtung die Betreuung für viele Kinder systemrelevanter Eltern übernommen und dafür auch erweiterte Öffnungszeiten angeboten. Inzwischen ist das Kinderhaus wieder zu zwei Dritteln voll und liegt damit deutlich über dem Landkreis-Schnitt von gut 35 Prozent. Felix Wallström, Geschäftsführer des Kitzinger Kreisverbandes im Bayerischen Roten Kreuz, freut sich zusammen mit seinem Team auf den angepassten Normalbetrieb – auch wenn davon zumindest in konzeptioneller Hinsicht zunächst keine Rede sein wird. Denn das offene System, wie es im BRK-Kinderhaus praktiziert wurde, sieht durchlässige Gruppen vor und Kinder, die sich im Haus frei bewegen können – undenkbar in Zeiten von Infektionsketten und Versammlungsverboten.

So oder so, Langeweile hatten die Mitarbeiterinnen der Kitas in den letzten Wochen nicht, auch wenn es auf den ersten Blick so aussehen mag. „Wo keine Kinder, da keine Arbeit“ ist aber ein Trugschluss, dem scheinbar auch viele Eltern aufsitzen. „Am Anfang wurden in vielen Einrichtungen freie Tage abgebaut oder Urlaub genommen“, weiß Bernhard Hornig. „Aber es gab auch so genug zu tun.“ Auch in den Einrichtungen, die wenig frequentiert waren. Konzeptionen wurden überarbeitet, Hygienemaßnahmen ergriffen, Konzepte für die verschiedenen Rückkehr-Szenarien entwickelt. Zudem versuchten die Kitas, in Kontakt mit ihren Kindern zu bleiben – ohne Kontakt zu haben: Mit Spielangeboten per Mail, Bastelarbeiten zu besonderen Festtagen oder Mitmachaktionen, die dafür sorgten, dass der Kindergarten nicht völlig in Vergessenheit geriet.

Kurzarbeit war deshalb in den wenigsten Einrichtungen ein Thema. Im Landkreis Kitzingen wurde nur in sehr wenigen Einzelfällen Kurzarbeit beantragt, genaue Zahlen gibt es dazu laut Wolfgang Albert, Pressesprecher der Agentur für Arbeit in Würzburg, nicht. Insgesamt wurden auf dem Gebiet „Erziehung und Unterricht“ in den Landkreisen Würzburg, Main-Spessart und Kitzingen für 626 Personen Anträge auf Kurzarbeit eingereicht. „Eine verschwindend geringe Zahl“, erklärt Albert. Aus gutem Grund. „Die Mitarbeiter hatten durch die Schließung der Kitas und dem damit verbundenen Arbeitsausfall zunächst keinen Verdienstausfall zu befürchten.“ Die Zuschüsse von Bund, Staat und Kommunen an die Träger liefen weiter. Und nach einer kurzen Phase der Irritation zu Beginn des Lockdowns auch die Arbeit.

Und trotzdem – oder deswegen – stehen in vielen Einrichtungen Überlegungen zur Verkürzung der Sommer-Schließzeiten im Raum. Auf der einen Seite haben viele Eltern ihren Urlaub verbraucht, weil sie ihre Kinder selbst betreuen mussten und noch müssen. Andererseits hat das Kita-Personal ein Recht auf seinen Urlaub. Und hat ihn zum größten Teil auch dringend nötig. „Wir werden kein Verbot von Sommer-Schließtagen erlassen“, sagt Bernhard Hornig. „Aber wir empfehlen, den Bedarf abzufragen und das zu ermöglichen, was irgendwie möglich ist.“ Ein Patentrezept kann er in dieser Frage nicht erteilen.

Denn auch in diesem Zusammenhang ist die Situation in jeder einzelnen Einrichtung anders. Die eine Kita betreut schon seit Wochen wieder sehr viele Kinder, weil sie in einer landwirtschaftlich geprägten Ortschaft mit hohem Betreuungsbedarf steht. An anderer Stelle gibt es zwar ein großes Unternehmen mit vielen Mitarbeitern, die aber aufgrund optimierter Home-Office-Bedingungen ihre Kinder überwiegend zu Hause betreuen konnten. Die Voraussetzungen sind verschieden. Und so werden auch die Maßnahmen, die auf dem Weg zum „reduzierten Regelbetrieb“ ergriffen werden, ganz unterschiedlich aussehen.

Den erwartet Bernhard Hornig ab 1. Juli. Bis dahin werden auch die Vorschüler des Kindergartenjahres 2020/21 mit ihren Geschwisterkindern zurück in den Einrichtungen sein, danach stehen für alle Kindergarten- und Krippenkinder die Türen wieder offen. Nicht nur der Kita-Verantwortliche am Landratsamt ist gespannt, wie die Einrichtungen diese immer wieder neuen Herausforderungen lösen, zumal er sicher ist, dass die Pandemie gerade im Bereich der Kleinkindbetreuung über Jahre hinweg Spuren hinterlassen wird.

Ob Max und Leo den Tag, an dem sie im Kindergarten wieder miteinander buddeln, baggern und bolzen können, vor ihrer Einschulung im September noch erleben? Die Antwort ist nicht klar, sie könnte aber frustrierend sein.

Ausweitung der Notbetreuung ab 15. Juni

Vorschüler 20/21 Nach den Vorschülern dürfen auch die Kinder, die zum Schuljahr 2021/2022 schulpflichtig werden, betreut werden.

Krippenkinder Die Kinder, die eine Krippe besuchen und vor dem Übertritt in den Kindergarten stehen, dürfen ihre Einrichtung ebenfalls wieder besuchen. Dazu gehören alle Zweijährigen sowie Dreijährige, die nach dem gleichen Betreuungsschlüssel beaufsichtigt werden müssen.

Geschwister Kinder, die mit den eben genannten Kindern in einem Haushalt leben, dürfen – unabhängig vom Verwandtschaftsverhältnis – ebenfalls wieder in die Einrichtung kommen. Die „Geschwisterkinder“ sollten in der gleichen Gruppe betreut werden.

Grundlagen Sofern es das Infektionsgeschehen zulässt, sollen ab 1. Juli alle Kinder wieder regulär in ihrer Kindertageseinrichtung betreut werden können. Voraussetzung dafür ist, dass sie keine Krankheitsanzeichen aufweisen, nicht in Kontakt mit einer infizierten Person stehen oder seit dem Kontakt mit einer infizierten Person 14 Tage vergangen sind und das Kind keiner sonstigen Quarantänemaßnahme unterliegt. Um das Infektionsrisiko möglichst gering zu halten, sollen feste Gruppen mit festen, pädagogischen Kräften gebildet werden. Das schließt aber nicht aus, dass aus pädagogischen (Zusammenfassung der Vorschulkinder) oder organisatorischen Gründen (Ausweitung der Notbetreuung oder Rückgang in den Ferien) eine Neueinteilung erfolgt. Die Gruppengröße spielt dabei keine vordergründige Rolle.