Jedes Jahr das gleiche Spiel: Fällt der erste Schnee, haben die Mitarbeiter der Räumungsdienste und die Polizeibeamten jede Menge zu tun. In der Nacht zum Dienstag war das nicht anders. Bis zum späten Vormittag sorgten die winterlichen Straßenverhältnisse für Unfälle.

Bis zu zehn Zentimeter Schnee sind im Steigerwald gefallen, in der Großen Kreisstadt Kitzingen waren es deutlich weniger. Um 3 Uhr bestellte Bauhofleiter Georg Günther seine Mitarbeiter ein. Dann ging es mit vier großen Räumfahrzeugen und fünf kleinen Bulldogs los. Sternförmig schwärmten die Räumfahrzeuge aus. Das erste Ziel: der Krankenhausberg. „Der muss 24 Stunden am Tag geräumt sein“, erklärt Günther.

„Wenn die einmal den Schwung verloren haben, kommen sie auch mit Winterreifen nicht weiter.“
Gerhard Pfaff, Kitzinger Polizei, über Lkw auf glatten Straßen

Mit dem Ergebnis der Arbeit ist er zufrieden. Normalerweise stehen die Telefone an diesen Vormittagen nicht still, weil sich Anlieger immer wieder über vermeintlich unzureichend geräumte Straßen beschweren. „An diesem Dienstag waren es nur zwei Anrufe“, freut sich Günther, der den Hut vor seinen Mitarbeitern zieht. Nach den milden Wintern der letzten Jahre sei es nur logisch, dass keine Routine vorhanden ist. Dabei sei es kein Kinderspiel, mit den breiten Schneepflügen auch durch enge Straßen zu kommen, in denen auf beiden Seiten geparkt wird. „Da ist großes Geschick gefragt“, sagt Günther. Geschick, das bei diesen Straßenverhältnissen auch von den Autofahrern unter Beweis gestellt werden muss. „Der Anhalteweg verlängert sich auf schneebedeckter Straße um das Dreifache“, erinnert Gerhard Pfaff von der Kitzinger Polizei. „Auf Glatteis sogar um das Siebenfache.“ Bei derartigen Straßenverhältnissen helfe es nur, seine Geschwindigkeit entsprechend anzupassen. Als Faustformel gibt Pfaff allen Autofahrern mit auf den Weg: auf schneebedeckter Fahrbahn die Geschwindigkeit um 50 Prozent reduzieren – und auf Glatteis um 70 Prozent. Auf diese Weise lasse sich der verlängerte Bremsweg wieder ausgleichen. „Voraussetzung ist natürlich, dass Winterreifen montiert sind“, so Pfaff.

Die können allerdings auch nicht immer weiterhelfen. Die Mitarbeiter des Kitzinger Bauhofes berichten von mehreren Lkw, die am Steigweg standen und nicht weiterkamen. „Wenn die einmal den Schwung verloren, kommen sie auch mit Winterreifen nicht weiter“, so Pfaff, der von seinen Kollegen neun Unfälle gemeldet bekam, die auf die winterlichen Straßenverhältnisse zurückzuführen sind. Insgesamt vier Leichtverletzte waren zu beklagen. Der kostspieligste Unfall im Landkreis Kitzingen ereignete sich auf der B8 zwischen Iphofen und Mainbernheim. Ein 50-jähriger Kraftfahrer verlor die Kontrolle über seinen Lkw und kam von der Fahrbahn ab. Die Zugmaschine rutschte in den Straßengraben und der An-hänger blieb quer auf der Fahrbahn stehen. Der Fahrer erlitt leichte Verletzungen. Der Lkw war mit etwa zehn Tonnen Waren beladen und wurde von einem Abschleppdienst geborgen. Der entstandene Schaden beträgt etwa 15.000 Euro. Die Kombination aus Schneeglätte und nicht angepasster Geschwindigkeit sorgte auch auf den Autobahnen für Unfälle. Thomas Röhr von der Verkehrspolizeiinspektion Würzburg-Biebelried berichtet von vier Verkehrsunfällen, die für die Beteiligten allesamt glimpflich ausgingen. „Es kommt halt immer darauf an, wo sich der Unfall ereignet“, sagt Röhr. In dieser Nacht hätten die Verkehrsteilnehmer Glück im Unglück gehabt.

„Für die Menge an Schnee lief der Einsatz einigermaßen entspannt ab.“
Andreas Schneider, Bauhofleiter Landkreis

Das gilt beispielsweise für den 57-jährigen Fahrer eines rumänischen Sattelzuges, der auf der A7 in Richtung Ulm unterwegs war und am Autobahnkreuz Biebelried auf die A3 in Richtung Frankfurt wechseln wollte. Der Mann schätzte seine Geschwindigkeit und die Schlüpfrigkeit des Untergrunds offensichtlich falsch ein, geriet mit seinem Gespann ins Schleudern. Der Sattelzug knickte ein und rutschte mit seiner Zugmaschine an der rechten Außenschutzplanke entlang. Der Fahrer blieb unverletzt, der Sachschaden liegt im hohen fünfstelligen Bereich.

Mit dem Schrecken kam auch ein 28-Jähriger davon, der bei Schneematsch und Nässe kurz nach dem Autobahnkreuz Biebelried ins Schleudern geriet. Der Audi-Fahrer prallte zunächst gegen die Betonleitwand links und rutschte dann über die gesamte Fahrbahn nach rechts. Nach einem Anstoß an der Außenschutzplanke wurde der Pkw wieder zurückgeschleudert und kam dann auf dem rechten Fahrstreifen zum Stehen. Der Schaden liegt im unteren fünfstelligen Bereich.

In den nächsten Tagen bleiben die Mitarbeiter der Bauhöfe in Alarmbereitschaft. Acht Fahrzeuge hatte das Staatliche Bauamt bestückt und bereits präventiv zu den Bundesstraßen geschickt. Der Landkreisbauhof war mit seinen sieben Fahrzeugen ab 2.20 Uhr im Einsatz. Wichtige Verbindungsstraßen wie Volkach-Marktbreit oder Kitzingen-Großlangheim wurden zuerst geräumt, dann die Nebenstraßen. „Für die Menge an Schnee lief der Einsatz einigermaßen entspannt ab“, berichtet Bauhofleiter Andreas Schneider. Gegen 10.30 Uhr waren die letzten Kollegen wieder auf dem Hof. In den nächsten Tagen und Nächten rechnet Schneider mit weiteren Einsätzen und warnt alle Autofahrer: „Jetzt sind die Straßen nass. Wenn es gefriert, wird es gefährlich.“