LANDKREIS KT Sie halten es mit Max Frisch. Der berühmte Autor und Architekt hat mal gesagt: „Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihm nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.“ Genau das ist das Ziel von Thalia Rose und ihrem mittlerweile 20-köpfigen Team aus jungen Leuten rund um Kitzingen. Sie wollen der Corona-Krise das Katastrophale nehmen und dafür sorgen, dass niemand sie allein und ohne Hilfe bewältigen muss.

Thalia Rose ist Studentin der Biologie. Nebenbei verdient sich die 22-jährige Kitzingerin ein bisschen Geld als Bedienung im Kitzinger Restaurant Woodland Inn. Nun hat das Corona-Virus dafür gesorgt, dass sowohl das Studium als auch der Nebenjob zwangsweise auf Eis liegen – und Thalia viel freie Zeit hat. „Mir ist aufgefallen, dass in unserer Straße einige alte Leute wohnen und ich habe mich gefragt, wie ich ihnen über die gefährliche Zeit helfen könnte – denn das Virus ist ja vor allem für ältere Menschen und solche mit Vorerkrankungen eine Gefahr“, berichtet die Studentin. Junge Leute mit gutem Immunsystem haben weniger zu befürchten – falls sie sich tatsächlich anstecken sollten, verläuft die Krankheit bei ihnen meist harmlos. „Deshalb habe ich mir überlegt, dass ich für ältere Menschen einkaufen gehen könnte oder Post- und Apothekengänge erledigen.“ Auch den Hund Gassi zu führen, wäre eine Option.

Thalia Rose besprach die Idee mit ihrer Schwester Raffaela und Freunden. „Eigentlich haben alle gleich gesagt, sie würden da auch mitmachen“, berichtet die 22-Jährige. Also gründete sie eine WhatsApp-Gruppe, in die sie alle aufnahm, die helfen möchten. Die Gruppe hat mittlerweile 20 Mitglieder – Studenten, Schüler, Auszubildende, Arbeitende. Sie wohnen in Kitzingen, seinen Ortsteilen und zahlreichen umliegenden Gemeinden, etwa in Rödelsee, Mainbernheim und Schwarzach. Ab sofort bieten sie allen, die sie brauchen, ihre Hilfe an. „Anruf genügt!“, sagt Thalia Rose. „Ich koordiniere dann, wer welchen Einsatz übernimmt.“

Angst haben die jungen Leute nicht – aber Respekt. „Die Situation gibt einem schon zu denken. Vor ein paar Tagen war man noch lockerer, jetzt aber denkt man genau darüber nach, was man tut, wohin man geht oder ob man doch lieber daheim bleibt“, meint Tobias Böhm. „Unsere größte Sorge ist es, dass wir theoretisch Überträger sein und andere Menschen anstecken könnten“, ergänzt Raffaela Rose. „Deswegen werden wir, zum Beispiel, wenn wir Einkäufe vor die Tür stellen, sehr auf Hygienemaßnahmen achten.“

Teresa Günther aus Hohenfeld ist sich sicher, dass die Initiative wirklich gebraucht wird. Sie selbst kennt ältere Menschen, die auf medizinische Hilfsmittel angewiesen sind und eigentlich kein Ansteckungsrisiko eingehen dürfen. „Sie sollten komplett daheim bleiben. Was aber, wenn sie einfach niemanden haben, der Besorgungen für sie übernimmt? Solchen Menschen nimmt eine Initiative wie unsere hoffentlich ein bisschen die Last.“

Luisa Blank und Linda Süßmeier wünschen sich das ebenso. Die beiden studieren „Soziale Arbeit“ nicht nur, sondern nehmen den Begriff wörtlich. „Es war keine Frage, dass wir bei der Initiative mitmachen. Solidarität finden wir sehr wichtig.“

Initiatorin Thalia Rose freut sich, dass sie innerhalb kürzester Zeit so viele Gleichgesinnte gefunden hat – neben all den jungen Leuten hat sich auch ein rüstiger 68-Jähriger gemeldet und mitgeteilt, dass sie ihn gerne für Einkaufsdienste einsetzen könne. Die 22-Jährige gibt die Devise aus: „Wir sollten alle ruhig bleiben und uns nicht von irgendeiner Panik anstecken lassen. Corona ist ja nicht per se ein Todesurteil, das wird oft vergessen.“ Dennoch sei das Virus für Erkrankte und Alleinstehende eine große Herausforderung: „Für sie alle wollen wir Ansprechpartner sein. Niemand soll allein durch diese schwere Zeit gehen müssen!“

Kontakt: Thalia Rose, Tel. 0157/ 74379146, rose.thalia@t-online.de