Gerade mal zwei rote Punkte. Einer nahe Bamberg, einer bei Lichtenfels. Mehr sind nicht zu finden in Nordbayern. Die Karte des Landesamtes für Umweltschutz zeigt, dass es nicht gut aussieht um den Bestand der Flussseeschwalbe. Und um das Brutvorkommen erst recht nicht. Doch wenn alles gut geht, wird bald ein dritter Punkt auftauchen, der den Baggersee Hörblach markiert. Dafür haben sich Schüler der Neigungsgruppe Holzwerkstatt am Egbert-Gymnasium mächtig ins Zeug gelegt.

Flussseeschwalbe? „Von einer Flussseeschwalbe hatte ich noch nie was gehört“, sagt Marie ganz offen und spricht damit eigentlich für alle neun Sechstklässler, die auf eher ungewöhnliche Art in Berührung mit diesem Vogel gekommen sind. Die Firma LZR hatte die Schule angesprochen, ob sie nicht bei einem Projekt mitmachen wolle, um den Lebensraum des seltenen Tieres zu verbessern – ein Brutfloß sollte gebaut werden. „Das wär doch was für unsere Holzwerkstattler“, dachte sich die Schulleitung – und die Schüler waren sofort hellauf begeistert, wie Leiterin Angelika Neckermann erzählt. Zunächst war die Überlegung, Holzhüttchen zu konstruieren, damit die Flussseeschwalben dort brüten können. Weil das Projekt recht kurzfristig über die Bühne gehen musste, war das aber zeitlich nicht machbar. Mit angepackt haben die Schüler trotzdem – und haben dabei nicht nur viel gelernt, sondern hatten auch viel Spaß.

LZR sieht sich als regionaler Versorger mit Sand und Kies in der Pflicht, sich auch für Nachhaltigkeit einzusetzen und tut das seit vielen Jahren auf verschiedene Weise. Zum einen bieten die Kiesgruben verschiedene Landschaftsstrukturen und damit Lebensraum für die seltene Tier- und Pflanzenarten. Zum anderen versucht das Unternehmen, Wissen über diese seltenen Arten und über Nachhaltigkeit zu vermitteln, durch den Naturlehrpfad in Hörblach beispielsweise oder durch das Grüne Klassenzimmer am Baggersee. Im Fall des Brutfloßes für die Flussseeschwalben wurden beide Bereiche kombiniert.

Dass sich Vögel an Kiesgruben sehr wohl fühlen, ist am Beispiel der Uferschwalben sehr gut zu beobachten. LZR hält gezielt Bereiche am Steilufer für sie frei, damit sie ihre Brutröhren in die Steilwände bohren können. Knapp 400 Brutröhren wurden vor zwei Jahren alleine in Hörblach gezählt, dazu kamen viele weitere an den anderen Abbaustellen.

Flussseeschwalben brauchen im Gegensatz dazu laut LBV offene, unbewachsene Strukturen wie beispielsweise Kiesinseln, auf denen sie ihre flache Nestmulde anlegen können, zudem müssen die Brutstätten möglichst ungestört bleiben.

Laut Elisabeth Ziegler, die bei LZR unter anderem für Führungen und das Grüne Klassenzimmer zuständig ist, seien bei den jährlichen Beobachtungen der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Unterfranken schon vereinzelt Flussseeschwalben gesichtet worden. Erkenntnisse über Bruten in Nordbayern gibt es allerdings nicht.

Die Idee, am Baggersee im Schwarzacher Ortsteil auch etwas für die Verbesserung des Bestands der Flussseeschwalben zu tun, hatte Elisabeth Ziegler schon länger. Zumal auch Prof. Dr. Hans-Joachim Leppelsack, der sich seit vielen Jahren beim Landesbund für Vogelschutz engagiert, bei einem Besuch an der Kiesgrube auf die Möglichkeit hingewiesen hatte, hier aktiv zu werden.

Das Unternehmen beschloss daher, auch den Lebensraum für diese seltene Art zu verbessern – und zwar mit einem Brutfoß, denn Neuansiedlungen entstehen laut LBV ausschließlich durch menschliche Hilfe. Ist die vorhanden und hält die Betreuung an, sei das Wachstumspotenzial beträchtlich.

Doch wie nun ein Brutfloß bauen? „Einen Plan gibt es nicht“, sagt Elisabeth Ziegler und lacht. Also hatte sie kurzerhand einen Mitarbeiter der Technik damit beauftragt, sich eine Konstruktion zu überlegen, mit leichtem Material, damit das Floß schwimmt, einem Schutz für die Küken und einer Verankerung, damit es sich nicht allzu viel auf dem Wasser bewegt. Gebaut wurde das Floß aus „Schaumi“, wie Ziegler sagt, einem rein mineralischen Schaumbeton oder Porenleichtbeton, der unter anderem für den Schwimmbadbau verwendet wird. Die beiden Schwimmkörper wurden im Unternehmen gegossen und dann an den See transportiert, dort mit Bohlen verbunden und mit Dielenbrettern belegt. Am Rand wurde eine Brüstung angebracht und darum ein Zaun gespannt, damit die Küken später nicht ins Wasser stürzen.

Dass die Schüler das Floß nicht alleine bauen konnten, tat deren Begeisterung keinen Abbruch. Und dass ihr Beitrag zum Naturschutz sehr schweißtreibend war, ebenfalls nicht. „Sie sind mit den schweren Kieseimern die Böschung rauf und runter gerannt, immer wieder, obwohl es sehr warm war“, erzählt Betreuerin Angelika Neckermann. „Man konnte sie kaum halten.“ Die Aufgabe der Schüler war es nämlich unter anderem, die Oberfläche des Floßes mit Kieselsteinen zu bedecken. Mit vollem Eifer waren sie dabei, die Steine in die Eimer zu schaufeln. Die Kieselsteine wurden gleichmäßig mit einem Rechen verteilt und anschließend Firstziegel als Unterschlupf für die Küken positioniert.

Ganz nebenbei haben die Kinder an diesem Tag von Elisabeth Ziegler nicht nur viel über die Flussseeschwalbe gelernt, sondern auch über andere Vögel, über Fische und insgesamt über den Naturschutz – und der etwas andere Unterricht kam sehr gut an. „Eine mega coole Aktion heute“, befand Frederick. „So könnte Schule immer sein“, schob Lilia nach. Bei allem Spaß, den sie hatten, war die Aktion auch sehr lehrreich, wie Jonathan betonte. Dass sie als Jugendliche etwas für die Natur tun konnten, gefiel den Sechstklässlern, denn es zeige, wie Mira sagte, dass auch Kleine Großes bewirken können.

Als die Kinder mit ihrer Arbeit fertig waren, gab ein großer Bagger dem Floß zunächst mal einen kräftigen Schubs, damit es auf dem Wasser treiben konnte. Einige Tage später brachten es dann die LZR-Mitarbeiter an seinen Platz und sorgten mit der Verankerung dafür, dass es im fünf Meter tiefen Wasser an der gleichen Stelle bleibt und die Flussseeschwalben, die das Angebot hoffentlich nutzen, ungestört brüten können. Nicht nur Elisabeth Ziegler wird das genau im Auge haben, sondern auch die Schüler. Denn wie sagte Pia hoffnungsvoll: „Es wäre schön, wenn wir dann die kleinen Küken auch besuchen könnten.“ Die Basis dafür haben sie mit dem etwas anderen Hausbau schon mal gelegt.