Sie schlug die Hände vors Gesicht – und blieb einfach im Auto sitzen. Maruška Hofmann-Šircelj war schlicht und einfach überwältigt. Ihre Tochter Sabine hatte ihr gesagt, dass sie mit Freunden essen gehen würden. Doch stattdessen bog das Auto zur Abtei Münsterschwarzach ab. Dort, im geräumigen Innenhof, warteten schon fast 200 Menschen, um die „Flüchtlings-Mama“ mit lautem Applaus zu begrüßen.

Helfer hatten bunte Luftballons zwischen die Bäume gehängt und jeder Gast hatte etwas zum Buffet beigetragen, so dass Spezialitäten aus aller Herren Länder bereit standen. „Es ist einfach mal Zeit, uns bei Maruška zu bedanken. Sie ist das Herz und die Seele der Flüchtlingsarbeit im Landkreis“, stellte Petra Nellen fest, die sich zusammen mit Sina Sadat und Maruška seit vielen Jahren ehrenamtlich um die Flüchtlinge kümmert. „Was würden wir ohne sie machen?“, fragte Sina.

Maruška Hofmann-Šircelj kommt aus Slowenien. Dort lernte sie einen Deutschen kennen. Drei Jahre lang überlegte sie, ob sie ihm zuliebe ihre Heimat verlassen sollte. 1970 tat sie es. 30 Jahre lang lebte sie in Wiesenbronn, dann zog sie nach Kitzingen. Seit Jahrzehnten betreut die frühere Mitarbeiterin des Landratsamtes ehrenamtlich Flüchtlinge. Mittlerweile leben 517 Asylbewerber im Landkreis.

Auch, wenn sie wegen der schnell steigenden Anzahl nicht mehr jede einzelne Lebensgeschichte kennt – mit ihrer herzlich-rigorosen Art findet Maruška schnell einen Draht zu den Neuankömmlingen. Neben Deutsch spricht sie Slowenisch, Kroatisch, Serbisch und Italienisch. Für viele Menschen ist sie „Mama-Ersatz“ und „Mädchen für alles“. Sie hilft beim Formular-Ausfüllen, organisiert Arzt- und Behördengänge, verteilt Spenden, schreibt Briefe für die Flüchtlinge, sucht für sie Arbeit, Wohnung, Möbel. Sie arbeitet andere Ehrenamtliche ein. Und hat immer ein offenes Ohr für Sorgen.

Warum sie bis zu 16 Stunden täglich unentgeltlich für andere schuftet? „Als ich nach Deutschland gekommen bin, habe ich viel Unterstützung erfahren. Davon gebe ich jetzt etwas zurück.“ Zum Dank für all ihre Mühen organisierten ihre Freunde am Wochenende eine große Überraschungs-Party kurz vorm 70. Geburtstag, den Maruška offiziell am heutigen 25. Juni feiert.

„Bin total gerührt“

Minutenlang saß sie einfach nur im Auto, ehe sie dann doch ausstieg und von allen Seiten Umarmungen entgegennahm. „Ich bin total gerührt“, sagte sie immer wieder, während sie sich die Freudentränen aus den Augen wischte. Mehrmals herzte sie ihre engsten Mitarbeiterinnen und Freundinnen, Petra Nellen und Sina Sadat, die die Überraschungs-Party organisiert hatten.

Aus fast allen Flüchtlingsunterkünften des Kreises kamen Menschen – zum Beispiel Mohamed aus Somalia, der seit April 2014 in Wiesentheid lebt und mittlerweile sehr gut Deutsch spricht. „Maruška ist einfach ein ganz wunderbarer Mensch“, sagt der junge Mann lächelnd. Gut erinnert Mohamed sich an das erste Treffen mit der warmherzigen „Flüchtlings-Mama“: „Sie schaut einen an und weiß Bescheid.“

Diese Ansicht teilen offenbar Flüchtlinge aller Nationen. Sie feierten Maruška mit Tänzen und Trommeln. Und nach einer Weile tanzte die Noch-69-Jährige fröhlich mit. „Ich war wirklich überwältigt“, stellte die zierliche Frau später fest. „Ich musste erst mal im Auto sitzen bleiben. Denn ich wusste nicht, ob meine Beine mich tragen.“ Ganz wichtig ist es Maruška, sich bei allen, die zur „Tschüss-69-Party“ beigetragen haben, zu bedanken. „Das werde ich mein Leben lang nicht vergessen.“

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