Frieda hat ihren ganz eigenen Geschmack. Wenn Herrchen und Frauchen sich abends auf die Couch kuscheln, um einen Film zu schauen, gesellt sie sich gern dazu und richtet ihre acht Augen auf den Bildschirm. Bevorzugt nimmt sie auf dem Couchtisch oder auf Herrchen Timmys Knie Platz. Und dann wird zu dritt ein Horrorfilm geguckt? „Nö, lieber eine Naturdoku“, sagt Timothy Weber. Dann grinst er. „Krimis mag sie auch. Und natürlich ?Spiderman?!“

Seit zweieinhalb Jahren wohnt Frieda, die dunkelbraune Kraushaar-Vogelspinne, bei Timothy Weber und seiner Freundin Susi in Eßfeld bei Würzburg. Ganz bewusst haben die beiden ihrem Haustier – trotz Beißklauen und Brennhaaren – einen so friedfertigen Namen gegeben. „Sie ist eine sehr angenehme Riesenspinne – die perfekte Spinne für einen Anfänger“, betont Timmy Weber. „Wenn sie Gefahr wittert, zieht sie sich eher zurück, als dass sie zum Angriff übergeht. Und bisher hat sie auch erst einmal ihre Brennhaare am Hinterleib auf mich geschleudert.“ Ein paar Tage lang habe die Haut an seinen Armen danach ziemlich gejuckt, erzählt der 44-Jährige, der als IT-Fachmann in einer Würzburger Klinik arbeitet. „Sonst ist sie aber immer freundlich gewesen. Es ist toll, sie zu beobachten. Und vor allem ist sie ein sehr unkompliziertes und anspruchsloses Haustier, das man nicht behördlich anmelden muss.“

Timmy hatte zuvor schon Gottesanbeterinnen, Stabheuschrecken und einen Skorpion gehalten. Derzeit leben außerdem zwei Bartagamen mit in der Wohnung. „Exotische Tiere, Wirbellose und Reptilien, haben mich schon immer fasziniert.“ Allerdings hatte der Franke, so sagt er, „schon immer große Angst vor Spinnen“. Vor einigen Jahren habe er entschieden, dass es an der Zeit sei, die Phobie zu bekämpfen. „Und das macht man am besten, indem man sich selbst eine Spinne zulegt.“ Also informierte sich Timmy, kaufte sich schließlich ein Terrarium mit Thermo- und Hygrometer, Rückzugshöhle, Wärmelampe und Wassernapf. Und Frieda. Einige Wochen beobachtete er seine Tliltocatl albopilosus in ihrem Reich eher aus der Ferne. „Dann habe ich Mut gefasst und meine linke Hand langsam in das Terrarium gelegt. Mit der rechten Hand habe ich sie leicht am Opisthosoma – das ist der dicke Hinterleib – berührt, so dass sie auf meine Hand gekrabbelt ist. Ich habe die Hand aus dem Terrarium gezogen – und sie blieb sitzen.“ Es war der Beginn einer heilsamen Freundschaft. „Man darf keine hektischen Bewegungen machen und die Spinne auch nicht anpusten. Das hasst sie.“ Da Frieda eine Bombardie-Spinne ist, kann sie mit den Hinterbeinpaaren blitzschnell die rotgoldenen, krausen Brennhaare, die ihrer Art den Namen gegeben haben, am oberen Hinterteil abstreifen und dem vermeintlichen Gefährder entgegenschleudern. „Giftig ist sie aber nicht.“

Frieda habe generell fast nur positive Eigenschaften: „Sie macht keinen Dreck, sie riecht nicht und man kann getrost wochenlang in Urlaub gehen, ohne dass sich jemand um sie kümmern muss.“ Die Kraushaar-Vogelspinne braucht nur alle paar Wochen Futter. „Eine Kakerlake reicht ihr zum Beispiel drei Wochen.“

Wenn Timmy von der Arbeit kommt, schaut er zuerst in Friedas Terrarium nach dem Rechten, oft sprüht er ein bisschen Wasser hinein, denn Frieda liebt tropisches Klima. Diese Vorliebe liegt an ihrer ursprünglichen Heimat, den Regenwäldern. „Vor ein paar Wochen habe ich einen Riesenschrecken bekommen: Da lag sie auf dem Rücken, bewegungslos, die acht Beine an den Körper gezogen. Es sah aus, als sei sie tot.“ Doch eher das Gegenteil war der Fall: Erst platzte die Haut am Kopf auf, dann schob sich, über Stunden, der ganze Körper durch das entstandene Loch. Schwerstarbeit für die Spinne. Am nächsten Morgen, so erzählt es Timmy, „saßen da zwei Spinnen vor der Höhle!“. Die eine war Frieda mit noch nassem, weichem Körper, der langsam aushärtete; die andere war ihre alte Haut. „Etwa zweimal im Jahr müssen Vogelspinnen sich häuten. Ihr Hautpanzer wächst ja nicht mit.“

Timmy ist mittlerweile ein richtiger Spinnenfachmann geworden. Leichten Ekel empfinde er vor kleineren Achtbeinern zwar immer noch, seine Vogelspinne aber findet er „nur noch faszinierend“. Er überlegt bereits, ein weiteres Exemplar zu erwerben, vielleicht eine Rotknie-Riesenspinne.

Oder wie wäre es mit einem eigenen „Spiderman“ für Frieda? Timmy schüttelt schnell den Kopf. „Den würde sie – nach der Fortpflanzung – wahrscheinlich als Snack verzehren.“ Frieda hat eben ihren eigenen Geschmack.