Angehende Lehrer greifen zur Mistgabel, verteilen Grassilage im Kuhstall, schütteln Butter. Es war ein etwas anderer Unterrichtstag am Dienstag für die Referendare der Mittelschulen im Landkreis Kitzingen. Sie lernten auf dem Biohof Heubach das Programm „Erlebnis Bauernhof“ kennen, an dem seit kurzem auch Schüler weiterführender Schulen teilnehmen können. Das Besondere daran: Der Landkreis Kitzingen fördert die Fahrten zu den Bauernhöfen. Das ist einmalig in ganz Bayern.

Das Programm „Erlebnis Bauernhof“ hat mehrere Ziele: Es soll dazu beitragen, dass Lebensmittel wieder wertgeschätzt werden, aber auch die Arbeit der modernen Landwirtschaft, denn ohne die gäbe es diese Lebensmittel nicht. Und es soll den Dialog zwischen Landwirten und Verbrauchern vertiefen. Gerade der Dialog mit Jugendlichen sei dabei besonders wichtig, erklärte Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber, als das Programm im Oktober 2020 – mitten in Corona – auf die Mittelschulen, Realschulen, Wirtschaftsschulen und Gymnasien erweitert wurde. Die Pandemie machte es erst einmal schwierig, das Programm umzusetzen, aber inzwischen kommt es ins Rollen. Die Nachfrage der Schulen ist da.

Bislang oft ein Kostenproblem

Von Gesprächen mit Kollegen wisse sie, dass die Teilnahme der Schulen oft an der Frage scheitert, wie die Schüler hinaus kommen auf die Bauernhöfe, sagte Gabriele Schenk, im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kitzingen-Würzburg gemeinsam mit Jana Wagenländer Ansprechpartnerin für das Programm „Erlebnis Bauernhof“. Schulrat Florian Viering bestätigte das in gewisser Weise: Lehrer müssten genau abwägen, welchen Beitrag die Eltern für bestimmte Projekte leisten können. Wie Gabriele Schenk war er sehr erfreut und dankbar dafür, dass es dieses Finanzierungsproblem im Landkreis Kitzingen jetzt nicht mehr gibt.

Landrätin Tamara Bischof hat sich dafür eingesetzt, dass der Landkreis dieses Fahrten für Schulen fördert, ebenso wie er es bereits bei Umweltprojekten wie dem Besuch des Müllheizkraftwerks oder des Flatterhauses Hellmitzheim tut. Sie hält das Programm für äußerst wichtig und wertvoll. „Viele Jugendliche wissen nicht, wie es auf dem Bauernhof zugeht, wie viel Mühe und Arbeit es macht – und das 365 Tage im Jahr“, sagte die Landrätin beim Besuch der Referendare in Mönchsondheim auf dem Biohof Heubach. „Wer macht die Arbeit, damit ich meinen Joghurt essen kann?“ sei eine der Fragen, die beim Besuch der Höfe beantwortet werde. Es sei wichtig, diese Bildungsarbeit zu leisten – damit die Verbraucher nicht im Supermarktregal einfach nur nach dem billigsten Produkt greifen, damit sie auf Transportwege achten, damit sie erfahren, was alles in der Region produziert wird.

Landwirte sind extra geschult

Harald Blankart, Leiter des AELF Kitzingen-Würzburg, war voll des Lobes über die finanzielle Beteiligung des Landkreises. „Phänomenal“ sei die, einmalig in Bayern. Das Geld sei da, außerdem 15 Betriebe „von der Zuchtsau über die Milchkuh bis zum Getreide“, die sich am Programm beteiligen. Diese Landwirte seien extra geschult und wüssten genau, worauf sie beim Besuch der Schüler achten müssen. „Jetzt müssen die Lehrer nur noch wollen“, so Blankart.

Bevor die Klassen aber auf einen der 15 Höfe kommen können, müssen die Lehrer sehen, was die Kinder dort erfahren können. Die Referendare für die Grundschule haben bereits vor zwei Wochen einen Unterrichtstag auf dem Bauernhof erlebt, jetzt waren die Referendare der Mittelschulen nach Mönchsondheim gekommen und lauschten aufmerksam den Ausführungen von Ruth Heubach. „Saugen Sie auf, was geht und geben Sie es an Ihre Kollegen weiter. Machen Sie Werbung für das Projekt“, appellierte Schulrat Florian Viering an die Referendare. Ruth Heubach führte den Tag genau so durch, wie sie ihn seit vielen Jahren mit Schülern abhält. So bohrten die angehenden Lehrkräfte ihre Finger in die harte Grassilage, während Heubach erklärte, wie diese hergestellt wird und wie lange sie haltbar ist. Sie schaufelten Silage in einen Schubkarren, während sie erfuhren, warum die Kühe bei den Heubachs – übrigens eine alte Nutztierrasse – ihre Hörner behalten. Sie verteilten das Futter im Stall und lernten zugleich, wie alt eine Kuh ist, wenn sie zum ersten Mal kalbt und in welchem Abstand sie das danach tut, damit es immer genügend Milchleistung gibt.

Interaktive Ausstellung

Nach der Arbeit im Stall stellten die Referendare Butter her, schließlich ging es an diesem Tag nicht nur um Milchviehhaltung, sondern auch um die Verarbeitung der Milch. Zudem konnten sie sich an einer Ausstellung darüber informieren, welche Materialien das AELF den Schulen neben dem „Erlebnis Bauernhof“ noch zur Verfügung stellt. Neu sind dabei verschiedene Experimente, die Jana Wagenländer vor allem für die Sekundarstufe entworfen hat, jeweils mit Versuchsbeschreibung, Beobachtung und Erklärung. Die Jugendlichen können in der interaktiven Ausstellung zum Beispiel ausprobieren, welche Getreidekörner Ölhaltig sind, wann Eier in einer Flüssigkeit schwimmen und wie viel Gewicht eine Eierschale aushält. Wer es ausprobiert, wird staunen – so wie über vieles, was beim „Erlebnis Bauernhof“ und den anderen Angeboten der „Schule fürs Leben“ auf unterhaltsame Weise an Wissen vermittelt wird.

Schule fürs Leben

Das Programm: Am Programm „Erlebnis Bauernhof“können Grundschüler der 2. bis 4. Klasse, Förderschulkinder und Deutschklassen aller Jahrgangsstufen sowie seit Oktober 2020 alle Schülerinnen und Schüler der 5. bis 10. Jahrgangsstufen an Mittelschulen, Realschulen, Wirtschaftsschulen und Gymnasien teilnehmen.

Die Betriebe: Bislang beteiligen sich die Betriebe Mulzer in Westheim, Voltz in Schernau, Hegwein in Enheim, Stierhof in Dornheim, Wallochny in Marktbreit, Heubach in Mönchsondheim, Wirsing in Hellmitzheim, Drobek in Willanzheim, Tröppner in Järkendorf, Schmidt in Brünnau, Hopfengart in Kleinlangheim und das Staatsgut Schwarzenau. Dazu kommt künftig das Staatsgut für Geflügel in Kitzingen sowie voraussichtlich eine Winzerin in Nordheim.

Die Fahrtkosten: Der Landkreis fördert die Fahrten zu den Erlebnisbauernhöfen. Dazu muss vor Antritt der Fahrt eine Bewilligung auf Zuschuss der Fahrtkosten bei der Unteren Naturschutzbehörde eingeholt werden.

Weitere Angebote: Neben den Erlebnisbauernhöfen gibt es zahlreiche weitere Angebote des AELF für Schulen, um Alltagskompetenzen zu entwickeln und fürs Leben zu lernen, unter anderem geht es dabei um Nachhaltiges Handeln im Alltag, um Waldpädagogik, Biodiversität und ein Schülerunternehmen, bei dem Schüler Planung, Einkauf, Zubereitung und Ausgabe gesundheitsförderlicher Speisen in den Pausen oder zur Mittagszeit übernehmen.

Kontakt: Ansprechpartnerinnen für „Erlebnis Bauernhof“ für Unterfranken sind Gabriele Schenk, (09321/3009-1212, gabriele.schenk@aelf-kw.bayern.de) und Jana Wagenländer (0871/9522-5126,

Jana. Wagenlaender@fueak.bayern.de)