Ochsenfurt Die Näherinnen des St. Thekla-Handarbeitstreffs aus Ochsenfurt sind „Wiederholungstäterinnen“. Seit dem Jahr 2012 beliefern sie die Frauenklinik des Uniklinikums Würzburg (UKW) im Rahmen ihrer Aktion „Herzen gegen Schmerzen“ immer wieder mit Herzkissen. Auch während der Corona-Pandemie waren die Damen wieder aktiv. Im Interview verrät Initiatorin Claudia Zeller, was in und hinter den Kissen steckt.

Frage: Sie haben gerade wieder einen großen Schwung an Herzkissen an die Uniklinik Würzburg übergeben. Stolze 170 an der Zahl! Wie viele fleißige Näherinnen stecken dahinter?

Claudia Zeller: Unsere Handarbeitsgruppe St. Thekla besteht im Moment aus zehn Näherinnen aus Ochsenfurt.

Treffen Sie sich zum gemeinsamen Nähen? Oder arbeitet jede für sich?

Claudia Zeller: Normalerweise treffen wir uns als Gruppe einmal im Monat. Während der jüngsten Nähaktion in Corona-Zeiten haben wir uns jedoch zuhause in kleinen Gruppen getroffen beziehungsweise die Herzen alleine fertiggestellt. Wenn normalerweise so eine Großaktion ansteht und wir über 200 Kissen produzieren, treffen wir uns mit noch mehr Frauen, die zumeist aus unserer Gemeinde kommen. Das ist dann immer ein sehr produktiver und lustiger Abend.

Wo nehme Sie die ganzen Stoffe her?

Claudia Zeller: Ursprünglich sind die meisten Näherinnen von uns Patchworkerinnen. Das bedeutet auch, dass wir wirklich sehr viel Stoffe auf Vorrat zuhause haben. Einige Näherinnen aus der Würzburger Patchworkgruppe nähen auch für uns. Natürlich mussten wir auch Stoffe und vor allen Dingen das Füllmaterial dazu kaufen. Das Geld hierfür erhalten wir über Spenden.

Wie kam es überhaupt zu der Idee, Herzkissen für Brustkrebspatientinnen zu nähen?

Claudia Zeller: Unsere Handarbeitskreis hat bei einem Wettbewerb in einer Patchworkzeitung mitgemacht. Da ging es darum, Füllmaterial für 50 Kissen zu gewinnen. So fing es an. Wir haben das Füllmaterial gewonnen, 50 Herzkissen nach beigefügtem Schnitt genäht und danach mussten wir nur noch eine Klinik finden, die für diese Aktion offen ist. In der Frauenklinik Würzburg war man gleich bereit, dies zu unterstützen. Und seitdem – der Wettbewerb war im Sommer 2012 – produzieren wir immer noch mit Eifer Herzkissen. Im Moment ist der Ist-Stand bei um die 2700 Stück. Wir nennen unsere Aktion „Herzen gegen Schmerzen“.

Die Form des Kissens – ein Herz – ist ganz bewusst gewählt. Was hat es damit auf sich?

Claudia Zeller: Durch die etwas längeren Ohren der Herzform können die Frauen das Herzkissen wunderbar unter der Achsel tragen und dadurch eine große Linderung der Schmerzen an den Operationsnarben spüren.

Die Übergabe an die Patienten erfolgt über die Klinik. Bekommen Sie dennoch Rückmeldungen seitens der beschenkten Frauen?

Claudia Zeller: Ja, immer wieder bekommen wir gesagt, wie toll die Patientinnen unsere Aktion finden. Es sei eine große Linderung der Schmerzen, aber auch Labsal für die Seele. Alle Patientinnen bekommen zum Herzkissen einen Flyer, auf dem wir uns als Handarbeitsgruppe vorstellen und darüber informieren, dass alle eingehenden Spenden der Aktion von Gabriele Nelkenstock „Hilfe im Kampf gegen Krebs“ zugute kommen. Positives und persönliches Feedback von den Frauen gibt es auch stets bei unseren öffentlichen Auftritten während des jährlichen Brustkrebsforums in der Universitätsklinik Würzburg. Zusätzlich ist die persönliche Wertschätzung von Prof. Dr. med. Achim Wöckel und seinem Team für uns sehr motivierend und wir sind dafür sehr dankbar.

Die Aktion

Hintergrund: Der St. Thekla-Handarbeitstreff aus Ochsenfurt beliefert die Frauenklinik des Uniklinikums Würzburg regelmäßig mit Herzkissen. Diese gehen in erster Linie an operierte Brustkrebspatientinnen.

Sie tragen die Kissen zumeist unter dem Arm, wo die spezielle Lagerung von vielen als sehr angenehm empfunden wird – zum Beispiel bei bewegungsabhängigen Schmerzen, unter denen manche nach einem chirurgischen Eingriff in der Achselhöhle leiden. Die nützlichen Helfer werden genau nach Vorschrift gefertigt, damit beispielsweise der richtige Härtegrad des Herzens präzise eingehalten wird. (lni)