Heimat, Liebe, die Goldenen 60er Jahre, Leidenschaft, Abschied – das alles gehört zur deutsch-amerikanischen Freundschaft. Gerade im Landkreis Kitzingen haben viele Menschen erlebt, wie US-Soldaten und ihre Angehörigen hier stationiert waren – und für fruchtbare Verbindungen nach Amerika gesorgt haben. Im wahrsten Sinn des Wortes.

Heute feiern die US-Amerikaner den Deutsch-Amerikanischen Tag. Zahlreiche einstige Kitzinger erinnern sich deshalb an ihre Wurzeln. Und umgekehrt denken die Kitzinger besonders an diejenigen, denen zwischen den 50er und den 90er Jahren Flügel gewachsen sind. „Allein in der Saarlandstraße sind 29 Mädchen mit amerikanischen Soldaten ausgewandert“, blickt Reinhard Faltermeier aus der Kitzinger Siedlung auf ein Jahr massiven Frauenverlustes zurück.

Aus den jungen Damen von damals sind längst gestandene Mütter und Großmütter geworden. Zum Beispiel Faltermeiers Schwester Marga: Sie lebt seit über 50 Jahren in den USA. Auch Jutta Johnson zog der Liebe wegen als junge Frau in die Staaten – und hängt noch immer an der alten Heimat. Sie hat deshalb sogar eine Facebook-Seite gegründet, die Kitzinger in aller Welt vernetzt. Zudem organisiert sie das berühmte „Kitzingen-Treffen“ in den USA. „Ich bleibe Kitzingen durch die liebsten Kindheitsfreunde verbunden. Beim Treffen haben sich außerdem neue Freundschaften entwickelt.“

Kassetten und Briefe verschickt

Viele deutsch-amerikanische Verbindungen sind in den vergangenen Jahren aufgefrischt worden. „Die meisten Ausgewanderten sind jetzt schon im Rentenalter und haben wieder mehr Zeit“, meint Reinhard Faltermeier. Zudem ist es durch moderne Medien wie Facebook leichter geworden, Kontakt zu halten.

Der 63-Jährige Norbert Hubert aus Großlangheim hat es allerdings auch ohne Online-Kommunikation geschafft, gut vier Jahrzehnte lang nie die Verbindung zu seiner ehemaligen Knauf-Arbeitskollegin Brigitte Massey zu verlieren. „Früher haben unsere Familien sich gegenseitig Briefe geschrieben und Kassetten besprochen“, erinnert sich Hubert lachend. „Damals kostete eine Minute am Telefon zehn Mark. Das konnte man sich nicht zu oft leisten.“

Heute dagegen kann man – Flatrates sei Dank – stundenlang miteinander reden und sich per Skype dabei sogar in die Augen sehen. Das finden auch Gitta und Alfred Jehle aus Kitzingen klasse, deren Tochter in Wisconsin lebt und deren Enkelin in den USA studiert. Trotzdem fiebern sie immer wieder den persönlichen Treffen entgegen.

Solche Treffen gibt es seit 1999 speziell für alle Kitzinger und solche, die es mal waren. Zunächst kam man in Frankenmuth, Michigan, zusammen. Mittlerweile ist Sevierville, Tennessee, alle zwei Jahre ein geeigneter Ort für eine dreitägige Wiedersehensfeier. Kurioserweise haben sich hier vor fünf Jahren Reinhard Faltermeier, Alfred Jehle, Norbert Hubert und Heinz Erbar kennen gelernt, die nur einige Kilometer voneinander entfernt im Kreis Kitzingen wohnen: Alle vier waren mit ihren Frauen angereist, um Verwandte und Freunde in den USA zu treffen. Seitdem sind sie quasi unzertrennlich – und zwei weitere Paare vervollständigen inzwischen „Die lustige Sippschaft“, wie sie sich selbst nennen.

Die Glocken der Heimat

„Wir ham scho' immer eine Gaudi“, stellt der 68-jährige Alfred Jehle fest. Heuer im Juni hat die „Sippe“ bei Bratwurst und Hamburger mit Jutta Johnson gefeiert, die nach 16 Jahren wieder einmal ihre alte deutsche Heimat besuchte. „Ich spürte das warme Willkommen wie eine ständige Umarmung“, schreibt die gebürtige Kitzingerin heute aus Jacksonville, Florida. Nicht ohne Melancholie erinnert sie sich an den „Spaziergang durch die schöne Altstadt mit der Serenade der Kirchenglocken im Hintergrund“.

Im Juni 2015 wird sie in Sevierville wieder ein Kitzingen-Treffen organisieren – und dort wohl auch James Johnson kennen lernen. Der trägt zufällig denselben Nachnamen wie sie. James wurde 1983 in Kitzingen geboren; seine Mutter Julie war Soldatin. Ihr damaliger Mann verließ sie kurz vor der Geburt des Kindes. Julies Arbeitskollege, Uwe Hartmann, wusste, wer während der Arbeitszeit der jungen Mutter auf das Baby aufpassen könnte: Wiltrud und Rudolf Hartmann, Uwes Eltern. Tatsächlich wurde der kleine James für die beiden rasch zu einer Art Zieh-Enkel. Und Uwe Hartmanns Arbeitskollegin Julie dadurch quasi seine Ziehschwester. Nächstes Jahr, in Sevierville, wollen sich alle wiedersehen.

Freundschaftstag: Der „German-American Day“ wird in den Vereinigten Staaten jährlich am 6. Oktober begangen. Der Feiertag nimmt Bezug auf den 6. Oktober 1683, als 13 deutsche Familien in der Nähe von Philadelphia die erste deutsche Siedlung gründeten.

Freundschaftstag

Der „German-American Day“, der Deutsch-Amerikanische Tag, wird in den Vereinigten Staaten jährlich am 6. Oktober begangen. Der Feiertag soll an das deutsche Erbe erinnern und nimmt Bezug auf den 6. Oktober 1683, als 13 deutsche Familien in die Nähe von Philadelphia übersiedelten und dort Germantown gründeten, die erste deutsche Siedlung. *ldk*