Es hätte ein besonderes Jahr werden sollen. Vor 1275 Jahren ist Kitzingen gegründet worden. Der Sage nach überließ Hadeloga, die Schwester des Frankenkönigs Pipin des Jüngeren, ihren Schleier vom Schwanberg aus den stürmischen Winden.

Am Mainufer wurde er vom Schäfer Kitz gefunden. Am Südhang des Eselsbergs entstand das Kloster. Es wurde am 23. September 745 eingeweiht. 1275 Jahre später kann das Jubiläum nicht gefeiert werden. Corona hat allen Plänen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Aufgeschoben ist zum Glück aber nicht aufgehoben.

„Es ergibt keinen Sinn, jetzt irgendwelche Aktivitäten zu starten.“
Claudia Biebl, Pressesprecherin Stadt Kitzingen

„Corona hat alles in Frage gestellt“, sagt Claudia Biebl, Pressesprecherin der Stadt. Die Planungen waren schon weit gediehen. Im Rahmen des Stadtfestes hätte auch das besondere Jubiläum gefeiert werden sollen. „Mit einem Festakt, mit einem eigens gebrandeten Sekt und Bier“, berichtet Biebl. Die Planungen sind ins Wasser gefallen, eine Verschiebung in den Herbst hinein war kurz angedacht gewesen. „Aber es ist im Moment einfach nicht möglich, eine so große Veranstaltung zu planen“, wirbt sie um Verständnis.

Im Rathaus ist deshalb die Entscheidung gefallen: Die 1275-Jahres-Feier findet im Jahr 2021 statt. Rechnerisch nicht ganz sauber, aber unter diesen Umständen nachvollziehbar. Helmut Fuchs kann damit leben.

Fuchs ist seit 40 Jahren Regisseur der Kitzinger Häckerchronik. Die wird seit dem Jahr 1995 alle fünf Jahre aufgeführt. In diesem Juli wäre es wieder so weit gewesen. Ein passenderes Schauspiel für die Jubiläumsfeier könnte es kaum geben. In 15 Akten wird die Geschichte Kitzingens nacherzählt.

Rund 100 Schauspieler legen sich im Innenhof der Friedrich-Bernbeck-Schule dafür mächtig ins Zeug. Von der Gründung des Klosters über den Bauernkrieg bis hin zu den wilden Zeiten als Garnisonsstadt für US-Soldaten wird die Geschichte lebendig. „Schade, dass es heuer nichts wird“, sagt Fuchs. Die Vorbereitungen waren schon im Herbst des vergangenen Jahres angelaufen.

Rund 70 Schauspieler und Komparsen hatte der Regisseur in Zusammenarbeit mit der Stadt schon gefunden. „Altgediente, aber auch neue“, freut sich Fuchs. Letztere hat er auf einem eigens anberaumten Workshop gewinnen können. Dann kam Corona – und alle Vorbereitungen mussten auf Eis gelegt werden.

Im Herbst will der Regisseur neu starten. „Es geht tatsächlich wieder ganz von vorne los“, sagt er. Ob alle Zusagen für 2020 auch für 2021 gelten? „Kann ich nicht sagen.“ Alle Freiwilligen werden angeschrieben, ein Treffen für Oktober oder November soll anberaumt werden. „Und dann sehen wir weiter.“ Fuchs ist grundsätzlich guter Dinge, aber die Unsicherheit in Corona-Zeiten macht ihm doch zu schaffen. „Der Aufschub bereitet mir schon ein wenig Bauchschmerzen“, gibt er zu.

„Der Aufschub bereitet mir schon ein wenig Bauchschmerzen.“
Helmut Fuchs, Regisseur Häckerchronik

Große Alternativen gibt es nicht. „Es macht keinen Sinn, jetzt irgendwelche Aktivitäten zu starten“, betont Claudia Biebl. Das Jubiläumsfest soll schließlich eine schöne Veranstaltung werden, zur Freude und zum Nutzen der Bürger. „So traurig es ist, das lässt sich in diesem Jahr einfach nicht mehr umsetzen.“

Stadtgeschichte

745: Gründung des Klosters Kitzingen durch Hadeloga, der Sage nach eine Tochter des karolingischen Hausmeiers Karl Martell. Sie wurde erste Äbtissin des Klosters.

1007: König Heinrich II. schenkt die Reichsabtei Kitzingen dem von ihm neu gegründeten Bistum Bamberg und entzieht ihr dadurch die Reichsunmittelbarkeit.

1300: In einer hohenlohischen Urkunde wird zum ersten Mal die Alte Mainbrücke in der Stadt Kitzingen erwähnt.

1336-1381: Kitzingen geht aus der Hoheit der Grafen von Hohenlohe an das Hochstift Würzburg über.

1443: Kitzingen wird vom verschuldeten Hochstift Würzburg für 39.100 Gulden an die Markgrafen von Brandenburg-Ansbach verpfändet, vorbehaltlich des Rechts auf Wiedereinlösung.

1469-1496: Erbauung des Falterturms als Teil der äußeren Befestigungsmauer.

1561-1563: Erbauung des Rathauses im Renaissance-Stil durch Baumeister Hans Eckart von Schaffhausen.

1652: Einweihung der Kapuzinerkirche. Das Kapuzinerkloster wird 1828 aufgelöst, von 1831 bis 1902 dient es als Krankenhaus.

1741-1745: Erbauung der Kreuzkapelle in Etwashausen durch Balthasar Neumann.

1802: Kitzingen kommt an das Kurfürstentum Bayern. Die Stadt zählt zu dieser Zeit 3696 Einwohner.

1865: Anschluss an das Eisenbahnnetz (Nürnberg-Würzburg). Im Rahmen des Stadterweiterungsplanes wird der Durchbruch der Stadtmauer zur Anlegung eines neuen Stadtteiles (Mühlberg) im Südosten beschlossen.

1882-1883: Bau der Synagoge mit Ritualbad in der Landwehrstraße, religiöses und kulturelles Zentrum für die mittlerweile 65 jüdischen Familien in Kitzingen.

1914: Eröffnung des Prinzregent-Luitpold-Bades, auch Volksbad genannt.

1917: Der Flugplatz wird in Betrieb genommen.

1945: Am 23. Februar wird die Stadt durch einen amerikanischen Luftangriff, der 600 Todesopfer fordert, schwer getroffen, 800 Wohnhäuser werden zerbombt.

1972: Kitzingen wird Große Kreisstadt.

1986: Baubeginn für die Umgehungsstraßen (Tangenten) wegen des zunehmenden Verkehrs durch die Innenstadt.

2006: Abzug der amerikanischen Truppen aus Kitzingen

2011: Die kleine Landesgartenschau findet in Kitzingen statt (315.000 Besucher)