Dettelbach ist Kitzingen einen Schritt voraus. Aber das soll sich ändern. Ehrenamtliche Paten sind gesucht. Menschen wie Katharina Müller, Christa Mayer, Helga Rummey oder Willi Köhler.

Vor einem Jahr ist Katharina Müller in den Ruhestand verabschiedet worden. Von ruhigen Zeiten hielt die ehemalige Kindergartenleiterin jedoch wenig. Lieber wollte sie sich engagieren, für andere Menschen da sein. Also hob sie zusammen mit dem Familienstützpunkt Dettelbach und mit der Hilfe von Petra Dlugosch von der Caritas in Kitzingen das Projekt „Großeltern auf Zeit“ aus der Taufe. Ein Jahr später kann sie eine zufriedenstellende Bilanz ziehen: „Sieben Familien habe ich zusammengeführt.“ Will heißen: Sieben junge Familien in Dettelbach und Ortsteile haben jetzt eine „Leih-Oma“ beziehungsweise einen „Leih-Opa“. Zwischen zwei bis vier Stunden pro Woche verbringen diese Senioren Zeit mit ihren „Leih-Enkeln“. Ehrenamtlich.

„Das ist wie mit den eigenen Enkeln.“
Willi Köhler, Leih-Opa

„Eine tolle Sache“, sagt Willi Köhler aus Neuses am Berg. Er hat einen aufgeweckten und neugierigen siebenjährigen Buben als „Leih-Enkel“. Und das trifft sich gut. Denn Willi Köhler ist mit seinen 71 Jahren selber noch neugierig und aufgeweckt. Zusammen machen die beiden Ausflüge, gehen zum Angeln oder in den Wald. „Das ist wie mit den eigenen Enkeln“, sagt Köhler und die Freude an der Tätigkeit ist ihm anzusehen. Feste Termine hat er mit der Familie ausgemacht, etwa drei Stunden kümmert er sich pro Woche um den Buben. „In der Zeit kann die Mutter mal durchschnaufen, in Ruhe einkaufen gehen oder sich einfach mal ausruhen“, nennt Petra Dlugosch einen Vorteil des Projektes.

Christa Mayer hat selber zwei Enkelinder. „Aber die wohnen leider weit weg“, sagt sie. Also hat sie sich für das Patenprojekt angemeldet und betreut nun zusammen mit ihrem Mann von Zeit zu Zeit ein zehn Monate altes Baby. Die Familie hat sie vorher nicht gekannt, ist über den Kontakt aber sehr froh. „Das ist ein Gewinn für uns und macht richtig Spaß“, sagt sie.

Auch die junge Familie profitiert von der Hilfe. „Ich kann meine Erfahrungen weitergeben, wenn es gewünscht ist“, erklärt Christa Mayer. „Mit Rat und Tat zur Seite stehen.“

Katharina Müller koordiniert das Projekt in Dettelbach und ist weiterhin auf der Suche nach Senioren, die helfen wollen. „Drei junge Familien habe ich noch auf der Warteliste“, sagt sie und ruft alle Senioren in Dettelbach und Umgebung auf, sich zu melden. „Alle sieben Leihopas beziehungsweise Leihomas, die bislang dabei sind, sind begeistert“, versichert sie. Petra Dlugosch schaut ein wenig neidisch nach Dettelbach. Sie würde ein ähnliches Projekt gerne auch in Kitzingen (und in anderen Gemeinden des Landkreises) etabliert wissen.

„Drei junge Familien habe ich noch auf der Warteliste.“
Katharina Müller, Koordinatorin in Dettelbach

„Es gibt immer wieder Anfragen von jungen Familien“, berichtet sie. „Aber es fehlt einfach an Senioren, die sich melden.“ Und es fehlt an jemandem wie Katharina Müller. An einer Person, die sich um die Koordination und Kommunikation kümmert.

Wer Interesse hat, kann sich bei Petra Dlugosch melden. Wer weiß: Vielleicht wird es schon im kommenden Jahr ein Patenprojekt „Großeltern auf Zeit“ auch in Kitzingen geben. Katharina Müller lässt jedenfalls keine Zweifel aufkommen, dass es in Dettelbach weiter geht. „Natürlich mache ich weiter“, sagt sie. „Das macht Spaß und ist sinnvoll.“

Konzept: Die Tätigkeit der Leihomas/Leihopas setzt auf ehrenamtliches Engagement. Die Senioren sind bei ihrer Hilfstätigkeit versichert. Notwendig ist ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis.

Kontakt in Dettelbach: Katharina Müller, Tel. 009324/2566 oder Email: mueller-hk@t-online.de

Kontakt in Kitzingen: Petra Dlugosch, Tel. 09321/9165411 oder Email: petra.dlugosch@caritas-kitzingen.de