Susanne Kerner ist Grafikerin. Nachdem sie vier Kinder zur Welt gebracht hatte und nicht mehr Vollzeit arbeiten konnte, merkte sie: Teilzeit-Jobs sind in ihrer Branche schwer zu kriegen. Ihre Kreativität brauchte trotzdem ein Ventil. „Beim Renovieren der Wohnung bin ich auf die Idee mit den Stickern gekommen.“ Ein alter Lampenschirm war der Auslöser. Susanne Kerner überlegte, dass er mit goldenen Glitzerpunkten toll aussehen würde. „Ich dachte: Mit kleinen Ornamenten kann man alles Mögliche verschönern, ganz individuell.“

Ihre Begeisterung für Design schlug jetzt voll durch. Sobald die vier Kinder abends schliefen, setzte sich die in Neuses am Sand aufgewachsene Fränkin in ihrer Wahlheimat Anzing bei München an den Computer und begann, erste Motive zu entwickeln: schlichte Sterne, Punkte und Herzen, aber auch Regenbögen, fantastische Tiere, bunte Blumen, Meerjungfrauen, Planeten, Astronauten… Dass manch einer ihr Tun als brotlose Kunst kritisierte, hielt sie nicht davon ab. „Mir macht das Designen so richtig Freude, es erfüllt mich!“ Sie begab sich auf die Suche nach einer Firma, die ihre Entwürfe in Stoff umsetzen konnte. „Das war ziemlich schwierig, ich habe manche Enttäuschung erlebt.“ Schließlich fand sie doch ein Unternehmen, das es schaffte, verschiedene Stoffe wunschgemäß zu verweben und zu besticken, so dass die Meerjungfrau zum Beispiel eine glitzernde Flosse bekam oder die Libelle glänzende Flügel. „Ich wollte auch, dass die Motive vergleichsweise dünn sind, damit sie auf Shirts gut zu tragen sind.“

Sticker zum Bügeln und Aufkleben

Susanne Kerner entwarf Dekosticker zum Kleben und Stoffsticker zum Aufbügeln. „Damit kann jeder Erwachsene und jedes Kind selbst Designer spielen.“ 2017 startete die Neuseserin ihren Online-Shop. „Daraufhin hat sich aber erst mal nicht viel getan. Keiner kannte die Seite“, erinnert sich die 45-Jährige. „Ich habe viel ausprobiert und ein paarmal auch schlechte Erfahrungen gemacht. Da ich keine Ahnung vom Geschäft hatte, gab es auch so manchen Griff ins Klo.“ Der nötige finanzielle Rückhalt kam schließlich von den Eltern, die in Wiesentheid leben, und von den Brüdern. „Gott sei Dank waren sie da.“

Die Corona-Zeit habe manche Menschen dazu gebracht, das Thema Nachhaltigkeit in einem neuen Licht zu betrachten. „Man kann seine alten Sachen und Lieblingsteile, die vielleicht ein Loch oder einen Fleck bekommen haben, mit ein paar Motivstickern, einer Zahl oder Buchstaben ganz leicht wieder aufmöbeln. Das ist zugleich ein richtig schöner, kreativer Zeitvertreib, gerade für Kinder.“ Ihre eigenen Kinder verzieren gern auch ihren Corona-Mundschutz: „Wenn schon maskiert, dann zumindest schön.“ Aktuell entstehen an Susanne Kerners PC eine Eisbärin mit Jungen und andere Mama-Kind-Motive. „Demnächst wird es außerdem Stoffschultüten geben, bei denen man die äußere Textilhülle später als Kissen verwenden kann – je älter ich werde, desto begeisterter bin ich, wenn man Dinge mehrfach verwenden kann.“ Apropos mehrfach: Woher kommt der Name „Fabfabstickers“? Susanne Kerner erklärt: „Fab steht für Stoff – Stoff auf Stoff, wie bei den Bügelstickern. Man kann es natürlich auch von ?fabelhaft? und dem Englischen ?fabulous? ableiten...“