Idyllisch liegen sie da, die 26 Häuser auf dem rund 2,6 Hektar großen Areal an der Staatsstraße zwischen Kitzingen und Großlangheim. Was einst militärisches Sperrgebiet war und immer noch Corlette Circle heißt, ist seit Donnerstag eine Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber. Künftig werden 150 Flüchtlinge auf dem Gelände einen Kilometer vor der Stadt eine Heimat auf Zeit finden. Wobei sich die ehemalige US-Wohnsiedlung besonders gut für Familien eigne, wie Regierungspräsident Paul Beinhofer bei der Wiederbelebung betonte.

Erste Bewohner kommen bald

Bei den offiziellen Reden wurde deutlich, dass es nicht lange dauern dürfte, bis die ersten Bewohner einziehen, weil weiterhin pro Monat zwischen 400 und 600 Asylbewerber neu nach Unterfranken kommen. Die Anlage mit ihren 26 Doppel- und Reihenhäusern sei, so Beinhofer, wie gemacht für die neue Nutzung und geradezu „prädestiniert“.

Beinhofer erinnerte daran, dass die ersten Gespräche vor zwei Jahren stattgefunden hätten und es in Kitzingen durchaus auch zu Diskussion gekommen sei. Dass es zeitlich etwas gedauert habe, hänge aber auch damit zusammen, dass erst einmal die Infrastruktur wie Wasser- und Stromversorgung vom neuen Eigentümer wieder in Betrieb genommen werden musste. Der Kitzinger Immobilienmakler Georg Wittmann, der zuletzt auch für die Marshall Heights den Zuschlag bekam, hatte die Anlage 2011 erworben.

Trotz der 150 neuen Plätze gilt: Ein Ende des dringenden Wohnungsbedarfs ist nicht absehbar. Kamen im Vorjahr um die 4000 Asylbewerber neu nach Unterfranken, waren es bis Ende April schon fast 2000. Auf das Jahr hochgerechnet dürften 7000 Hilfesuchende kommen.

Dies sei „eine Gemeinschaftsaufgabe“, die man nur gemeinsam stemmen könne, warb Beinhofer um die Mitwirkung aller. Es gehe letztlich um „eine humanitäre Aufgabe“. Und er sieht dabei durchaus positive Dinge: „Die Bereitschaft der Menschen, auf die Flüchtlinge zuzugehen, ist groß“, betonte der Regierungspräsident.

Der ehemalige Corlette Circle soll deshalb auch nicht abgeschieden bleiben: Nicht weit entfernt gibt es eine Bushaltestelle. Zudem werde ein Schulbus direkt die Wohnsiedlung ansteuern. Wie schnell alles gehen kann, zeigt das Beispiel der vor wenigen Wochen eröffneten Gemeinschaftseinrichtung in den ehemaligen Conn Barracks in Geldersheim, wo 200 Menschen leben können: Die Anlage dort ist inzwischen auch schon wieder zur Hälfte belegt.

Betreut werden die Asylbewerber, die in den Corlette Circle einziehen, zunächst von Asylsozialarbeiter Michael Tittmann, der stundenweise oder halbtageweise vor Ort sein wird. Er ist seit Dezember 2014 über die Caritas, die die sozialpädagogische Betreuung der Flüchtlinge übernommen hat, für die Asylbewerber im Landkreis Kitzingen zuständig. „Die Beratung wird sehr gut angenommen“, sagt Katrin Anger. Es sei wichtig für diese Menschen, zu wissen, dass jemand regelmäßig da sei und ihnen in rechtlichen und lebenspraktischen Fragen helfe. „Das schafft auch ein bisschen Ruhe.“ Ab Juli gibt es eine weitere Vollzeitstelle. „Dann wird die Zeit neu eingeteilt“, so Anger weiter.

Zu den hauptamtlichen Betreuern kommen zahlreiche Ehrenamtliche, die sich für die Betreuung der Flüchtlinge zur Verfügung stellen. Geschult werden sie von der Caritas in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt.

Etwa 25 dieser Ehrenamtlichen nutzten die offizielle Eröffnung am Donnerstag, um sich selbst ein Bild von den Räumlichkeiten im Corlette Circle zu machen. Insgesamt sind im Landkreis über 250 Männer und Frauen in der Betreuung aktiv, die meisten sind zwischen 40 und 70 Jahre alt. Häufig sind es pensionierte Männer oder Frauen, deren Kinder aus dem Haus sind und die sich nun auch außerhalb der Familie engagieren wollen.

Viele wollen helfen

Ehrenamtliche zu finden, sei nicht schwierig, auch in Kitzingen nicht, so Katrin Anger. So gab es in der vergangenen Woche ein Einsteigertreffen für Leute, die einmal reinschnuppern oder sich speziell in den Gemeinschaftsunterkünften im Corlette Circle oder am Mainkai engagieren wollen. „Alleine da waren 25 Leute da. Und ich kriege immer noch Mails mit Angeboten von Menschen, die sich engagieren möchten, zum Beispiel als Übersetzer“, berichtet Anger.

Neben den Gemeinschaftsunterkünften in Kitzingen und Kleinlangheim gibt es etwa 20 dezentrale Unterkünfte in verschiedenen Orten im Landkreis. Weil es schwierig ist, alle Ehrenamtliche gleichzeitig zu schulen, gibt es in den jeweiligen Gemeinden Ortsgruppen, erklärt Anger, die für die Koordination aller Ehrenamtlichen zuständig ist. Jede Ortsgruppe hat ein bis drei Ortssprecher, die eine Art Leitungsfunktion haben und über Caritas und Landkreis über die wichtigsten Themen in der Asylsozialarbeit informiert werden. Dabei geht es laut Anger um Dinge wie die Organisation von Deutschkursen oder die Frage, wie es nach der Anerkennung weitergeht. Die etwa 50 Ortsgruppensprecher geben ihr Wissen dann als Multiplikatoren an die anderen Ehrenamtlichen weiter. Für die 150 Asylbewerber, die demnächst im Corlette Circle einziehen, wird eine eigene Gruppe an Ehrenamtlichen gebildet.