Kitzingen Alles andere als eine einfache Zeit liegt hinter Christina Dümler-Karwath. Und dennoch blickt sie optimistisch nach vorne. Die Weiblichkeitspädagogin möchte Mut machen, auch in schwierigen Zeiten. Das Projekt FRAUENzimmer hat sie ins Leben gerufen, um Frauen zusammen zu bringen. Den Alltag Alltag sein lassen und sich stattdessen auf sich selbst und seine Bedürfnisse konzentrieren. Bedingt durch Corona mussten die monatlichen Treffen im Kitzinger Stadtteilzentrum in den letzten Wochen und Monaten ausfallen.

Lange musste das FRAUENzimmer pausieren. Jetzt gibt es Hoffnung auf einen Neustart?

Christina Dümler-Karwath: Genau. Ich freue mich sehr, dass wir ab dem 7. September wieder mit unseren Informationsabenden starten können – vorausgesetzt uns droht nicht ein erneuter „Lockdown“.

Warum liegt Ihnen das Projekt so sehr am Herzen?

Christina Dümler-Karwath: Das FRAUENzimmer gibt Frauen die Möglichkeit, im geschützten Raum ins Gespräch mit anderen Frauen zu kommen, Kontakte und Netzwerke zu knüpfen sowie sich Zeit für sich und die eigenen Belange zu nehmen – mit dem Ziel gut für sich zu sorgen.

Wie haben Sie persönlich die Zeit der Ausgangsbeschränkung erlebt?

Christina Dümler-Karwath: Ich habe die ersten Wochen ab Mitte März, als das öffentliche Leben komplett herunter gefahren wurde, in einer gewissen Weise sogar genossen. Keine Termine, keine Verpflichtungen und keine Besuche! Ich habe sehr deutlich gespürt, dass mich diese Zeit „entschleunigt“ hat. Endlich war auch mal Zeit für lange Liegengebliebenes. Ecken und Fächer wurden gereinigt und entmistet. Viele Momente der Erinnerungen kamen dabei zum Vorschein. Jedoch gab es natürlich auch die andere Seite.

Die sich wie geäußert hat?

Christina Dümler-Karwath: Es war für mich persönlich ganz schlimm, meine mittlerweile 85-jährige Mutter kaum zu sehen – nur am Fenster, da wir sie selbstverständlich schützen wollten. Natürlich telefonierte die ganze Familie mehrmals täglich mit ihr, wir kauften für sie ein und stellten ihr Gekochtes vor die Türe. Alle Achtung, wie sie mit der Angst der Ansteckung und der Einsamkeit umgegangen ist. Das Thema „mangelnde Berührung im Alter“ wurde dabei noch deutlicher. Außerdem mussten wir auch noch schweren Herzens Abschied von unserer 13-jährigen treuen Hündin Laika nehmen.

Sie sind Weiblichkeitspädagogin. Wie beurteilen Sie die Rolle der Frau zu „Corona-Zeiten“?

Christina Dümler-Karwath: Sicher haben viele Ähnliches erlebt wie ich oder gar noch schwierigere Situationen zu meistern gehabt. Ich denke da gerade an die Frauen, die Homeoffice gemacht haben und zusätzlich die Kinder betreuen und bespaßen mussten. Oder an die Frauen, die ihre Selbstständigkeit nicht mehr ausüben können und nun unter starken Existenzängsten zu leiden haben. Einige sind ganz neue Wege gegangen, andere mussten kreative Alternativen schaffen – manche mussten leider auch aufgeben.

Eine traurige Entwicklung.

Christina Dümler-Karwath: Ja, aber viel schockierender sind für mich die Meldungen von zunehmender häuslicher Gewalt an Frauen und Kindern in Form von körperlicher und sexueller Misshandlung. Hier ist jeder Bürger aufgerufen, nicht weg zu schauen und bei entsprechendem Verdacht Meldung an die zuständigen Behörden zu machen. Respekt und Achtung ist doch ein fundamentaler Bestand unseres Miteinanders!

Welches Thema steht denn im nächsten FRAUENzimmer an?

Christina Dümler-Karwath: Wir starten mit einem sehr wichtigen Thema für uns Frauen. Es geht um Vorsorge der Krebsfrüherkennung und Brustgesundheit. Zu Gast ist Manuela Hain, eine medizinische Fachangestellte mit der Zusatzausbildung der Mamma-Diagnostik in der Main-Radiologie Kitzingen. Ihr liegt die Brustkrebsfrüherkennung sehr am Herzen. Deshalb bin ich froh, diese engagierte Frau für einen Aufklärungsabend im Frauenzimmer gewonnen zu haben. Zusammen mit einer Radiologin können alle Fragen gestellt und erklärt werden.

Wer Interesse hat, kann einfach kommen?

Christina Dümler-Karwath: Das FRAUENzimmer ist offen für alle interessierten Frauen. In der momentanen Situation beinhaltet das Hygienekonzept eine Personenobergrenze und wir konnten leider nicht den Saal für eine höhere Aufnahmekapazität bekommen. Deshalb bitte ich alle Interessentinnen um eine telefonische Anmeldung. Falls sich sehr viele anmelden, werden wir für einen zusätzlichen Termin sorgen. Bitte auch unbedingt an einem Mund-Nasen-Schutz denken!

Gibt es schon Pläne für die kommenden FRAUENzimmer?

Christina Dümler-Karwath: Ja, natürlich! Am 5. Oktober erklärt Kräuterfrau Gerlinde Rößner, was „Oxymel“, ein altes Heilmittel aus Sauerteig, alles kann. Am 2. November zeigen wir einen Film über fünf Kulturen und fünf Frauen, dessen Thema mir persönlich sehr wichtig erscheint. Der Titel lautet: „#female pleasure“. Laut Amnesty international setzt der Film ein wichtiges Statement gegen die Bevormundung, Einschränkung und Ausbeutung der Sexualität von Frauen in den verschiedenen Religionen. Und am 7. Dezember zeigt Jin Shin Jyutsu Praktikerin Luise Zitzmann, wie Strömen die Selbstheilungskräfte aktivieren kann.

FRAUENzimmer

Was ist das überhaupt? Jeden ersten Montag im Monat treffen sich offene und neugierig gebliebene Frauen jeden Alters im FRAUENzimmer. Es gibt keine feste Gruppe. Die Themen sind vielfältig und interessant. Gerne werden auch Ideen in dem Programm mit aufgenommen. Ziel ist ein Austausch zu den angebotenen Themen, miteinander ins Gespräch zu kommen und immer neue Menschen kennen zu lernen, die sich auch gerne gegenseitig unterstützen und ihre Erfahrungen weiter geben.

Nächster Termin: Das nächste Treffen ist am 7. September um 19 Uhr im Bürgercafe im Stadtteilzentrum Kitzingen-Siedlung, Königsberger Straße 11. Als Ausgleich werden 5 Euro verlangt.

Info und Anmeldung: Tel. 0157/75221714 oder online unter www.frauenpower-kräuterkraft.de, wo übrigens auch alle Termine zum FRAUENzimmer nachgelesen werden können.