Das Handwerk braucht junge Frauen. Solche, wie Stefanie Hahn. Die 19-jährige ist momentan in der Ausbildung zur Anlagenmechanikerin für Heizung-, Sanitär- und Klimatechnik und voller Motivation. „Ich war in der Wirtschafts-Schule in Kitzingen. Da habe ich oft die Fahrzeuge der Licht-, Kraft- und Wasserwerke Kitzingen (LKW) rumfahren sehen. Also hab ich mir gedacht, bewerbe ich mich dort mal für eine Praktikumsstelle“, berichtet Hahn. So ist die Ippesheimerin zu ihrer heutigen Ausbildungsstätte gekommen.

Natürlich war der Installateur-Beruf nicht immer Stefanies Traum. Im Kindesalter träumte sie davon, Polizistin zu werden. Während der Schulzeit kamen für die Auszubildende dann nur noch technische Praktika in Handwerksberufen in Frage. So zog es die junge Frau von KFZ-Werkstatt über Lager-Logistik bis hin aufs Gerüst als Malerin und Verputzerin. Über einen Umweg in eine andere Ausbildung ist sie schlussendlich in ihrem jetzigen Beruf angekommen. Nach einem Ferienjob, der ihr von der LKW Kitzingen angeboten wurde, begann sie im September letzten Jahres ihre Ausbildung.

„Besonders stolz bin ich, wenn sich die Kunden freuen, dass ein Mädchen zum Heizung reparieren kommt.“
Stefanie Hahn, Auszubildende LKW

„Besonders stolz bin ich, wenn sich die Kunden freuen, dass ein Mädchen zum Heizung reparieren kommt“, sagt Hahn, die viele Mädels in ihrem Alter kennt, die sich eigentlich für Männerberufe interessieren, aber immer Angst hätten, in reinen Männer-Abteilungen zu arbeiten. „Irgendeiner muss halt mal anfangen, sich zu trauen“, sagt die Auszubildende, die als einzige Frau in ihrer Berufsschulklasse sitzt.

Der Beruf des Installateurs ist vielfältig. „Für mich ist kein Tag wie der Andere. Ich weiß morgens nie genau, was passieren wird. So wird es nicht langweilig“, sagt Hahn. Zu ihren Aufgaben im ersten Lehrjahr gehörten unter anderem Heizungs-Wartungen. Bei den Wartungen überprüft sie die Funktionsfähigkeit der Heizungen oder repariert sie, wenn nötig. Im Sanitärbereich kümmern sie und ihr Team sich erst um die Vormontage neuer Spülkästen. „Wenn dann gefliest wurde, kommen wir wieder und überprüfen noch mal alles und beginnen mit der Fertig-Montage“, erklärt Hahn.

Was auch noch zu ihren Aufgaben gehört: Die Sanierung defekter Gas- und Wasserleitungen. Bei all diesen Herausforderungen ist sich Stefanie Hahn sicher: Teamwork ist das A und O. Und das sehen bei der LKW alle so. „Die Auszubildenden bekommen keine blöden Antworten oder werden schlecht behandelt“, sagt sie. „Ich will auch keinen Sonder-Fahrschein, weil ich eine Frau bin. Jeder bekommt hier Hilfe, wenn er sie braucht“, erklärt Hahn.

Trotz allem: Für den Beruf muss man anpacken können. „Die körperliche Arbeit ist schwer. Aber wir haben schon viele moderne Geräte, die uns unterstützen“, erzählt die Auszubildende, die in ihrer Freizeit gerne nach München in die Allianz-Arena fährt.

„Einmal hab' ich es nicht geschafft, eine Schraube heraus zu drehen. Der Kollege meinte dann aus Spaß, ich schaffe das nicht, weil ich eine Frau bin. Er selber hat es dann aber auch nicht geschafft“, erinnert sich Hahn. Die 19-jährige fühlt sich sichtlich wohl in ihrem Ausbildungsberuf. „Als mal viel los war, durfte ich sogar alleine mit einem anderen Azubi zu einer Heizungs-Wartung fahren. Wir fanden das echt cool, dass man uns so vertraut hat.“

Die Ippesheimerin ist glücklich mit ihrer Arbeit. Der Beruf ist abwechslungsreich und fordert Köpfchen. „Ich sehe auch gerne verblüffte Gesichter, wenn Kunden mir nichts zugetraut haben, weil ich ein Mädchen bin, aber am Ende dann doch zufrieden waren.“ Sie empfiehlt jedem, sich zu trauen und keine Angst vor einem Beruf zu haben, in dem man die einzige Frau ist. „Ich kann den Ausbildungsberuf nur empfehlen. Bei uns ist immer super Stimmung und ich habe viele Kollegen, die auch nach der Arbeit mit mir Zeit verbringen“, verrät Hahn. Außerdem bekommt die junge Frau viel Anerkennung für das, was sie macht.

Frauen gehören hinter den Herd? „Das ist schon lange nicht mehr so“, ist sich Hahn sicher und empfiehlt jedem, der unsicher ist, ein Praktikum zu machen. Einfach mal schnuppern. Mit etwas Glück ist die richtige Ausbildungsstätte dabei.