Die einen waren nur ein bis drei Jahre zuhause, die anderen 18 oder gar 20 Jahre. Das Alter ist so unterschiedlich wie der Schulabschluss und die Familiensituation. Doch die knapp 1300 Frauen aus der Region haben ein gemeinsames Ziel: Sie wollen im Berufsleben erfolgreich sein. Sie alle haben die Unterstützung der Beratungsstelle „Frau & Beruf“ in Anspruch genommen.

Eigentlich hat die Beratungsstelle ihren Sitz in Bad Kissingen. Ihr Ziel: Frauen bei allen Fragen rund um das Berufsleben unterstützen. Nutzen können das nicht nur die Bürgerinnen der Kurstadt, sondern Frauen an insgesamt neun Standorten in Unterfranken. Auch mit dem Landkreis Kitzingen gibt es eine Kooperation: Seit Mai 2011 werden regelmäßig Beratungstage, Workshops, Vorträge und Coachings angeboten. Im Oktober und November stehen wieder vier Veranstaltungen an (siehe Infokasten).

Würde man versuchen, aus den statistischen Zahlen die „Durchschnittsfrau“ abzulesen, die das Beratungsangebot in Kitzingen annimmt, wäre sie zwischen 40 und 49 Jahre alt, verheiratet und hätte Kinder. Sie hätte einen Realschulabschluss und wäre arbeitssuchend. Insgesamt sind aber alle Gruppen vertreten: Von 20 bis über 59 Jahren, verheiratet, geschieden, ledig, getrennt, verwitwet, mit und ohne Kinder, mit Realschulabschluss, Hauptschule, Abitur oder Fachabitur oder ohne Abschluss, arbeitssuchend, angestellt oder arbeitslos.

Die meisten der Frauen, die zur Beratung nach Kitzingen kamen, wünschten sich Hilfe bei einer beruflichen Neuorientierung. Viele wollten sich für die Bewerbung beraten lassen, anderen ging es um die berufliche Qualifizierung.

„2014 waren bisher 350 Frauen bei uns in der Beratung“, informiert Beraterin Katrin Schmitt über die Gesamtzahlen der Beratungsstelle. Ein Blick auf die Statistik der letzten Projektphase vom 1. April 2011 bis Ende 2013 verdeutlicht, wie groß die Nachfrage ist: 947 Frauen ließen sich beraten, insgesamt wurden über 1800 Gespräche geführt.

Häufig suchen Frauen Unterstützung, die nach einer Familienpause zurück in den Beruf wollen, so Schmitt. In den Beratungsgesprächen geht es dann um verschiedene Themen: Wo liegen die Chancen für die Frauen, in den Beruf zurückzukehren? Welche Voraussetzungen bringen sie mit, wie lassen die sich gegebenenfalls verbessern? Wie sieht der Arbeitsmarkt aus? Wie bewirbt man sich richtig? Wie verhält man sich im Bewerbungsgespräch, mit welchen Fragen muss man rechnen? Es geht nicht nur um theoretisches Wissen, sondern auch um die Praxis: „Wir üben das in Rollenspielen“, sagt die Beraterin.

„Wir wollen keine Klischees bedienen.“
Katrin Schmitt, Beraterin

Etwa einmal pro Monat kommen die Beraterinnen nach Kitzingen. Etwa vier Gespräche sind an so einem Tag möglich, erklärt die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, Elisabeth Schmitt. Mindestens 90 Minuten sollen für ein Gespräch zur Verfügung stehen. Die Nachfrage ist vorhanden: „Wir sind gut ausgebucht.“ Das gilt auch für den Sprechtag im Oktober – erst für November kann man sich wieder anmelden.

Kosten fallen für die Beratungsgespräche nicht an. Finanziert wird das Projekt aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit, Soziales, Familie und Integration. Der Landkreis steuert 2300 Euro bei, die über das Budget der Gleichstellungsstelle abgedeckt werden.

14 Beratertage wurden im vergangenen Jahr im Kleinen Sitzungssaal des Landratsamtes abgehalten. 49 Neukundinnen kamen dabei zum Gespräch. Nicht immer bleibt es bei einem Termin, weiß Katrin Schmitt aus Erfahrung. Es gibt Frauen, die sich immer wieder melden.

Neben den kostenlosen Beratertagen wurden im Landkreis Kitzingen auch Seminartage angeboten, für die Nicht-Arbeitslose eine geringe Gebühr zahlen müssen. Neun Frauen trafen sich 2013 regelmäßig über sechs Monate in der Coachinggruppe, um die eigene Situation zu reflektieren. Zudem gab es ein eintägiges Rhetorik-Seminar.

„Sie würde gerne nein sagen, aber sie traut sich nicht.“
Katrin Schmitt, Beraterin

14 Frauen nahmen an dem Workshop „Überzeugend argumentieren auch im Job“ teil. Es ging dabei nicht nur um die Grundlagen der Kommunikation. Gespräche gezielt steuern, Redehemmungen abbauen, Mimik und Gestik bewusst einsetzen waren laut Elisabeth Schmitt weitere Ziele. „Man kommuniziert immer“, sagt Katrin Schmitt. Doch seien sich Frauen oft nicht bewusst, welche Signale sie mit Gestik, Mimik oder Körpersprache aussenden. „Das kann man gezielt einsetzen und auch üben.“

Nicht nur mit der Kommunikation, sondern auch mit dem kleinen Wörtchen „nein“ tun sich viele Frauen schwer. „Wir wollen keine Klischees bedienen“, betont Katrin Schmitt. Aber die Gespräche mit den Frauen sprächen für sich: Frauen wollen, dass es harmonisch zugeht, sie helfen gerne, so die Erfahrung der Beraterinnen.

Die Gefahr dabei: Das kann zu Lasten der Frau selbst gehen. „Sie würde gerne nein sagen, aber sie traut sich nicht“, sagt Schmitt. Doch wer sich selbst ein bisschen schützen möchte, muss lernen, Grenzen zu ziehen. Zum Beispiel mit Unterstützung der Beratungsstelle „Frau & Beruf“.

Beratungstage, Workshops und Seminare

Tagesseminare: „Sicher und kompetent im Beruf“findet am Donnerstag, 23. Oktober, von 9 bis 16 Uhr statt. „Königsdisziplin Körperausdruck – Frau kann nicht kommunizieren!“ wird am Donnerstag, 13. November, von 9 bis 16 Uhr angeboten.

Workshops: „Meine Ressourcen entdecken“ am Dienstag, 4. November, von 18 bis 21 Uhr. „Selbstbewusst nein sagen“am Dienstag, 25. November, von 18 bis 21 Uhr.

Kosten: Die eintägigen Seminare kosten insgesamt 25 Euro. Bei Vorlage eines aktuellen Arbeitslosengeldbescheides entfällt die Gebühr. Die Teilnahme an den Abendveranstaltungen ist kostenfrei.

Beratungstage: Einmal monatlich im kleinen Sitzungssaal des Landratsamtes Kitzingen – nur mit Anmeldung. Terminvergabe über das Büro in Bad Kissingen

unter Tel. (09 71) 72 36-2 04. Der Oktobertermin ist ausgebucht, nächster Termin ist am Dienstag, 11. November. Die Beratung ist kostenlos.

Anmeldung: Beratungsstelle Frau & Beruf, Tel. (09 71) 72 36-1 60 oder -2 04, E-Mail: beratung@rsg-bad-kissingen.de. Alle Angebote gibt es auch im Internet unter www.frauundberuf-rsg.de

Kontakt: Ansprechpartnerin in Kitzingen ist die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, Elisabeth Schmitt, Tel. (0 93 21) 9 28-52 15.