Prichsenstadt Der Schwedenschimmel ist ein ausgestopftes Schlachtross des schwedischen Königs Gustav II. Adolf, das während eines Erkundungsrittes des Königs einst in Ingolstadt von einer Kugel getroffen und getötet wurde. Dass es in Prichsenstadt ein Pferd mit ähnlichem Schicksal gegeben haben soll, ist kaum bekannt. Mit dieser Geschichte trumpft Autorin Kerstin Ackermann in ihrem neuesten Kurzkrimi auf. Es verspricht spannend zu werden.

Frage: Kalte Wintertage sind wie gemacht, um sich aufs Sofa zu kuscheln und ein Buch zu lesen. Sie liefern dazu den Stoff. Um was geht es in ihrem Kurzkrimi „Der Prichsenstädter Schwedenschimmel“?

Kerstin Ackermann: Die Geschichte spielt im Herbst des Jahres 1878, als Prinz Luitpold zu Bayern, der noch nicht Prinzregent war, Prichsenstadt besuchte. Ein großes Ereignis für eine kleine Stadt, in der die Elektrizität noch keinen Einzug gehalten hatte. Der Einzug von Prinz Luitpold anlässlich eines Truppenmanövers wurde in Teilen sogar einmal vom Militärmuseum in Stammheim nachgespielt. Mein Krimi verwebt die Geschicke zweier Winzerfamilien in Prichsenstadt mit denen eines Nachtwächters und eines ominösen Reiters, der tatsächlich in den Straßen des Städtchens gespukt haben soll.

Wie sahen Ihre Recherchen zu der Geschichte aus?

Kerstin Ackermann: Anfangs vor allem eisig kalt. Zusammen mit meinem Mann nahm ich im Dezember 2018 an einer wunderbaren Nachtwächterführung von Martin Assel in Prichsenstadt teil. Dabei hörte ich zum ersten Mal von jenem Geisterreiter, der in Prichsenstadt gesehen worden sein soll. Als Martin Assel dann auch noch vom Fund eines Pferdeskeletts erzählte, das bei Bauarbeiten an der Stadtmauer entdeckt worden war, war für mich als Pferdenärrin klar: Der Schimmel muss ins Buch!

Und Sie haben weiter recherchiert.

Kerstin Ackermann: Genau. Um den Krimi so detailreich und so richtig wie möglich schreiben zu können, führte ich noch Gespräche mit Ina Kessler und Susanne Wanya, in deren Winzerhöfen Keßler und Gasthaus „Zum Storch“ in meiner Geschichte gemordet wird. Dabei entstand übrigens auch die Idee, Lesungen an den beiden „Original“-Schauplätzen zu veranstalten.

Der Kurzkrimi ist einer von insgesamt neun aus dem Buch „Weinfrankenmorde“. Verschiedene Autoren aus der Gegend haben sich hier zusammengetan. Ist etwas in die Richtung noch einmal geplant?

Kerstin Ackermann: Tatsächlich handelt es sich bei den „Weinfrankenmorden“ schon um den zweiten Teil einer „Reihe“. Die erste Anthologie dieser Art – die „Bocksbeutelmorde“ – sind bereits 2016 bei Ars vivendi erschienen. Die Herausgeberin beider Bücher ist Tessa Korber, die als Schriftstellerin in der Region sehr bekannt ist. Ob es noch einmal ein ähnliches Projekt gibt, entscheiden vermutlich unter anderem die Verkaufszahlen.

Sie sind schon lang fasziniert von historischen Romanen. Reizt es Sie nicht, auch mal einen Roman zu schreiben, der in der Gegenwart spielt?

Kerstin Ackermann: In der Gegenwart bewegen wir uns doch alle tagtäglich. Ich entführe meine Leser gerne in eine andere Zeit und finde es ungemein spannend, die Geschichte der eigenen Heimat zu erforschen. Zu allen Zeiten gab es Menschen, Orte und Dinge, die es wert sind, lebendig gehalten und erzählt zu werden.

Wann haben Sie die größte Muse, um zu schreiben? Und an welchen Tagen beziehungsweise in welchen Momenten lassen Sie es lieber sein?

Kerstin Ackermann: Am kreativsten bin ich in den frühen Morgenstunden, wenn der Kopf noch frei ist. Da ich voll berufstätig bin, lässt sich das also nur an den Wochenenden und im Urlaub umsetzen. Wenn die Tage hektisch sind und der Terminplan voll ist, lasse ich den Laptop aus. An diesen Tage verfasse ich höchstens mal ein paar handschriftliche Notizen. Wenn ich die irgendwann durchsehe, frage ich mich leider oft, warum ich mir dieses oder jenes notiert habe. Am schönsten ist das Schreiben übrigens, wenn meine Katze mit auf dem Schreibtisch sitzt und zusieht.

An ihrem ersten Roman „Der Farbensammler“ haben Sie drei Jahre gearbeitet, „Das Blutwunder“ war nach zwei Jahren gedruckt. Seitdem ist ein Jahr vergangen. Dürfen sich Ihre Fans schon bald auf einen dritten Band freuen?

Kerstin Ackermann: Aktuell gibt es leider noch kein neues Projekt. Dieses Jahr stand ganz im Zeichen des Schwedenschimmels. Jetzt ist der Krimi gedruckt und ich überlege, womit es weitergehen soll. Ideen gäbe es einige.

Auf einen Blick

Zur Person: Die Autorin Kerstin Ackermann stammt aus dem Landkreis Dingolfing-Landau in Niederbayern, lebt aber seit neun Jahren im Landkreis Kitzingen. Als Autorin hat sie ihren Mädchennamen Kerstin Waas, mit dem sie zu schreiben begann, beibehalten. In Unterfranken entdeckte sie auch ihre Begeisterung fürs Schreiben. 2015 veröffentlichte sie ihren ersten Roman – ein historischer Kriminalroman mit dem Titel „Der Farbensammler“. 2016 folgte ein Kurzkrimi, der in der Anthologie „Bocksbeutelmorde“ erschien. 2018 kam ihr zweiter Roman „Das Blutwunder“ heraus.

Zur Lesung: Am Freitag, 27. Dezember, liest Kerstin Waas-Ackermann aus ihrem neuen Kurzkrimi „Der Prichsenstädter Schwedenschimmel“. Das Ganze findet im Winzerhof Keßler in Prichsenstadt im Rahmen eines 2-Gang-Menüs mit passenden Weinen statt. Beginn ist um 19 Uhr. Der Eintritt beträgt 38 Euro, Anmeldung unter Tel. 09383/2610. Ein paar Plätze für Spontane sind noch frei – und bei genügend Nachfrage spricht auch nichts gegen eine Wiederholung.