Kitzingen Zu wenig Impfdosen, Schwierigkeiten bei der Anmeldung und die Frage, ob jeder Impfstoff auch tatsächlich bei den Bürgern ankommt. Es gibt viele Fragen rund um den Impfstart. Seit zwei Monaten wird auch im Landkreis Kitzingen gegen Corona geimpft. Landrätin Tamara Bischof zieht ein durchwachsenes Resümee.

Sind Sie mit dem Impfstart im Landkreis Kitzingen zufrieden?

Bischof: Der Impfstart im Landkreis Kitzingen ist rein von der Logistik her, die wir als Landkreis mit unseren Dienstleistern BRK und der Klinik Kitzinger Land aufgebaut haben, gut angelaufen. Seit dem 4. Januar wären wir in der Lage gewesen, pro Tag 450 Impfungen im Landkreis durchzuführen.

Aber?

Bischof: Die Impfstofflieferung seitens des Landes und des Bundes ist nicht gut gelaufen. Wir haben anfangs sehr wenig Impfstoff bekommen. Los ging es im Dezember mit 100 Dosen pro Woche, dann kamen im Schnitt 300 Dosen in der Woche. Gleich zu Beginn hatten wir so eine Impfwarteliste von über 600 Personen, die dann ein- bis zweimal bezüglich eines möglichen Impftermins verschoben werden mussten, was natürlich für die Betroffenen als auch für die Impfzentren sehr ungünstig war.

Gibt es auch gute Nachrichten?

Bischof: Sehr gut gelaufen ist die Arbeit der mobilen Impfteams in den Senioreneinrichtungen, die allerdings bezüglich der Geschwindigkeit natürlich ebenfalls abhängig von dem gelieferten Impfstoff war. Es hätte schneller gehen können, wenn wir entsprechend der möglichen Impfkapazität auch Impfstoff geliefert bekommen hätten. Mittlerweise ist die Warteliste abgebaut. Die zu impfenden Personen werden aus dem Impfprogramm Bayimco selbstständig eingeladen.

Um das es auch Diskussionen gab.

Bischof: Die bayernweite Software BayImCo, die in allen bayerischen Impfzentren verwendet werden muss, wurde nicht zeitgleich mit dem Start der Impfzentren zur Verfügung gestellt, was schwierig war. Auch jetzt hat die Software noch Schwachstellen, die nach und nach vom Freistaat Bayern verbessert werden. Anfangs konnte zum Beispiel eine E-Mailadresse nur für eine Anmeldung verwendet werden, was gerade bei der älteren Generation, wenn die Kinder die Anmeldung übernommen haben, zu Recht zu großer Kritik geführt hat. Dies ist mittlerweile abgestellt. Es können sich bis zu fünf Personen über eine E-Mail-Adresse im Impfprogramm registrieren lassen. Auch die Einladung über das Impfprogramm selbst, die automatisiert vonstatten geht, ist bezüglich der Priorisierung nicht ohne Schwachstellen, was zu Unmut bei den Bürgern und erheblichem Mehraufwand in den beiden Impfzentren führt.

Welche Rückmeldungen bekommen Sie von den Bürgern?

Bischof: Viele sind mit dem Impfstart unzufrieden und lassen mich das auch wissen, in zahlreichen Gesprächen, Telefonaten und Schreiben. Doch leider können wir die Impfstoffmengen nicht beeinflussen, die wir entsprechend unserer Bevölkerungszahl erhalten: erst seit Mitte Februar sind die wöchentlich gelieferten Impfdosen auf 1600 bis 1800 angestiegen.

Auch das ist zu wenig.

Bischof: Ab April sind deutlich höhere Impfstoffmengen angekündigt. Wir müssen die Impf-Kapazitäten auf knapp 800 Impfungen pro Tag anheben. Wenn wir in ein paar Wochen tatsächlich diese Menge pro Tag verimpfen können und unsere Impfzentren ausgelastet sind, dann bin ich zufrieden.

Wie viele Menschen wurden bereits geimpft?

Bischof: In beiden Impfzentren und mobilen Teams sind es bei der Erstimpfung 4996 Personen und bei der Zweitimpfung 2284 Personen. Stand Freitagvormittag, 26. Februar.

Sind die Personen in Stufe 1 der Impf-Priorisierung damit durch?

Bischof: Unsere Seniorenheime sind Anfang März bis auf Einzelimpfungen abgeschlossen mit der Erst- und Zweitimpfung, auch das dortige Personal. Das ist äußerst erfreulich! Bisher hatten die Seniorenheime Priorität und ein Großteil des Impfstoffs ist dorthin geflossen. Nun können wir deutlich mehr Impfstoff in die Impfzentren geben und wir können mehr über 80-jährige Bürger einladen, die sich über das Programm oder telefonisch registriert haben. Wir haben etwa 6300 über 80-Jährige im Landkreis. Von ihnen sind etwa 2600 bereits geimpft.

Das heißt, die Personen in der Prioritätenlise 1 sind bald durchgeimpft?

Bischof: Die Frage, ob und wann eine Priorisierungsstufe „abgeschlossen“ ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Zum einen mussten wir nie die Zahl erheben, wie viele Personen in die jeweilige Gruppe gehören, das hätte einer komplexen Abfrage aller Arztpraxen, mobiler Pflegedienste, Krankenhäuser und so weiter bedurft, und zum anderen ändert sich ja auch die Zuordnung. Zum Beispiel wurden die Zahnärzte in die Prio 1 aufgenommen und auch die Erzieher, Grund- und Förderschullehrer sind ja mittlerweile in der Gruppe mit hoher Priorität.

Wie hoch ist die Auslastung derzeit in den beiden Impfzentren?

Bischof: Aktuell sind die Impfzentren, wie bereits beschrieben, nicht voll ausgelastet, da wir nicht ausreichend Impfstoff bekommen.

Lagert auch hier Impfstoff, der nicht an den Mann/die Frau gebracht wird?

Bischof: Nein, bisher haben wir jede Impfung an den Mann oder die Frau gebracht. Es kommt vor, dass Personen einen Impfstoff ablehnen oder dass ein Bürger nicht geimpft werden kann, weil er beim Termin zum Beispiel erkrankt ist. Es ist bayernweit klar geregelt, wie es laufen muss, wenn Impfstoff übrig bleibt.

Wie?

Bischof: Die Impfzentren mussten eine Liste erstellen mit Personen der Prio 1, auf die sie rasch zurückgreifen können. Das sind zum Beispiel Ärzte, entsprechendes medizinisches Personal und so weiter. Die werden flexibel angerufen. Als erstes versuchen die Impfzentren aber immer aus den Anmeldungen über 80-Jährige rauszusuchen, was relativ aufwändig ist, da BayImCo das Alter nicht auf Anhieb anzeigt. Es wird dann versucht, die Personen spontan einzubestellen. Was nicht immer gelingt, da der Termin dann quasi sofort ist.

Klingt komplizierter als es nötig wäre.

Bischof: Es ist aber bisher immer gelungen, den Impfstoff komplett zu verimpfen. Darüber hinaus müssen die Impfzentren dem Landratsamt jeden Abend mitteilen, an welche Personen Restimpfstoffe verimpft wurden.

Welche Priorisierung würden Sie jetzt befürworten? Lehrer und Kindergarten-Personal zuerst?

Bischof: Unsere Kinder und Jugendlichen mussten in den vergangenen Monaten auf extrem viel verzichten. Dabei wünschen wir uns alle, dass sie unbeschwert aufwachsen können. Deshalb finde ich es wichtig, dass sie – soweit es geht – Normalität im Alltag erleben. Dazu gehören Kita und Schule. Aber die Erzieher, Kinderpfleger, Grundschullehrer und Betreuer müssen ausreichend geschützt werden, weshalb ich die Entscheidung, sie in die hohe Priorisierung aufzunehmen, gut finde. Ich hoffe aber, dass wir bald so viel Impfstoff zur Verfügung haben, dass wir nicht mehr darüber diskutieren müssen, wer zuerst geimpft wird und wer noch warten muss.

Wenn Sie Gesundheitsministerin wären: Was hätten Sie anders gemacht?

Bischof: Rückblickend betrachtet ist es immer leicht, Verbesserungsvorschläge zu machen. Eine Lehre aus dem gesamten Impfthema sollte aber sein, nicht zu früh zu hohe Erwartungen zu wecken. Das führt unweigerlich zu Unverständnis und Unmut. Dass die Impfzentren am 15. Dezember 2020 bereitstehen mussten und auf Biegen und Brechen am 27. Dezember losgeimpft wurde, wäre sicher nicht nötig gewesen. Vor allem hätte auch die bayernweite Software BayImCo bereits zum Start vollumfänglich zur Verfügung stehen müssen und die Impfpriorisierung hätte klarer sein können. Aber – keiner von uns hat jemals eine Pandemie erlebt und es ist klar, dass Fehler passieren, in der Kommunikation hätte aber sicher vieles besser gemacht werden können.