Und jetzt? Büchertasche in die Ecke und sechs Wochen abhängen? Oder gleich wieder ran an die Schulbücher, um die freie Zeit zu nutzen? Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen.

Heute ist der erste Ferientag. 48 Tage ohne Schule liegen vor den Kindern. Eine wichtige Zeit. „Zuerst einmal sollten sich die Kinder unbedingt erholen“, empfiehlt Psychologin und Lerntherapeutin Uta Hilsebein. Zwei Wochen ohne Lernstress tun den Kindern richtig gut – zumal sie auch in dieser Zeit lernen. Anders halt. Nicht das, was in der Schule verlangt wird, sondern das, worauf sie selbst einen Fokus legen.

„Die Schule nimmt einen immer größeren Stellenwert in der Familie ein.“
Anita Engert Beratungslehrerin

„Das Kinder- und Jugendalter ist das Alter der Neugier“, erinnert Hilsebein. Die Zeit, diese Neugier auch stillen zu können, brauchen Kinder. In den großen Ferien haben sie die Gelegenheit dazu. Wenn die Eltern sie lassen.

„Die Ferien sind zur Erholung da“, sagt auch die Beratungslehrerin an der Richard-Rother-Realschule, Anita Engert. Abstand gewinnen und neue Erfahrungen sammeln. Darum geht es in dieser Zeit. Um gemeinsame Unternehmungen und die Pflege von Beziehungen. Ob zur Familie oder zu Freunden. „Die Schule nimmt einen immer größeren Stellenwert in der Familie ein“, warnt Engert. „Die Sommerferien sind die einzige Chance, um einmal ausbrechen zu können.“ Gerade beim gemeinsamen Familienurlaub hätten Schulbücher deshalb nichts verloren. „Die gehören nicht in den Reisekoffer“, sagt auch Schulpsychologin Monika Hartig-Klein.

Jedes Kind ist anders. Eine Binsenweisheit. Die Folge daraus: Jedes Kind lernt anders und muss in den Schulferien anders betreut werden. Grundschüler, die wenig Lust auf Schreiben und Lesen haben, können zum Beispiel auch in den Ferien spielerisch gefördert werden. Postkarten an die Großeltern oder das erste eigene Tagebuch können helfen. Und abends wird vor dem Einschlafen gemeinsam ein Buch gelesen. „So lernen die Kinder, ohne es zu merken“, sagt Hartig-Klein, die am Schulamt Kitzingen für die Volksschulen zuständig ist.

„Die Eltern sind keine Nachhilfelehrer. Das ist ganz wichtig.“
Monika Hartig-Klein Schulpsychologin

Auch ältere Schüler, bei denen im nächsten Schuljahr eine Abschlussprüfung ansteht, tun gut daran, in den Sommerferien etwas für die Schule zu tun. Gezielt und nicht stundenlang. „Die Schule darf nicht die ganze Zeit über ein Thema sein“, empfiehlt Hartig-Klein. Stattdessen die Zeit und den Stoff einteilen. Eine Stunde nach dem Frühstück beispielsweise, um Vokabeln zu wiederholen oder mathematische Aufgaben zu lösen. „Wer rastet, der rostet“, sagt auch Uta Hilsebein. Will heißen: Wer über einen längeren Zeitraum nichts lernt, bei dem lässt die Intelligenzleistung nach. Ihr Tipp: Lernziele klar definieren. „Kleine Schritte sind dabei sinnvoll.“

Eine halbe Stunde pro Tag Vokabeln wiederholen oder Mathe üben. Das empfiehlt auch Anita Engert für die letzten zwei, drei Wochen der Ferien. „Man sollte die Lernzeit auf jeden Fall begrenzen.“ Und man sollte auf keinen Fall nur wegen des anstehenden Übertritts von der vierten Klasse in die weiterführende Schule lernen. Hartig-Klein weiß, wovon sie spricht. In dieser speziellen Zeit ist der Wunsch der Eltern oft wichtiger als die Begabung der Kinder. Und das wirkt sich selbst auf die großen Ferien aus. „Der Übergang muss ohne Zusatzübungen geschafft werden“, wünscht sich Hartig-Klein. Auch diejenigen, die sich auf eine große Prüfung vorbereiten, sollten sich zunächst einmal zwei Wochen erholen. Und dann etwaige Lücken schließen oder Übungen automatisieren. „Die Eltern fungieren dabei nicht als Nachhilfelehrer“, betont Hartig-Klein. „Das ist ganz wichtig.“

Richtig erholen. Und dann ganz gezielt und zeitlich begrenzt aufs neue Schuljahr vorbereiten. So lautet die Quintessenz der Experten. So gesehen machen Bertha Leybach und Isabelle Solon alles richtig. Die Fünftklässler aus dem AKG fahren erst mal mit ihren Eltern in Urlaub. „Und da machen wir nichts für die Schule“, sagt Isabelle. Später dann wollen sie Latein-Vokabeln wiederholen. Eine Stunde am Tag. Höchstens.

Latein scheint das Fach zu sein, das die meisten Schüler bis in die Ferien verfolgt. Patrick Zagorski und Nicolas Emmel aus der achten Klasse wollen sich jedenfalls auch mit dem Vokabel lernen beschäftigen – nach einer angemessenen Erholungszeit. „Die letzten zwei Wochen werde ich wohl etwas für die Kernfächer machen“, sagt Nicolas Emmel. Bis dahin bleibt die Büchertasche in der Ecke.