An diesem Samstag findet der Vorentscheid zur Wahl der 73. Deutschen Weinkönigin statt. Das Anbaugebiet Franken ist zum zweiten Mal nacheinander nicht dabei. Ein Imageschaden? Auf keinen Fall, meinen die Verantwortlichen.

Weinbaupräsident Artur Steinmann nimmt kein Blatt vor den Mund. „Die Deutsche Weinkönigin spielt für Franken keine Rolle“, sagt er. Zwar sei es schön, wenn die neuen Repräsentantinnen ihre Antrittsbesuche in Franken absolvieren. Einen Werbeeffekt habe die Deutsche Weinkönigin in der Regel aber nicht für Franken. Auch für alle anderen Anbaugebiete halte sich der Nutzen in Grenzen. Das liegt für Steinmann an der Wertschätzung, die dem Amt von Seiten des Deutschen Weininstitutes entgegengebracht wird. „Es ist sträflich, wie dieses Amt vernachlässigt wird“, kritisiert er. In den letzten Jahren hätten fast alle gewählten Frauen nach ihrer Regentschaft einen kritischen Brief ans DWI geschickt. „Der wird abgeheftet, mehr nicht“, staunt Steinmann.

Erneut keine fränkische Bewerberin dabei: Artur Steinmann hat resigniert

Während die neuen Fränkischen Weinköniginnen der letzten Jahre ihren Antrittsbesuch bei Kanzlerin Angela Merkel absolvierten, war eine Deutsche Weinkönigin nicht einmal bei Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner zu Besuch. Dabei war Klöckner im Jahr 1995/1996 selbst Deutsche Weinkönigin. „Die Ministerin hat mir versichert, dass ihre Türen immer offen stünden“, sagt Steinmann und klingt ein wenig resigniert. Er habe sein Anliegen, die Rolle der Deutschen Weinkönigin aufzuwerten, zig Mal vor dem Präsidium des DWI vorgebracht, versichert der Sommerhäuser. „Ich bin aber immer wieder abgeblitzt.“

Kein Verständnis dafür hat auch der Geschäftsführer des Fränkischen Weinbauverbandes, Herrmann Schmitt. „Das Amt der Deutschen Weinkönigin muss unbedingt aufgewertet werden“, fordert er. „Sie sollte das Gesicht von allen Anbaugebieten sein.“ Dass die Franken zum zweiten Mal hintereinander nicht bei der Wahl vertreten sind, stellt auch für ihn kein Problem dar, die Entscheidung, die Wahlen im eigenen Anbaugebiet zweimal hintereinander abzusagen, verteidigt er. „So eine Wahl macht nur als Präsenzveranstaltung Sinn. Und die war wegen Corona nicht möglich.“

Und so ist Carolin Meyer aus dem Casteller Ortsteil Greuth im dritten Jahr in Folge Fränkische Weinkönigin. Nach ihrer ersten Wahl im März 2019 trat sie im folgenden Herbst bei der Wahl zur Deutschen Weinkönigin an, schied in der Vorrunde aus. In den folgenden zwei Jahren kam eine Teilnahme für sie nicht mehr in Frage. „Das war auch immer so mit dem Fränkischen Weinbauverband abgesprochen“, versichert sie. Das Amt als Fränkische Weinkönigin mache ihr nach wie vor Spaß, etwa 80 Auftritte absolviert sie in diesem Jahr. Mehr sei aus beruflichen Gründen gar nicht möglich. Ein Jahr als Deutsche Weinkönigin oder als eine ihrer beiden Vertreterinnen passe gar nicht mehr in ihre Lebensplanung.

Die guten Erinnerungen von Marlies Dumbsky

Die letzte deutsche Weinkönigin aus Franken war Marlies Dumbsky. Sie kann die Entscheidung von Carolin Meyer nachvollziehen, findet es aber schade, dass Franken bei der Wahl erneut nicht vertreten ist. „Diese Wahl ist ein riesengroßer Werbe-Apparat“, sagt sie. Die Kritik von Artur Steinmann und Herrmann Schmitt kann sie nicht nachvollziehen. „Ich habe mich rundum wohlgefühlt und wurde vom DWI sehr gut unterstützt“, versichert sie. Eine eigene Stelle sei dort für die Weinkönigin eingerichtet, Termine werden gebucht, Informationen weitergegeben. Als Deutsche Weinkönigin habe sie natürlich auch für Franken Werbung gemacht. „Ich hatte fast immer ein paar Bocksbeutel dabei“, erinnert sie sich. Eine gewisse Selbstständigkeit sei vorausgesetzt worden. „Aber die habe ich regelrecht genossen.“

Ihre Zeit als Deutsche Weinprinzessin hat auch Christina Bielek (geb. Schneider) grundsätzlich genossen. Die Fränkische Weinkönigin von 2016/2017 wurde im Herbst 2016 auch zur Deutschen Weinprinzessin gewählt. Rund 50 Termine hatte sie in dieser Funktion zu absolvieren. Nach Norwegen oder Hong Kong ist sie beispielsweise alleine gereist. „Das hat mich reifen lassen“, sagt sie im Rückblick. Verbesserungsbedarf sieht sie dennoch im DWI. „Ein Stück weit wird man allein gelassen“, bedauert sie. In Franken genieße das Amt der Weinkönigin ein hohes Ansehen. Bei Auftritten in Wuppertal oder Paderborn im Auftrag des DWI fehlte es im Vorfeld an Werbung. Zusammen mit ihren damaligen Amtskolleginnen hatte sie dem Verband auch ein Schreiben mit Verbesserungsvorschlägen zukommen lassen. „So wie ich das sehe, ist bislang aber nichts davon umgesetzt worden.“

Dass Franken zum zweiten Mal in Folge nicht an der Wahl teilnimmt, ist für Christina Bielek bedauerlich. „Obwohl ich Carolin Meyer natürlich gut verstehen kann.“ Die Wahl sei ein Event und werde deutschlandweit verfolgt. Der SWR als übertragender Sender gibt Einschaltquoten von 16 bis 17 Prozent an. Dass sich Franken dort nicht präsentiert, ist für Bielek ein Fehler. Zumal das Anbaugebiet auch eine andere Bewerberin schicken könnte. „Das wird von der Fränkischen Gebietsweinwerbung aber nicht gerade offensiv kommuniziert“, sagt sie. Marlies Dumbsky kann das verstehen. Eine gewisse Erfahrung und eine große Fachkenntnis seien vonnöten, um bei der Wahl anzutreten. „Da kann man nicht einfach so jemanden hinschicken.“

In Franken: Amt quasi "hauptberuflich"

Die letzte deutsche Weinprinzessin aus Franken war Klara Zehnder aus Randersacker. Sie wurde 2018 gewählt, studiert mittlerweile in München Tourismuswirtschaft. Diesen Samstagnachmittag hat sie sich dick im Kalender angestrichen. Den Vorentscheid will sie zusammen mit ihren beiden damaligen Kolleginnen via Skype anschauen. Zwischen 130 und 150 Auftritte hatte Klara Zehnder in ihrer Zeit als Deutsche Weinprinzessin zu bewältigen – deutlich weniger als in ihrem Amt als Fränkische Weinkönigin. 380 waren es da, was ihre Amtskolleginnen in den anderen Anbaugebieten regelmäßig staunen ließ. „Wir in Franken machen das quasi hauptberuflich“, sagt sie. „Die anderen eher nebenbei.“

Der Vorentscheid ist als Live-Stream am 18. September, ab 15.45 Uhr über die Homepage des Deutschen Weininstituts (DWI) deutscheweine.de und auch via deutscheweinkoenigin.de sowie swrfernsehen.de/weinkoenigin zu sehen. Der SWR sendet am 19. September, ab 14.25 Uhr eine Zusammenfassung. Das Finale ist am 24. September wieder als Live-Stream ab 19.30 Uhr zu sehen. Der SWR sendet am gleichen Tag live ab 20.15 Uhr.