Einfach haben sie es nicht. Die Planungen laufen seit Wochen. Und dennoch: Ganz sicher war es bis zuletzt nicht, ob – und vor allem wie – die Gottesdienste an Heiligabend gefeiert werden können. Jetzt gehen der katholische Pfarrer Gerhard Spöckl und sein evangelischer Kollege Thilo Koch an die Öffentlichkeit. Bis zum Fest der Liebe sind es ja nur noch sechs Tage. Und die Menschen wollen trotz mancher Unwägbarkeiten informiert sein.

Die Anrufe nehmen von Tag zu Tag zu. Sekretärin Sonja Kunz hat im katholischen Pfarrbüro einiges zu tun, um alle Anfragen zu beantworten. Klar: An Weihnachten wollen die Menschen in den Gottesdienst – auch diejenigen, die sich im Jahresverlauf sonst eher selten in der Kirche sehen lassen. In diesem Jahr ist alles anders – auch an Weihnachten. Und dennoch soll es für möglichst viele Menschen ein Angebot geben.

„Nur mit Voranmeldung“, sagt Thilo Koch und zieht die Augenbraue hoch. Wer an einem der drei geplanten Open-Air-Gottesdienste am Bleichwasen teilnehmen will, der muss sich vorher eine Eintrittskarte gesichert haben. Die gibt es – so lange der Vorrat reicht – im katholischen Pfarramt am Freitag, 18. Dezember, von 8 bis 12 Uhr, am Montag, 21. Dezember, von 8 bis 12 und 14 und 17 Uhr und im evangelischen Pfarramt am Dienstag, 22. Dezember, von 8 bis 12 und 14 bis 17 Uhr.

Alle zwei Stunden wird es einen Gottesdienst geben, der erste beginnt um 15.30 Uhr, der letzte um 19.30 Uhr. Eine halbe Stunde rechnen die Akteure pro Gottesdienst. „Dann haben wir genug Zeit, um das Areal zu räumen, ohne dass sich viele Menschen begegnen“, erklärt Frank Gimperlein.

Der Vorsitzende des Stadtmarketingvereins ist von den beiden Pfarrern mit ins Boot geholt worden – als Experte für die Organisation von größeren Veranstaltungen. Maximal 200 Menschen dürfen pro Gottesdienst auf dem Bleichwasen zusammenkommen. Bis Mittwochnachmittag war nicht klar, ob die Veranstaltungen unter diesen Vorgaben überhaupt stattfinden sollen. Dann setzten sich die drei Akteure noch einmal zusammen und entschieden: Wir ziehen die Sache durch. Auch wenn es schmerzliche Abstriche zu beachten gilt.

„Die neueste Verschärfung von Markus Söder hat unsere Pläne noch einmal durcheinandergeworfen“, sagt Thilo Koch. Eigentlich sollte um 21.30 Uhr der letzte Open-Air-Gottesdienst über die Bühne gehen – die Ausgangssperre ab 21 Uhr gilt in Bayern auch an Heiligabend. Eigentlich sollten gemeinsam Weihnachtslieder gesungen werden. „Das ist jetzt nicht mehr möglich.“ Musik soll trotzdem eine zentrale Rolle in den drei Einheiten spielen. „Die Kantoren werden sich schon etwas ausdenken“, sagt Gerhard Spöckl hoffnungsvoll.

Nach einer kurzen Einführung gibt es ein Musikstück, dann eine Weihnachtsgeschichte, Gebete und Gedanken zu Weihnachten. „Die Besucher sollen etwas Vertrautes erleben“, erklärt Spöckl die Zielsetzung. Ein E-Piano wird zur musikalischen Untermalung auf der Bühne stehen, eventuell kommt auch eine kleine Abordnung von Bläsern.

Angesichts der sich dauernd ändernden Vorschriften ist Flexibilität gefragt. Spöckl spricht von einem „erfinderischen Notprogramm“. Mit seinem evangelischen Kollegen sei er sich von Anfang an einig gewesen: Lieber etwas Kleines auf die Beine stellen, als gar nichts.

Und so wird der Aufbau auf dem Bleichwasen übersichtlich sein. Gimperlein und seine Helfer werden eine mobile Bühne mit einer professionellen Sound-Anlage errichten, ein paar beleuchtete Bäume aufstellen und die Alte Mainbrücke beleuchten. „Das Gelände, auf dem die Gottesdienste stattfinden, wird eingezäunt“, kündigt er an. „Vorschrift.“

„Die neueste Verschärfung von Markus Söder hat unsere Pläne noch einmal durcheinandergeworfen.“
Thilo Koch, Evangelischer Pfarrer

An den Eingängen werden die Tickets überprüft. Pro 20 Besucher muss ein Ordner gestellt werden. Bedauerlich für Pfarrer Spöckl: Die katholische Christmette in St. Johannes darf nicht, wie gewohnt, um 22.30 Uhr stattfinden. Sie wird auf 19.30 Uhr vorverlegt. In den Ortsteilen und Gemeinden der Pfarreiengemeinschaften sind ebenfalls Gottesdienste im Freien geplant, beispielsweise in Sulzfeld und Biebelried (16 Uhr) oder in Hoheim auf dem Sportgelände (18 Uhr). Auch die evangelische Kirche plant Open-Air-Veranstaltungen in Hohenfeld oder Kaltensondheim. „Natürlich sind dazu immer alle Gläubigen eingeladen“, betont Thilo Koch und sein katholischer Kollege nickt. Die beiden Kirchen haben sich in Kitzingen während der Corona-Zeit noch einmal angenähert. „Insofern ist die Krise auch als Chance zu begreifen“, sagt Pfarrer Spöckl und wünscht sich, dass der ökumenische Gedanke auch nach Corona weiter Früchte tragen wird. „Wenn wir Kreativität walten lassen, ist in der Ökumene mehr machbar, als wir uns jetzt vorstellen können.“ Ein gemeinsames Weihnachtsfest im Freien kann sich Thilo Koch beispielsweise auch im kommenden Jahr vorstellen. Auch Frank Gimperlein ist für eine Zusammenarbeit offen. Er kann sich beispielsweise Messen auf dem Marktplatz vorstellen. „Das könnte auch jüngere Leute anziehen.“ Zunächst einmal müssen aber diese außergewöhnlichen Weihnachtstage über die Bühne gehen. In den Gotteshäusern gelten Abstandsregeln, Maskenpflicht und Einlassbeschränkungen. Für alle Gottesdienste vom 25. Dezember bis zum 6. Januar hat das katholische Pfarrbüro deshalb eine Anmeldung als verpflichtend erklärt. „Um den Besuch zu steuern“, erklärt Pfarrer Spöckl. Seine Empfehlung: Spontan sollte lieber niemand vor der Kirchentür stehen. „Es würde mir in der Seele weh tun, wenn wir an diesen Tagen jemanden wegschicken müssten.“

Gottesdienste

Heiligabend: Drei Gottesdienste auf dem Bleichwasen. Um 15.30, 17.30 und 19.30 Uhr. Kartenausgabe im katholischen Pfarramt am Freitag, 18. Dezember, von 8 bis 12 Uhr, am Montag, 21. Dezember, von 8 bis 12 und 14 bis 17 Uhr. Am Dienstag, 22. Dezember, gibt es Karten im evangelischen Pfarramt, ebenfalls von 8 bis 12 und 14 bis 17 Uhr. Telefonische Reservierungen sind nicht möglich. Wer zuerst kommt, kann sich die Karten sichern.

Weitere Hinweise auf die Gottesdienste an Heiligabend finden Sie in dieser Zeitung auf Seite 7 und online auf den Seiten der jeweiligen Dekanate.