Kitzingen

Die Fastenzeit ist fast vorbei. Sechs Wochen, die zu Beginn wie ein riesiger Berg vor uns lagen. Die Mehrheit der Redakteure machte sich tapfer an den steilen Aufstieg. Lediglich der eine oder andere versuchte, einen nicht ganz so anstrengenden Umweg zu nehmen. Wer am Ende der Sieger (der Herzen) ist? Lesen Sie selbst:

Julia Volkamer

(fit und gesund – 9,6 Kilo): Lieber Kollege Di., es sind fast zehn Kilo, die ich mit gesunder Ernährung und Sport abgenommen habe, und ich bin mir fast sicher, dass Du das in diesem Jahr (und im nächsten) nicht mehr aufholen wirst. Musst Du ja auch nicht... Aber mit Verlaub, „Strich in der Landschaft“ ist doch ein bisschen übertrieben. Wobei ich zugeben muss, dass ich mir die Verteilung des verbliebenen Körperfetts ein bisschen anders gewünscht hätte. Schultern und Oberarme etwas weniger muskulös, dafür mehr natürliche Polster für die Oberweite (nicht nur die aus den BHs, die mir in der Pubertät schon mal gepasst haben). Was auch wieder passt, ist meine Batik-Jeans aus Uni-Zeiten. Einmal abgesehen von den vielen Erinnerungen, die daran hängen, stecken die Beine dermaßen passgenau drin, dass ich beinahe versucht war, noch bis zur Thigh Gap – also der Lücke, die zwischen den Oberschenkeln bleibt, obwohl die Füße eng aneinander stehen – weiterzumachen. Bei der Recherche im Netz habe ich allerdings festgestellt, dass dieser Anspruch für mich nicht in Frage kommt. Die Mädchen auf den Fotos sind wirklich nur noch Striche und sehen vor lauter Hungern wahrscheinlich nicht einmal mehr eine Landschaft. Nein, so weit wird es nicht kommen. Und trotzdem sehe ich mich, ungeachtet der Leistung meiner Kollegen, definitiv als Gewinnerin dieser Fastenaktion. Ich fühle mich einfach gut. Und freue mich auf meinen ersten Mürbteigkeks.

Ralf Dieter

(Sport und nichts Süßes): Jeder hat seinen eigenen Blick darauf, was erfolgreich und weniger erfolgreich ist. Und das ist auch gut so. Nähme ich zehn Kilo in so kurzer Zeit ab, würde mich niemand mehr erkennen. Meine Frau nicht, meine Kinder nicht. Freunde würden an mir vorüberlaufen, ohne mich zu grüßen. Ich wäre ein Niemand. Meine Hosen würden an mir herumschlabbern, wie sonst nur meine Katze an meinen Zehen. Ein ekelhafter Gedanke. Mit meinen 900 Gramm Gewichtsabnahme bin ich absolut zufrieden. Meine Kleidungsstücke passen mir einwandfrei und mein Körper sendet mir Signale der Zufriedenheit. Ich war seit gefühlten Ewigkeiten wieder mal joggen, habe die Dehnbarkeit des Therabandes überprüft und war mit ein paar Freunden beim Padel-Tennis. Das muss für den Augenblick reichen. Das Jahr hat gerade erst angefangen. Abgerechnet wird zum Schluss.

Daniela Röllinger

(Achtsamkeit): Meine Aufmerksamkeit verstärkt auf das zu richten, was ich gerade tue, hat mir gut getan. Ich bin mehr draußen unterwegs, esse bewusster, mache ab und an Yogaübungen, meditiere hier und da, ärgere mich weniger. Und das alles werde ich auch weiterhin tun.

Trotzdem will ich ehrlich sein: Eines der Dinge, die ich mir fest vorgenommen hatte, habe ich versemmelt. Weil ich nicht achtsam genug war. Sozusagen als Höhepunkt zum Schluss wollte ich am Sonntag in den ganz frühen Morgenstunden mit meinem Jägersmann in den Wald gehen, mich mutig im Dunkeln alleine auf einer Kanzel platzieren, während er seines Weges geht, und ganz bewusst der Natur lauschen. Wobei mir die Vorstellung, am Fuße der Leiter könnte ein Wildschwein auf mich lauern, schon mehr als nur ein bisschen Schiss gemacht hat. Aber es ging in meiner Aktion ja auch darum, Ängste zu überwinden um zu erkennen, dass man sich viel zu oft Sorgen um Dinge macht, die dann gar nicht eintreten. Blöd war nur, dass ich bei der Terminierung die Zeitumstellung vergessen hatte. Wer bitte geht denn, wenn einem nachts eh die Stunde von zwei auf drei geklaut wird, um vier in den Wald? Keine Sau, noch nicht mal eine wilde. Und ich auch nicht. Stattdessen hab ich am nächsten Tag einen Baum umarmt. Man muss ja schließlich für die Nach-Fastenzeit auch noch Ziele haben.

Nina Grötsch

(Heilfasten/Rückblick auf Tag 6 und die Tage danach): Fastenbrechen nennt man den großen Moment, wenn man nach fünf Tagen ohne Essen endlich in einen Apfel beißen darf. Pizza wäre mir lieber gewesen. Jedoch weiß ich mittlerweile, dass die Tage danach entscheidender sind als die Fastenzeit an sich. Mindestens drei Tage ist noch Schonkost angesagt, um keine organischen Schäden zu riskieren. Und tatsächlich lösen auch ein Stück Knäckebrot und eine salzarme Kartoffel schon kleine Geschmacksexplosionen in mir aus. Ich schaffe übrigens noch nicht mal einen halben Apfel, da bin ich schon satt. Was mein Wohlbefinden angeht: Ich habe keine Höhenflüge, aber fühle mich irgendwie „aufgeräumt“. Das Gefühl, dem Körper etwas Gutes getan zu haben, kombiniert mit sechs verlorenen Kilos ist kein schlechtes (auch wenn drei davon schnell wieder drauf sind). Am besten gefällt mir, wie lecker plötzlich wieder alles schmeckt. Und die Tatsache, dass ich bis zur nächsten Fastenzeit wieder in vollen Zügen genießen kann.

DIANA FUCHS

(Jeden Tag eine gute Tat): Super, Kollegen! Die weiblichen haben sich vielleicht ein bisschen mehr und ernsthafter ins Zeug gelegt als der männliche, aber Schwamm drüber. Was zählt, ist am Ende doch das gute Gefühl – und das teilen wir Fünf heuer irgendwie alle. Ich für meinen Teil muss zugeben: Frühere Herausforderungen waren schlimmer. Bei der „Täglich-15.000-Schritte-Challenge“ letztes Jahr oder beim Plastikfasten davor hab' ich mich mehr plagen müssen. Gute Taten, ob groß oder klein, lassen sich leichter in den Alltag integrieren. Das Schöne: Sie freuen nicht nur die Nehmer, sondern auch mich als Geber.

Allerdings: Zu offensiv darf man an die Sache nicht rangehen. Zum Schluss unserer Aktion wollte ich es nochmal richtig wissen, verzierte zehn Tütchen mit Blumen- und Kräutersamen und wollte damit die Passanten erfreuen, die mir bei meinem Gang über die Alte Mainbrücke in Kitzingen entgegenkamen. Die große Mehrheit zuckte erstmal zurück, als die Frau mit der Maske und den kleinen Päckchen in der ausgestreckten Hand sie einfach so ansprach. Manche gingen wortlos weiter. Das fühlte sich natürlich nicht gut an. Aber in Corona-Zeiten haben wir halt Vorsicht gelernt, manche sogar Übervorsicht. Egal. Nächstes Jahr gibt's möglicherweise eine neue Fasten-Redaktionsaufgabe. Bis dann...