Landkreis Kitzingen

Es bleibt eisig kalt. Bis zum Sonntag sind Minustemperaturen im zweistelligen Bereich drin. Zumindest in den Nächten. Tagsüber klettern die Grade nicht in den Plusbereich, auch wenn es zunehmend sonniger wird. Was der Dauerfrost mit Menschen, Tieren und Pflanzen macht – und was es jetzt zu beachten gilt – erklären Experten aus der Region:

Die Gesundheit:

Auch bei diesen Temperaturen ist es durchaus gut für die Gesundheit, Zeit an der frischen Luft zu verbringen. Philipp Zabel, Chirurg an der Klinik Kitzinger Land, animiert alle Landkreisbürger zu einem Spaziergang an der äußerst frischen Luft. „Das ist allemal besser, als in der Wohnung zu bleiben und sich nicht zu bewegen.“ Beim Joggen sollten allerdings Menschen mit chronischen Herz- oder Lungenerkrankungen vorsichtig sein. Bei der kalten Luft können die Schleimhäute austrocknen und zu Husten oder sogar Atemnot führen. Für alle anderen gilt: Sport im Freien ist grundsätzlich möglich. Der Organisator des Krankenhauslaufes und passionierte Läufer rät dazu, vor und nach dem Sport genug zu trinken, sich daheim gut aufzuwärmen, bevor es auf die Strecke geht. Bei diesen Temperaturen sollte lieber mit geringerer Intensität gelaufen werden, so dass die Nasenatmung noch möglich ist und die Atemluft so besser angefeuchtet wird. Ein Tuch vor Mund und Nase kann gegebenenfalls helfen, um die Atemluft anzuwärmen. Auf glatten Wegen sollte keinesfalls gejoggt werden.

Für die Untrainierten ist eine Stunde ausreichend, alle anderen können auch länger laufen. Besonders wichtig sei es, nicht auszukühlen. Funktionswäsche führt den Schweiß von der Haut weg, Baumwolle führe dazu, dass der Körper schnell kalt und nass wird. Nach dem Sport sollte es schnell unter die Dusche gehen.

Die Landwirtschaft:

Ein paar Nutztiere überstehen auch die bitterkalten Nächte in diesen Zeiten. Dexter- oder Angusrinder sind quasi dafür gemacht. „Das Problem ist da eher die Fütterung und die Wasserversorgung“, erklärt Wilfried Distler Geschäftsführer des Bauernverbandes in Kitzingen. Die Weiden sind mit Schnee bedeckt, die Tränken vereist. Jetzt ist der Halter gefordert. In den Ställen der Milchviehhalter haben es die Tiere da ein Stück weit wärmer, finden Schutz vor dem eisigen Wind. „Jetzt kann es allerdings passieren, dass der Kot auf den Spalten festfriert“, erklärt Distler. Ein großes Problem ist das allerdings nicht. „Das löst sich wie von selbst, wenn es wieder taut.“

Den Ackerbaubetrieben kommt die geschlossene Schneedecke auf den Feldern gerade recht. Die wirkt wie eine Isolationsschicht, verhindert das Auskühlen des Erdbodens und schützt die Wintersaaten. Außerdem dringt die Feuchte beim Tauen direkt ins Erdreich ein. „So eine Winterfeuchte hat uns in den letzten Jahren gefehlt“, so Distler.

Die Winzer:

„In einer Woche sind wir schlauer“, sagt Beate Leopold, Geschäftsführerin des Weinbaurings. Sie geht davon aus, dass die Reben gut über die Zeit kommen – vor allem, wenn das Holz gut ausgereift ist. Probleme könnte es dort geben, wo Schaderreger schon einmal für eine Schwächung gesorgt haben. Derzeit gehen die Prognosen von Nachtfrösten zwischen minus elf und minus 19 Grad aus. „So lange die Temperaturen nicht unter minus 20 Grad fallen, sollten wir uns keine übertriebenen Sorgen machen“, sagt Leopold. Am gefährlichsten dürfte es für diejenigen Rebsorten werden, die normalerweise in südlicheren Gefilden wachsen und wegen des Klimawandels mit trockenen und heißen Sommermonaten zuletzt auch in Franken gepflanzt wurden. „Die so genannte Frosthärte ist – je nach Rebsorte – unterschiedlich ausgeprägt“, erklärt Leopold. Die herkömmlichen Sorten wie Müller-Thurgau oder Silvaner sollten mit der Kälte gut klarkommen. Die Winzer sollten aber auf jeden Fall den Rebschnitt einstellen. „Sonst geht die Kälte über die Wunde noch tiefer in die Pflanze rein“, erklärt die Fachfrau. Ab minus zehn Grad sollte diese Arbeit gelassen werden. Eine Alternative für alle Weinbauern hat Leopold parat: Daheim vor dem Kamin einen fränkischen Glühwein genießen.

Schlittschuhlaufen:

„Wir geben offiziell keine Flächen frei“, betont Frank Winterstein vom Ordnungsamt der Stadt Kitzingen. So verfahren auch andere Gemeinden im Landkreis und das Landratsamt als oberste Behörde. Klar: Wer eine Fläche offiziell zum Schlittschuhlaufen freigibt, übernimmt auch die Haftung. „Viel zu riskant“, sagt Winterstein, der trotz der Eisschicht auf manchen Seen eindringlich davor warnt, die Gewässer zu betreten. Mindestens zwei Wochen müsste es so kalt sein wie in diesen Tagen, damit das Eis auch trägt. „Gerade in der Mitte der Flächen ist es viel zu gefährlich“, so Winterstein.