Der Gründling ist ein geselliger, friedlicher Fisch: Er hält sich überwiegend am Gewässergrund auf, schwimmt niemandem im Weg herum und ernährt sich hauptsächlich von Algen. Auch in Gartenteichen fühlt er sich wohl und sorgt dort für ein ausgewogenes, biologisches Gleichgewicht. Trotzdem gehört er zu den gefährdeten Arten. Michael Kolahsa kann das überhaupt nicht nachvollziehen. Für ihn ist der Gründling eine echte Alternative zu Goldfisch, Koi und Co.. Und der Trend hin zum naturnahen Teich mit Biotopfischen darin nur folgerichtig.

„Die Fische ergänzen sich gegenseitig und pflegen (...) den Teich von ganz alleine.“

Michaela Gerstner-Scheller,

Züchterin

Bei der Fischereifachberatung des Bezirks Unterfranken ist Michael Kolahsa so etwas wie der Gründling in Menschengestalt: Er sorgt seit dem 1. Juni für ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen tierischen und menschlichen Schützlingen. Sein Lebenslauf liest sich zumindest so, als habe er ein Leben lang auf die Fischereifachberater-Stelle hingearbeitet. In der Landesanstalt für Wasserforschung Wielenbach arbeitete er fünf Jahre lang als Fischwirtgeselle. Nach diesen Praxis-Jahren studierte er an der TU München-Weihenstephan Landwirtschaft, danach war er ein Jahr lang als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU München und dann von 2007 bis 2010 als wissenschaftlicher Angestellter an der Fischereiforschungsstelle Baden-Württembergs tätig.

Michael Kolahsa hat das Thema Fischzucht und Fischerei quasi aus allen Blickwinkeln kennengelernt. Und so gibt es für ihn auch beim Thema Teichbesatz kein „besser oder schlechter“. Seine Sympathie für die einheimischen Fischarten kann er trotzdem nicht verhehlen. Im Teichbau-Modellbetrieb in Maidbronn züchtet er mit seinem Team verschiedenste Arten von Biotopfischen. Neben dem Gründling ist das Moderlieschen sein Lieblings-Biotop-Fisch. Es heißt nicht so, weil es vor sich hin stinkt, sondern weil die Bezeichnung sich von „Mutterloseken“ ableitet: Seine Eier sind sehr klebrig und werden im Gefieder von Wasservögeln in andere Gewässer getragen – wo sie quasi „mutterlos“ aufwachsen.

„Da sind wirklich spannende Tiere dabei“, sagt auch Michaela Gerstner-Scheller. In ihrem Fischzuchtbetrieb in Obervolkach verkauft sie neben den bekannten Arten auch Biotopfische – und kann Teichbesitzer nur darin bestärken, beim Besatz auf heimische Tiere zurückzugreifen. „Die Fische ergänzen sich gegenseitig und pflegen in vielen Bereichen den Teich von ganz alleine.“

Wie der Gründling, der mit den so genannen Barteln nicht nur Futter findet, sondern auch den Boden auflockert, trägt der hochrückige Bitterling die Larvenstadien der Muscheln in den Kiemen und auf der Haut. Im Gegenzug legen sie ihre Eier mit ihrer Legeröhre in die Muscheln, wo sie anschließend vom Männchen befruchtet und geschützt groß werden können.

All diese Phänomene kann man in einem naturnahen Gartenteich wunderbar beobachten. Michaela Gerstner-Scheller wundert es nicht, dass immer mehr Teichbesitzer auf den Biotopfisch kommen. Beziehungsweise, sich dafür entscheiden, eine naturnahen Teich anzulegen. Zwischen 350 und 6000 Euro kostet die Erstinstallation eines Naturteiches – wobei grundsätzlich „keine Grenzen nach oben vorhanden“ sind, sagt Michael Kohlahsa. Dafür fallen zusätzliche Investitionen, zum Beispiel laufende Kosten für Filteranlagen und Futtermittel, größtenteils weg.

Die Tiere müssen sich ihre Nahrung, wie Plankton, Insektenlarven, Krebstiere und Algen, selbst suchen und tragen damit zu einer ausgeglichenen Nährstoffbilanz bei: Die von den Fischen abgegebenen Abfallstoffe werden im Rahmen des Stickstoffkreislaufs zu Nährstoffen für Pflanzen und Algen umgewandelt, die wiederum bilden die Grundlage für die Entwicklung der Tierarten. Bevor also Fische in einen Naturteich eingesetzt werden können, müssen sich die Pflanzen schon gut entwickelt haben: Das ist in der Regel ein bis zwei Jahre nach der Neuanlage der Fall.

So lange haben die Besitzer Zeit, sich für die Anschaffung von Biotopfischen zu entscheiden. Erschwinglich sind sie allemal.

„Im Verhältnis zur Anlage des Teiches ist der Fischbesatz, zumindest, wenn man beim Erzeuger kauft, recht günstig“, weiß Michaela Gerstner-Scheller. Während ein einfacher Goldfisch mindestens 1,40 Euro kostet, ist ein Moderlieschen schon für 90 Cent zu haben.

Auch die teureren Biotopfische wie der Gründling (1,85 Euro) oder ein Dreistachliger Stichling (2,90 Euro) erreichen bei weitem nicht den Preis des so beliebten Koi – ein Schmetterlings-Karpfen-Pärchen kostet da schon mal 1299 Euro. Das würde in einem Gartenteich zwar entscheidend zur Vergrößerung der Population beitragen, für eine ausgeglichene Nährstoffbilanz müsste dann allerdings der Teichbesitzer sorgen: Zierfische sehen tatsächlich größtenteils einfach nur schön aus.

Der Dreistachlige Stichling ist das auch. In allen Farben des Regenbogens schillert die silberne Haut. Vor allem die Männchen sind imposant gefärbt, bauen kugelförmige Nester, vergnügen sich teilweise mit mehreren Weibchen und verteidigen ihren Laich bis aufs Blut, bis der nach ein paar Tagen frei schwimmen kann. Solche Szenarien beobachten zu können, wäre für Fischereifachberater Michael Kolahsa schon Grund genug, sich diese Art von Teichen und Fischen in den Garten zu holen. Es gibt aber noch mehr.

„Sie tragen als Lebensraum für bedrohte Arten zur Biodiversität bei“, erklärt der Experte, wirken gleichzeitig wie kleinräumige Klimazonen, sorgen im Sommer für Abkühlung. Auch den hohen Entspannungsfaktor will er nicht außer Acht lassen: Ein Teich im Gleichgewicht ist gleichzusetzen mit einem Besitzer im Gleichgewicht. Wer das möchte, wird um den friedlichen Gründling nur schwer herumkommen.

Fische im Biotop

Biotopfische Diese einheimischen Fischarten leben nicht nur in der freien Wildbahn, sondern eignen sich auch für die Haltung im Gartenteich. Besonders Arten bis zu einer Größe von zehn Zentimetern (es gibt rund 100 verschiedene) fühlen sich in ruhigen Gewässern mit wenig Strömung wohl. Viele Arten sind vom Aussterben bedroht. Dabei zeigen sie verblüffende Überlebensstrategien, die in einem Gartenteich gut beobachtet werden können.

Lebensraum Für die Haltung von Biotopfischen eignen sich gut bepflanzte naturnahe Gartenteiche. Im klassischen Naturteich kommt keine Filtertechnik zum Einsatz und die Fische werden nicht gefüttert, während in naturnahen Teichen der Einfluss durch Technik und Fütterung möglichst gering gehalten wird. Der Teich sollte mindestens ein Volumen von 2.000 Litern haben, über verschiedene Stufen/Zonen verfügen und an einer Stelle etwa 80 Zentimeter tief sein, damit die Tiere sicher überwintern können. Soll der Naturteich funktionieren, dürfen nicht zu viele Fische eingesetzt werden. Für einen Zentimeter ausgewachsener Fisch sollten mindestens 30 Liter Wasser vorhanden sein. Das entspricht ungefähr einer Gruppe von sieben bis zehn Moderlieschen in einem 2.000 Liter Teich. Invasion Auf Arten aus Nordamerika (z. B. Gold- oder Dickkopfelritze) oder Asien (Goldbitterling) sollten Teichbesitzer aufgrund ihres invasiven Charakters und der damit verbundenen Gefahr für die einheimischen Gewässer und Fischarten verzichten. quelle: IVH/BNA